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Ulm/Neu-Ulm

21.01.2021

Neubau der Adenauerbrücke: Protest gegen Flächenverbrauch - so reagiert die Stadt

Eine Petition gegen den Ausbau der Adenauerbrücke übergeben Claudia Spooren (rechts) und Konrad Mezger an OB Gunter Czisch und Baubürgermeister Tim von Winning (ganz links).
Foto: Oliver Helmstädter

Plus Aktivisten aus Ulm sorgen sich um Verlust an Grün in den Ehinger Anlagen. So reagiert die Stadtspitze.

1484 Namen von Menschen, die gegen den Ausbau der Adenauerbrücke sind, umfasst die Liste, die die Ulmer Claudia Spooren und Konrad Mezger an Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch sowie Baubürgermeister Tim von Winning übergaben. Ihr Hauptargument dagegen: ein unverhältnismäßiger Flächenverbrauch.

Eine der "grünen Lungen" der Stadt Ulm

Die in der Nähe der Ehinger Anlagen wohnende Ärztin Spooren sowie die Unterzeichner der Petition bangen um „eine der wenigen grünen Lungen“ der Stadt. Die Ehinger Anlagen müssen, so der Text der Petition, in der bisherigen Ausdehnung mit ihren Baumriesen erhalten bleiben.

Das Grünareal werde täglich von vielen Hundert Spaziergängern, Fahrradfahrern, Erholungssuchenden und Grünliebhabern besucht und geschätzt. Mangels unbebauter Fläche sei eine Kompensation dort nicht möglich. „Die dann bebauten Flächen sind für immer verloren.“ Ein durchgängig zweispuriger Abzweig nach Ulm führe zudem zu mehr Stau an der Zinglerstraße, der in der Innenstadt nicht adäquat abgeleitet werden könne. Hier fehle ein schlüssiges gesamtstädtisches Verkehrskonzept.

1000 weniger Autos auf der Adenauerbrücke?

Der achtspurige Ausbau führe außerdem zu mehr Verkehr auf der Brücke. Von den täglich über 90.000 Fahrzeugen dort seien die wenigsten Pendler, die nach Ulm fahren. „Vom Bürger aus denken und handeln sollte die Entscheidung prägen, nicht der Wunsch auf maximale Förderung durch den Bund“, heißt es in der Petition.

Nach Überzeugung von Spooren geht es der Stadt letztlich um Fördermittel in Millionenhöhe, die der städtische Säckel nur vom Bund bekommt, wenn im großen Stil verbreitert werde. Eine Reduzierung um täglich 1000 Fahrzeuge rechtfertigt aus Sicht der Unterzeichner den Verzicht auf die fünf Millionen Euro Bundesmittel für einen Lärmschutzwall.

Argumente, die weder Czisch noch von Winning gelten lassen wollten. Unisono betonten die beiden bei der Übergabe der Petition, dass es bei dem Ausbau der Brücke gar nicht um die Frage der Fahrspuren, sondern Optionen für die Zukunft gehe. Die neue Adenauerbrücke wird eine voraussichtliche Lebensdauer von rund 80 Jahren haben. Eine Brücke mit acht Fahrstreifen ermögliche mehr Flexibilität im Hinblick auf künftige Verkehrsverhältnisse als eine Brücke mit sechs Fahrstreifen.

Straßenbahn nach Wiblingen?

Dies könnte eine Straßenbahn in Richtung Wiblingen, eine eigene Busspur bei eventueller Ausweitung des ÖPNV-Angebotes oder das Anlegen eines Radschnellwegs sein. Dass es nicht um eine Erhöhung des Kfz-Verkehrs gehe, könne man daran erkennen, dass die Straßenführungen vor und nach der Brücke unverändert bleiben sollen. Dass die Ehinger Anlagen bei einer Verbreiterung der Brücke um etwa 1600 Quadratmeter Grünfläche beraubt werden, bezeichnete von Winning als „kleineres Übel“.

Der breitere Ausbau der Brücke sei eben gerade nicht „kontraproduktiv und rückwärtsgewandt“, wie es in einem der Kommentare der Unterzeichner der Petition heißt. Sondern ermögliche erst den Wandel der Mobilität, weil sämtliche Optionen offenblieben. Czisch und von Winning bedankten sich bei den Aktivisten für die konstruktive Kritik, die Zeichen einer gelebten Demokratie sei.

Im März debattiert der Ulmer Gemeinderat zu dem Thema. Der Neu-Ulmer Stadtrat stimmt für eine große Lösung für die Adenauerbrücke. Derzeit ist die Brücke 24,80 Meter breit. Ob sie in Zukunft 36 Meter oder 42,50 Meter breit wird, entscheidet am Ende der Bund in Form des Bauamts in Krumbach. Baubeginn für die neue Adenauerbrücke ist frühestens 2024.

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