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Felddiebstahl

16.10.2012

Kürbisklau kann teuer werden

Selbst wer geringwertige Sachen wie etwa Kürbisse oder Obst mitgehen lässt, kann bestraft werden. Der sogenannte Felddiebstahl wird aber nur sehr selten bei der Polizei angezeigt.
Bild: Sabina Rösch

Wer Früchte mitgehen lässt, kann schnell in Teufels Küche kommen

Neu-Ulm Jetzt liegen sie wieder am Wegesrand zum Abholen bereit: Unmengen von Kürbissen. Mitnehmen darf sie jeder, vorausgesetzt er entrichtet einen mehr oder weniger großen Obolus. Allerdings wird nicht selten Letzteres „vergessen“ – angeblich, weil der Kürbisfreund die Kasse nicht gefunden hat oder weil er kein Kleingeld, sondern nur einen Hunderter im Geldbeutel hat.

Rein juristisch handelt es sich dabei um einen Fall von Diebstahl – genau so wie das heimliche Pflücken eines Apfels in Nachbars Garten oder das Mitnehmen von Blumen.

Nur selten Anzeige bei der Polizei

Angezeigt werden derartige Felddiebstähle – vermutlich wegen der Geringfügigkeit des Schadens – nur sehr selten, sagt Hauptkommissar Jürgen Salzmann von der Polizeiinspektion Neu-Ulm. „Wenn jemand wegen solcher Sachen zu uns kommt, dann ist meistens schon vorher etwas geschehen. Beispielsweise wenn der Hausherr den Nachbarn zum wiederholten Mal dabei beobachtet hat, wie er sich ungefragt an seinen Obstbäumen bedient hat.“ Häufig merken die Opfer auch gar nicht, dass sie beklaut worden sind – es sei denn, dass beispielsweise ein Langfinger so viele Kürbisse mitnimmt, dass es auffällt – vor allem dann, wenn kein Cent in der Kasse liegt.

Feld- und Ackerdieben das Handwerk zu legen ist einigermaßen schwierig, wie Polizist Salzmann bekennt. „Meist gibt es keine Ermittlungsansätze, es sei denn, ein Dieb wurde auf frischer Tat ertappt.“ Dann werde der Sache selbstverständlich nachgegangen.

Einmal in den Mühlen der Justiz kann es für einen Felddieb ziemlich ungemütlich werden. Bei bis dahin unbescholtenen Bürgern werden geringfügige Diebstähle zumeist eingestellt, sagt der Leiter der Staatsanwaltschaft Memmingen, Dr. Johann Kreuzpointner. Anders sieht es aus, wenn der Beschuldigte bereits etwas auf dem Kerbholz hat. Dann kann es durchaus teuer werden.

Oder, wenn ein Dieb ein Messer dabei hat, wie der Mann, der auf einem Feld in der Nähe von Mindelheim (Landkreis Unterallgäu) einen Krautkopf abschnitt. Gegen ihn wurde ein Strafverfahren wegen „Diebstahls mit Waffen“ eingeleitet. Kreuzpointner: „Mindeststrafe sechs Monate. Selbst wenn man einen minderschweren Fall annimmt, kommen immer noch drei Monate heraus.“

Angesichts des niedrigen Werts der Beute einerseits und der Höhe der Strafandrohung sieht das aus wie das Schießen mit Kanonen auf Spatzen. Das weiß auch der Leitende Oberstaatsanwalt, der einen Gesetzeskommentar zitiert, in dem von einer „unglücklichen Formulierung“ die Rede ist. Rein rechtlich würden sich auch Kinder strafbar machen, die einen Holzprügel in die Krone eines Kastanienbaums werfen, damit die Maronen herunterfallen. „Im Sinne des Gesetzes ist so ein Prügel ein gefährliches Werkzeug, das als Waffe benutzt werden kann.“

Dem bewaffneten Krautdieb von Mindelheim blieb der Gang ins Gefängnis erspart, wie sich Kreuzpointner erinnert. Der Fall wurde gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Allerdings – die Geldauflage war gepfeffert. Rückblickend betrachtet, wäre es besser und billiger gewesen, hätte der Mann den Krautkopf beim Gemüsehändler gekauft.

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