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Ulm/Neu-Ulm

19.05.2015

Leuchtende Farben, dunkle Flecken

So bunt geht es in der Lackiererei von Evobus zu. Fast genauso bunt ist das Spektrum der Befindlichkeiten der Betriebe aus der Metall- und Elektroindustrie. 600 Farben stehen bei Evobus zur Auswahl, in Europas modernster Lackieranlage für Omnibusse.
Bild: Alexander Kaya

Das Herz der Wirtschaft schlägt zuverlässig und stabil. Warum die Arbeitgeber in der nun veröffentlichten Konjunkturumfrage aber auch Grund zur Sorge erkennen

Ulm Den Firmen der Metall-und Elektroindustrie rund um Ulm geht es prächtig. Zumindest mehrheitlich: 63 Prozent der Betriebe wuchsen in Sachen Umsatz laut einer repräsentativen Umfrage des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, davon 22 Prozent sogar über zehn Prozent.

„Das Herz der Wirtschaft schlägt zuverlässig und gesund“, kommentierte Götz Maier, der Geschäftsführer von Südwestmetall. Der Umsatz lag bis zum Stichtag 1. April 2015 bei 11,19 Milliarden Euro. Das bedeutet 2,7 Prozent Wachstum. Der Exportanteil wuchs um fast ein Prozent auf 52,6 Prozent. Kurarbeit wurde in nur fünf Prozent der Betriebe geleistet, im vergangenen Jahr waren es noch neun Prozent.

Die Auslastung der Betriebe hat mit 91 Prozent das höchste Niveau seit Jahren erreicht. Und es geht so positiv weiter: 75 Prozent der Firmen erwarten im laufenden Jahr weiter steigende Umsätze, wobei keine einzige Firma in der Umfrage erwartet, einen deutlichen Rückgang hinnehmen zu müssen. Mit einem leichten Rückgang der Umsätze kalkulieren hingegen elf Prozent der Firmen.

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Rekordverdächtige 483 Millionen Euro planen die Metall–Firmen 2015 zu investieren. Dabei übertrumpfte bereits die Investitionssumme aus dem vergangenen Jahr mit 399 Millionen bereits die Ziffern der Vorjahre. „Die hohe Investitionsbereitschaft ist ein Ausdruck der positiven Zukunftserwartungen“, sagte Mario Trunzer, Vorsitzender der Südwestmetall Bezirksgruppe Ulm und Geschäftsführer des Liebherr-Werks in Ehingen. Und ein Bekenntnis der mittelständisch geprägten Unternehmerlandschaft zur Region. Dies macht sich auch beim Personal bemerkbar. Die Stammbelegschaft der Mitgliedsbetriebe wuchs um 1,3 Prozent auf 49868. Der Anteil der Leiharbeiter (4,8 Prozent) oder befristet Beschäftigten (4,1 Prozent) blieb ziemlich stabil.

29,6 Prozent der Betriebe wollen weiter Personal aufbauen und nur knapp 17 Prozent abbauen, was zu einem positiven Saldo führt. So ist und bleibt Fachkräftemangel ein Thema. 205 unbesetzte Stellen (davon 91 Facharbeiter und 71 Ingenieure) könnten derzeit nicht besetzt werden. Die Rekrutierung von Nachwuchs scheint zu funktionieren: Nur 23 unbesetzten Lehrstellen stehen 624 junge Menschen gegenüber, die dieses Jahr einen Beruf in der Metall- und Elektroindustrie erlernen werden. Möglicherweise hat dies auch mit Tarifabschlüssen zu tun, die Metall-Berufe interessant machen. Gleichzeitig beklagt der Südwestmetall-Vorsitzende Trunzer aber einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit durch wachsende Personalkosten. Der Anteil an Löhnen und Gehältern am Umsatz der regionalen Firmen stieg seit 2011 von knapp 15 Prozent auf aktuell über 19 Prozent. Überhaupt betonte Trunzer, dass die Bäume für die regionalen Metall–Firmen nicht in den Himmel wachsen. Denn den 63 Prozent der Firmen, die mit steigendem Umsatz rechnen, stehen 37 Prozent gegenüber, die mit Umsatzrückgängen rechnen. Elf Prozent sogar mit erheblichen Einbußen. Als „sehr differenziert“ beschreibt Südwestmetall-Geschäftsführer Maier die Lage. Es gebe keine spezielle Branche, die zur Zeit besonders leide. Ein Puzzlestück im Szenario jener Firmen, die unter Umsatzeinbußen leide, sei aller Wahrscheinlichkeit die Russland-Ukraine-Krise.

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