Pöbeleien, Müll, laute Musik und Drogengeschäfte: Die Grünanlagen rund um die Caponniere in Neu-Ulm haben sich zunehmend zu einem Problem-Treffpunkt für Jugendliche und Heranwachsende entwickelt. Im vergangenen Jahr gab es mehrere Beschwerden von Anwohnern (wir berichteten). Die Polizei hat das Areal südlich der Glacis-Galerie und des Bahnhofs im Blick. Auch eine private Sicherheitsfirma geht im Auftrag der Stadt regelmäßig auf Streife. Möglicherweise werden dort künftig zudem Überwachungskameras aufgestellt.
Schlägereien, Drogenfunde und 63 Platzverweise
Wie die Verwaltung im Technischen Ausschuss öffentlicher Lebensraum und Verkehr berichtete, haben die Sicherheitsleute voriges Jahr von Mai bis September mehr als 200 Kontrollen an der Caponniere durchgeführt. Sie registrierten bei den Jugendlichen häufig Alkoholkonsum, Lärm durch laute Unterhaltung und Musik sowie Vermüllung. Das Schutzvlies der „Grünen Wand“ wurde mehrfach aufgeschlitzt, außerdem versuchten Unbekannte, die Wand in Brand zu setzen. Es gab zwei Schlägereien und zwei Drogenzufallsfunde. In diesen Fällen wurde die Polizei hinzugezogen. 63 Personen erhielten Platzverweise durch den Sicherheitsdienst. Auseinandersetzungen mit den Mitarbeitern wurden nicht gemeldet – die Stadt geht davon aus, dass die Jugendlichen Respekt vor den mitgeführten Hunden haben. Allerdings sei gegenüber der Polizei, den Anwohnern und Spaziergängern ein „teilweise äußerst aggressives Verhalten“ gemeldet worden. Die Caponniere 4 habe sich als Szenetreffpunkt etabliert – mit allen negativen Begleiterscheinung wie Vermüllung, Alkoholkonsum, Lärm und Pöbeleien. „Eine der Ursachen ist hier, dass das sozialschädigende Umfeld des Bahnhofsmilieus in das Wohnquartier Caponniere und in die dortige Grünanlage ihre negative Wirkung entfaltet“, schreibt die Verwaltung in ihrem Bericht. 2018 habe es 18 Bußgeldverfahren wegen Trinkgelagen und Ruhestörungen gegeben. „Sowohl Polizei als auch die Abteilung Sicherheit und Ordnung sind hier gefordert, um gemeinsam diesem zunehmenden Problem zu begegnen“, heißt es. Auch in diesem Jahr soll es regelmäßige Kontrollen geben, wie auch am Donau-Ufer, im Glacis-Park, im Freizeitpark Wiley sowie im Grünzug Kammerkrummen.
Bislang gibt es noch keine städtische Videoüberwachung in Neu-Ulm
Dabei soll es aber nicht bleiben. Die Verwaltung möge prüfen, ob an der Caponniere 4 eine Video-Überwachung möglich ist, schlug Waltraud Oßwald (CSU) vor. Oberbürgermeister Gerold Noerenberg (CSU) wies sie darauf hin, dass der Antrag nicht mehr nötig sei: „Die Prüfung läuft bereits verwaltungsintern.“ Allerdings glaubt das Stadtoberhaupt: „Das wird nicht einfach werden.“ Eine Videoüberwachung im öffentlichen Raum muss gut begründet werden, etwa damit, dass in einem bestimmten Bereich häufig Straftaten passieren. Bislang hat die Stadt Neu-Ulm noch nirgendwo Kameras installiert.