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Ulm

05.07.2013

In Bar ausgerastet und auf Mann eingestochen

Bild: Archiv

29-Jähriger wegen versuchten Mordes vor dem Ulmer Landgericht. Zeugen haben Angst

Ulm Eigentlich wollte ein junges Ehepaar mit einer Freundin in einer kalten Januarnacht dieses Jahres in einer Bar in der Nähe des Ulmer Bahnhofs nur ein wenig reden, lachen und etwas trinken. Doch dann kam alles anders, sodass sie gestern als Zeugen in einem Schwurgerichtsprozess standen, bei dem es um versuchten Mord ging.

Der 24-Jährige und seine 22-jährige Frau aus Neu-Ulm sowie die Freundin hatten es sich damals am Tisch gemütlich gemacht, als der 29-jährige Murat K. am späten Abend ins Lokal kam und fragte, ob er sich dazusetzen dürfe. Eigentlich hatte das Ehepaar zu diesem Bekannten den Kontakt abgebrochen, weil sie vermuteten, er habe die jüngere Schwester der Frau vergewaltigt. Eine Anzeige war jedoch von der Staatsanwaltschaft verworfen worden. Aber weil die Stimmung gut war, ließ man ihn sich setzen, was sich als eklatanter Fehler herausstellen sollte.

Kurz nach Mitternacht bat ein weiterer Mann, ob er Platz nehmen dürfe. Das Ehepaar willigt auch dieses Mal ein, man hatte schon ein bisschen getrunken. Der Mann war ein Fremder, wie sich später herausstellte ein Algerier. Als der sich angeregt mit der Freundin des Ehepaars unterhielt, rastete Murat K. völlig aus. Es kam zu einem Wortgefecht. Als der Algerier zur Toilette ging, verfolgte ihn K. und stach laut Anklageschrift wie ein Berserker auf ihn ein, um ihn zu töten. Laut Staatsanwalt zielte er mit seinem Messer mehrfach auf Kopf und Oberkörper, nur mit großem Geschick konnte der Algerier mit den Händen und Armen die mit Wucht ausgeführten Attacken abwehren, bis der Ehemann, dem am Tisch schon Böses schwante, zum Tatort kam und sich zwischen die beiden Kontrahenten werfen konnte. Blutüberströmt flüchtete das Opfer aus der Toilette. Doch der entfesselte Messerstecher folgte ihm in die Bar nach und konnte erst vor dem Lokal vom Türsteher mit Pfefferspray gebändigt werden. Auf einem Video der Überwachungskamera konnte die zweite Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Gerd Gugenhan gestern beobachten, was damals vor dem Lokal abging: Mit nacktem Oberkörper, der durch eigene Messerschnitte Wunden davontrug und blutete, wedelte der Angeklagte bei Minustemperaturen mit der Waffe, einem Bundeswehrmesser, herum und suchte die Gegend nach seinem Opfer ab, das er – so die Anklageschrift – töten wollte. Für den Staatsanwalt war das ein lupenreiner Mordversuch. Die Anklageschrift stützt sich wesentlich auf die Aussagen des Ehemannes.

Im Zeugenstand schwächte er diese erheblich ab, sodass das Gericht nachhaken musste, um sich ein Bild von der Tatnacht zu machen. Letztlich bestätigte der Zeuge doch noch seine Aussagen und antwortete auf die Frage des Gerichts nach seinem Verhalten: „Ich habe Angst.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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