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Ulm

15.10.2015

Linie 2: An die Schaufeln, fertig, los

Machen sich hier auch mal die Hände schmutzig (von links): Regierungsvizepräsidentin Grit Puchan, Monika Stolz, Jürgen Filius, Martin Rivoir (Landtagsabgeordnete), Minister Winfried Hermann, Oberbürgermeister Ivo Gönner, Ingo Wortmann (Geschäftsführer SWU Verkehr), Tim von Winning (Baubürgermeister) Klaus Eder (Geschäftsführer der Stadtwerke) und Gunter Czisch (Finanzbürgermeister).
Bild: Alexander Kaya

Jetzt haben die Bauarbeiten für Ulms neue Straßenbahntrasse offiziell begonnen. Autofahrer müssen sich auf massive Behinderungen einstellen

Die größte Investition in Verkehrsinfrastruktur in der Ulmer Geschichte hat Fahrt aufgenommen: Der Tag des Spatenstichs ist da. Von einem „bewegenden Moment“, spricht Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner. Und einem „richtig guten Tag“ der baden-württembergische Winfried Herrmann. Denn die Straßenbahn sei beileibe kein Verkehrsmittel von gestern sondern unerlässlich für eine attraktive Stadt mit weniger Staus und besserer Luft. Symbolisch war der Spatenstich an der Wendeschleife am Egginger Weg, denn die ersten Vorarbeiten haben längst begonnen. Ein Überblick:

Staus Auf Verkehrsbehinderungen müssen sich alle Besucher Ulms die nächsten Jahre einstellen. Gönner diaggonstiziert eine „Mischung aus Befürchtungen und Freude“ in der Stadt. Und er befürchtet: Das jetzt noch gerne gezeigte große Verständnis der Autofahrer wird weichen, sobald die erste Straße gesperrt ist. Das ist bereits der Fall: In der Olgastraße geht es etwa an der Kreuzung zur Neutorstraße für drei Wochen einspurig zu. Zusätzlich zur Sperrung der Kienlesbergstraße für den Verkehr in Richtung Lehrer Tal/Eselsberg ist die Neutorbrücke nur einseitig befahrbar. Eng wird es auch bald in der Römerstraße, doch noch haben dort die Bauarbeiten nicht begonnen.

Strecke Die Linie 2 verbindet die Wissenschaftsstadt auf dem Oberen Eselsberg mit dem Schulzentrum auf dem Kuhberg. Neu zu bauen sind insgesamt neun Kilometer Gleise und 20 Haltestellen. Über die Bahngleise beim Kienlesberg wird eine 400 Meter lange Brücke gebaut – nutzbar für Straßenbahnen, Busse, Fußgänger und Radfahrer.

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Kosten 178,3 Millionen Euro kostet der Bau der Strecke, hinzu kommen 14 Millionen Euro für den Betriebshof und 31 Millionen Euro für zwölf neue Straßenbahnwagen. Die Stadt zahlt davon 86 Millionen Euro. Die Summe hat Ulm auf der hohen Kante.

Nutzen Das bisherige System stößt bereits jetzt nach SWU-Angaben häufig an seine Grenzen, etwa in Richtung Kuhberg und Wissenschaftsstadt. Dort verkehren Busse heute schon zeitweise im Drei-Minuten-Takt. Durch kurze Takt- und Umsteigezeiten steht die Linie 2 künftig für schnelle und komfortable Verbindungen auf stark frequentierten Strecken: Direkt angebunden sind Bildungseinrichtungen, Kliniken, Betriebe und Wohngebiete mit einem Einzugsgebiet von 20000 Menschen. Prognosen gehen von 8300 neuen Fahrgästen pro Tag aus und der damit zusammenhängenden Vermeidung von 5000 Autofahrten. Bei der „standardisierten volkswirtschaftlichen Bewertung“ liegt die Linie 2 mit einem Wert von 1,16 klar im grünen Bereich. Das heißt, der wirtschaftliche Nutzen für die Stadt Ulm ist demnach größer als der finanzielle Aufwand.

Vergangenheit 1897 trat die Straßenbahn in Ulm ihre Jungfernfahrt auf zwei Linien an. Eine Ringlinie führte vom Bahnhof Ulm über den Münsterplatz und die Olgastraße zurück zum Bahnhof. Die zweite Linie verbindet den Ulmer Bahnhof mit dem in Neu-Ulm.

1929 erreicht das Ulmer und Neu-Ulmer Straßenbahnnetz seine größte Ausdehnung: Es gab vier Linien, inklusive der donauüberschreitenden zum Bahnhof Neu-Ulm. In den 1960er Jahren galten Straßenbahnen dann als altmodisch. Busse waren in. Seit Sommer 1964 ersetzen diese weitere Streckenabschnitte. Nur noch eine Straßenbahnlinie, die heutige Linie 1, blieb erhalten.

1977 entschied sich der Gemeinderat für den Erhalt dieser Linie. Das große Comeback scheiterte: Bei einem Bürgerentscheid sprachen sich 1999 sich 51 Prozent der Bürger gegen einen Ausbau des Straßenbahnnetzes aus, den die Stadtparlamente Ulms und Neu-Ulms 1993 bereits beschlossen hatten. Vorgesehen war etwa eine Linie vom Neu-Ulmer Stadtteil Wiley zur Ulmer Wissenschaftsstadt.

Zukunft Im Jahr 2019 soll die neue Linie 2 fertig sein. Ob die Tram jemals wieder nach Neu-Ulm fahren wird, steht in den Sternen. Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg betrachtet die Realisierung eines derartiges Großprojekt derzeit eher als Träumerei.

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