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Ulm

22.01.2021

"Historische" Krise: Wie sich Corona auf den Arbeitsmarkt rund um Ulm auswirkt

Das vergangene Jahr war rund um Ulm geprägt von Kurzarbeit. Über 57000 Arbeitnehmer waren direkt betroffen.
Foto: Bernhard Weizenegger

Plus Ein Rückblick der Agentur für Arbeit zeigt das historische Ausmaß der Corona-Krise rund um Ulm. Doch der Agenturchef hat Hoffnung.

Wie tief die Spuren sind, die Corona im vergangenen Jahr hinterließ, machen die Zahlen der Agentur für Arbeit aus Ulm deutlich: 57.839 Arbeitnehmer aus 3511 Betrieben befanden sich zum Höhepunkt der Krise im April des Jahres 2020 in Kurzarbeit. Das ist etwa ein Viertel aller Arbeitnehmer des Agenturbezirks und „historisch“, wie es Mathias Auch, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Ulm, bei der online abgehaltenen Jahrespressekonferenz ausdrückte.

Wenn der studierte Historiker Auch von historisch spricht, dann allein aus diesem Hintergrund wirklich nur, wenn es angebracht ist. Und ein Vergleich mit der Krise vor elf Jahren zeige, dass es in der Vergangenheit keine vergleichbare Situation gegeben habe.

Mit 15.500 Betroffenen habe die Kurzarbeit 2009 „nur“ acht Prozent der Beschäftigten um Teile des Gehalts gebracht.

Gastronomie rund um Ulm besonders stark betroffen

Weiteres Merkmal der Krise des Jahres 2020: Sämtliche Branchen waren und sind betroffen. Dennoch natürlich mit Abweichungen. Im Zeitraum von März bis Juni, dem Höhepunkt der Krise, waren im Schnitt folgende Branchen besonders von Kurzarbeit betroffen: verarbeitendes Gewerbe (18.616 Beschäftigte, 382 Betriebe); Handel (5158 Beschäftigte, 510 Betriebe) und Gastgewerbe (2862 Beschäftigte, 504 Betriebe).

Mit dem Juni sank die realisierte Kurzarbeit rapide auf 2280 Beschäftigte. Vergangenen Monat, also im Dezember, waren 4335 Beschäftigte in 390 Betrieben betroffen. Wie außergewöhnlich dieser Anstieg ist, lässt sich auch an der Zahl der Mitarbeiter ablesen, die im Mai bei der Agentur ausschließlich mit dem Thema Kurzarbeit befasst waren: 120 statt 13 in der Vorkrisenzeit.

"Corona-Schock" am regionalen Arbeitsmarkt

Trotz eines „Corona-Schocks“, so Auch, den die Pandemie dem regionalen Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr zugefügt habe, sei der Großraum Ulm „mit einem bis anderthalb blauen Augen“ davon gekommen. Die Zahl der arbeitslosen Menschen im Jahresdurchschnitt erreichte mit 9858 den höchsten Wert seit Jahren. Zum Vergleich: 2019 waren es im Schnitt nur 7313. Die Arbeitslosigkeit sinke seit August. Mit 3,2 Prozent Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt sei der Bezirk einer der im positiven Sinne führenden Regionen im Land. Wenngleich dies dennoch einen Anstieg im Vergleich zum Jahr 2019 um 0,8 Prozent bedeutet.

Agentur für Arbeit in Ulm gibt 180 Millionen Euro für Kurzarbeit aus

Noch stärker war der Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Stadt Ulm. Statt 3,3 Prozent wie im Vorjahr waren hier 4,2 Prozent der Bewohner arbeitssuchend. Wie Auch betont, habe sich das Instrument der Kurzarbeit wieder einmal als ein Instrument bewährt, das vor größerer Arbeitslosigkeit sichere. Allein die Ulmer Agentur habe dafür 180 Millionen Euro ausgegeben. Die Milliardenausgaben, die bundesweit ausgezahlt wurden, seien weitgehend aus den Rücklagen der Arbeitsagentur finanziert, die sie in den vergangenen Jahren aufgebaut hatte.

Das Thema Fachkräftemangel bleibt

Grundsätzlich gibt sich Auch für das laufende Jahr optimistisch. Denn es sei ermutigend, wie schnell es nach dem ersten Lockdown wieder aufwärtsgegangen sei. Die Zahl der im Schnitt monatlich neu eingegangenen offenen Stellen sei zwar mit zuletzt grob 3650 auf einem sehr niedrigen Niveau, doch das große Thema Fachkräftemangel sei deswegen nicht vom Tisch. 54 Prozent der Unternehmen rechnen bundesweit im Jahr 2021 mit Engpässen. Das ergibt sich aus dem Fachkräftemigrationsmonitor der Bertelsmann-Stiftung.

Gewisse Sorge bereitet Agenturleiter Auch, dass er Anzeichen sieht, dass die Unternehmen der Region in Zukunft weniger Auszubildende einstellen. Noch sei dies eine Momentaufnahme, die sich nicht mit Zahlen untermauern ließe.

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