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Ulm

10.04.2019

Licht soll Wildpinkler am Ulmer Münster abschrecken

Solche Bilder soll es in Zukunft nicht mehr geben: Lichter werden ab kommendem Jahr die Süd- und Ostfassade des Münsters erhellen – auch, um Wildpinkler abzuschrecken.
Bild: Alexander Kaya (Archivfoto)

Plus Gegen Menschen, die ihre Notdurft am Ulmer Münster verrichten, geht die Stadt nun vor. Knapp 700.000 Euro gibt Ulm für Leuchten aus. Auch der Zaun kommt weg.

Bodenleuchten, Lampen auf Masten und Lichter an Nachbargebäuden: So sieht das Konzept für die Süd- und Ostfassade des Münsters aus. Das Stuttgarter Büro Belzner Holmes Light Design hat den Entwurf ausgearbeitet, der die Stadt Ulm knapp 700.000 Euro kosten soll. Weitere 150.000 Euro für die Komplettierung des Bodens werden mit den Kosten für das neue Pflaster am Südlichen Münsterplatz verrechnet. Ziel des Konzepts ist nicht nur, das Münster in ein schöneres Licht zu rücken. Die Leuchten sollen auch Wildpinkler abschrecken. Der Ulmer Bauausschuss hat dem Vorhaben bei einer Enthaltung zugestimmt. „Wir freuen uns drauf, dass es endlich so weit ist“, sagte Baubürgermeister Tim von Winning. Denn der Entschluss hat auch zur Folge, dass der Bretterzaun an Deutschlands größter evangelischer Kirche nach mehr als einem Vierteljahrhundert abgebaut wird.

Das wäre schon deutlich früher möglich gewesen. Doch Kirchengemeinde und Münsterbauhütte traten auf die Bremse. Sie fürchteten, das Münster könne ohne Zaun und Licht zu einer öffentlichen Bedürfnisanstalt werden. Doch mit der Installation der Leuchten wollte die Stadt erst beginnen, wenn der Boden des Münsterplatzes ohnehin erneuert wird. Denn es müssen Rohre verlegt und Aussparungen für Bodenlampen geschaffen werden.

Dieser Übersichtsplan des Büros Belzner Holmes zeigt, wo die Lampen an der Südfassade des Münsters, am Chor, am Delphinbrunnen und rund um die Valentinskapelle installiert werden sollen.
Bild: Belzner Holmes Light Design

Die Arbeiten für die Lichter am Ulmer Münster sollen acht bis zwölf Wochen dauern

Die Arbeiten, die zwischen acht und zwölf Wochen dauern sollen, sind für den Zeitraum zwischen Februar und Mai 2020 angesetzt. Zuerst wird der Bauzaun abgebaut, dann wird der Boden aufgegraben. Zuletzt folgen die elektrotechnischen Einbauten und das Einleuchten der Münsterfassade. Anschließend werden Lichter rund um die Valentinskapelle installiert.

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Alles soll möglichst schnell und – wenn es geht – ohne zeitliche Unterbrechung geschehen. Den genauen Termin für die Bauarbeiten will die Stadtverwaltung mit der Münsterbauhütte und der Ulm Messe abstimmen. Denn der Südliche Münsterplatz ist ein gefragter Ort. „Es wird nicht ganz einfach, ein Zeitfenster zu finden, sagte Baubürgermeister Tim von Winning. In der Bauausschusssitzung im März hatte er über Gedankenspiele gesprochen, bereits genehmigte Veranstaltungen wieder abzusagen, um die Arbeiten zu ermöglichen. Diese Überlegung steht nach Angaben der Stadtverwaltung noch immer im Raum, genaue Planungen gebe es bislang aber noch nicht.

Sorge vor Wildpinklern am Ulmer Münster

Die „Ulmer Altstadtleuchte“, hier am Metzgerturm, soll auch am Münsterplatz aufgestellt werden.
Bild: Sebastian Mayr

Und so sieht das Konzept aus: Bodenleuchten sollen Nischen und Strebenpfeiler des Münsters in ein warmes Licht tauchen und kleine Schattenspiele erzeugen. Lampen auf Masten, ähnlich angelegt wie Straßenlaternen, erhellen Münsterplatz und Fassade. Sie werden mit größerem Abstand zueinander aufgestellt als die bisherigen Leuchten. Weitere Leuchten, die am Nachbargebäude angebracht werden, erhellen den oberen Teil der Kirche. „Das Ulmer Münster soll nicht nur im obereren Bereich erfahrbar sein, es soll geerdet sein“, erklärte Lichtdesigner Thomas Hollubarsch das Konzept. Das nachts bislang finstere Münster solle zu einem Teil der Stadt werden, sagte von Winning über die neue Akzentbeleuchtung. Deswegen trägt die Stadt alle Kosten – obwohl der Sakralbau und ein großer Teil des Platzes der Münstergemeinde gehört. „Wir sehen ein touristisches und städtisches Interesse“, sagte der Baubürgermeister. Sorgen, dass sich das Sicherheitsgefühl durch den größeren Abstand der Laternen verschlechtert, wies Hollubarsch zurück: „Sie haben danach mehr Licht auf dem Boden als momentan“, sagte er. An der Beleuchtung des Münsterturms ändert sich vorerst nichts, auch die Nordseite der Kirche und die Westseite mit dem Hauptportal sind kein Teil des neuen Konzepts – was Stadträtin Sabine Schuler kritisierte.

Die Bodenleuchten werden weiter vom Kirchengebäude entfernt stehen, als es die Gestalter ursprünglich geplant hatten. Andernfalls hätten Abdeckplatten am Münster zerstört werden müssen, unter denen zum Teil Gräber liegen. Die Folge: Die Bodenleuchten werden außerhalb der Nischen angebracht – und können diese nicht komplett erhellen. „Die Nischen sind unten noch ein bisschen schattig“, bemängelte Schuler, die sich bei der Abstimmung enthielt. Sie zweifelte an, dass Wildpinkler abgeschreckt werden. Tim von Winning hielt dagegen. Nur 50 bis 60 Zentimeter der Nischen blieben schattig, versprach er: „Wir sind der Überzeugung, dass wir mit dieser Beleuchtung das Thema der Wildpinkler in den Griff bekommen können.“

Lesen Sie auch den Kommentar: Das Ulmer Lichtkonzept ist teuer, lohnt sich aber

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