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Landkreis Neu-Ulm

22.11.2019

Mit den Kliniken im Landkreis geht es wieder aufwärts

Blick in eine Brustschmerz-Einheit. In solchen Abteilungen kann zügig ebgeklärt werden, ob eine Herzerkrankung vorliegt. In der Weißenhorner Stiftungsklinik hat kürzlich eine solche „Chest-Pain-Unit“ die Arbeit aufgenommen. Sie erweitert das medizinische Angebot der Kreiskrankenhäuser.
Foto: Stefan Sauer/dpa

Plus Auch in den nächsten Jahren produzieren die Krankenhäuser ein spürbares Minus, aber der Trend geht eindeutig hin zum Besseren. Das weckt Hoffnungen

Die Zeit der Alarmmeldungen scheint offenbar vorbei zu sein: Zwar werden die Kreiskliniken auch in den nächsten Jahren spürbare Verluste einfahren, doch die fallen wohl bei Weitem nicht mehr so bedrohlich aus wie früher. Am Freitag präsentierte Stiftungsdirektor Marc Engelhard dem Krankenhausausschuss des Landkreises die neuesten Berechnungen. Die berechtigen zu „zurückhaltender Hoffnung“, wie es Landrat Thorsten Freudenberger formulierte. Allerdings muss zunächst ein deutliches Minus verkraftet werden.

Im vergangenen Jahr betrug das Defizit der Kreisspitalstiftung noch 13,2 Millionen Euro, heuer sollen es nach den bisherigen Zahlen knapp 14 Millionen sein, doch danach ist offenbar Besserung angesagt, wie Engelhard erläuterte. Im nächsten Jahr tut sich noch nicht ganz so viel, denn da geht der Stiftungsdirektor von rot geschriebenen 11,8 Millionen aus. Aber danach werde es „deutlich einstellig“, versprach er. Wie der Drei-Jahresplan für die Krankenhäuser ausweist, sinkt das Defizit im Jahr 2021 auf knapp acht Millionen und 2022 auf 5,8 Millionen. Allerdings gibt es bei den Berechnungen noch einen gewissen Unsicherheitsfaktor, der mit den rechtlichen Rahmenbedingungen zu tun hat. Erst in den nächsten Wochen könnte darüber mehr Klarheit herrschen.

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Auch wenn es noch einige Verschiebungen geben könnte, so bewegen sich die Klinikfinanzen nach Einschätzung des Landrats „erstmals in die richtige Richtung“. Wobei er einräumte, dass die dafür notwendigen Entscheidungen spät gefallen seien. Dass sich der Sanierungsprozess hinzieht, kommentierte er mit den Worten, es gebe keine Entscheidung, „die sofort alles heilt“.

Zuvor hatte der SPD-Mann Ulrich Schäufele bedauert, dass das für nächstes Jahr vorhergesagte Minus von 11,9 Millionen Euro immer noch zu hoch sei. Aber eine Umstrukturierung koste eben Zeit und Geld: „Die Zahlen sind die Quittung für das Nichthandeln in den Jahren zuvor. Aber dieses Missmanagement liegt vor der Zeit von Herrn Engelhard.“ Man sehe an den Zahlen, was möglich gewesen wäre, „wenn wir schon 2015 den Mut gehabt hätten“, sagte Schäufele. Immerhin sei es gelungen, den Wirtschaftsplan für 2020 bereits in diesem Jahr fertig zu bekommen, das sei früher nicht selbstverständlich gewesen.

Um das Abschmelzen der Defizite zu erreichen, hat der Landkreis nicht nur eine neue Klinikstruktur beschlossen, die vor allem für Illertissen starke Veränderungen mit sich bringt, auch im Detail wird die Kreisspitalstiftung einiges umstellen. Um die Ausgaben zu drücken, werden etwa Bereiche zusammengefasst, wie die Innere und die Akutgeriatrie, die in Weißenhorn angesiedelt ist.

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Die Schmerztagesklinik wandert aus Illertissen ab und bekommt ihren Platz in Neu-Ulm, wo nach Einschätzung der Kreisspitalstiftung die Nachfrage größer ist und sich mehr Einspareffekte mit den bereits in der Donauklinik vorhandenen Einrichtungen ergeben. Zudem sollen etwa operative Eingriffe besser geplant, die Laborleistungen konzentriert und beim Materialeinkauf kostengünstiger vorgegangen werden.

Ferner wird auch das Angebot der medizinischen Leistungen verbessert. Dazu gehört für den kardiologischen Bereich eine sogenannte Chest-Pain-Unit (CPU). In dieser Versorgungseinheit kann schnell abgeklärt werden, woher die Brustschmerzen eines Patienten stammen, ob hier ein Herzproblem vorliegt oder ob etwas anderes die Ursache ist. Damit lässt sich die Sterberate bei akuten Herzinfarkten reduzieren. Anfang Oktober wurde die CPU in Betrieb genommen. Noch ist sie lediglich tagsüber geöffnet, später sollen die Spezialisten dort rund um die Uhr das ganze Jahr über zur Verfügung stehen.

In der Illertalklinik wird das Angebot an geriatrische Rehabilitation ausgebaut, was mehr Geld in die Kasse bringen soll. Engelhard spricht von einer Vitalisierung der Pflegestation in Illertissen, die einen wichtigen Teil zur Steigerung der Erlöse beitrage.

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In der ausgesprochen kurzen Diskussion um die Defizite wunderte sich Roland Hunger (CSU), warum die Donauklinik erneut ein Minus von 4,9 Millionen produziert, und das seit Jahren in vergleichbarer Größenordnung. Nach den Worten von Engelhard gibt es dort noch einen gewissen Strukturierungsbedarf, der mit dem angestammten Belegarztsystem zu tun hat. Das führe etwa in den Sommermonaten zu einer schwachen Auslastung.

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