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Ulm

20.01.2021

Neue Filiale in Söflingen: Ulmer Buchhandlung Aegis vergrößert sich

In der Schlößlesgasse 9 in Söflingen, in der sich zuvor das Café „Zucker und Salz“ befand, soll die neue Buchhandlung ihren Platz finden. Rasmus Schöll rechnet damit, dass er im März 2021 dieses Geschäft eröffnen kann.
Bild: Alexander Kaya

Plus Die Traditionsbuchhandlung Aegis expandiert: Rasmus Schöll will eine neue Filiale in Söflingen eröffnen. Die Risiken der Corona-Krise scheut er nicht.

Dass dieser Plan ein Wagnis bedeutet, kann Rasmus Schöll gar nicht abstreiten: „Das ist natürlich der komplett mutige Wahnsinn“, sagt der Buchhändler – und meint damit seinen Plan, in dieser unsicheren Zeit, in der Pandemie, ein neues Geschäft zu eröffnen.

Schölls Buchhandlung Aegis ist eine Marke in der Ulmer Kulturszene und über die Stadtgrenzen hinaus mit einem Stammhaus im historischen Kern der Innenstadt. Doch jetzt will Schöll eine Filiale, eine neue Buchhandlung im Stadtteil Söflingen eröffnen.

In Söflingen plant die Traditionsbuchhandlung Aegis eine Filiale

Söflingens Mitte: Ein Klosterbezirk mit gemütlichen Altbauten, mit einem Charme zwischen Dorf und Puppenstube. Hier ist Rasmus Schöll geboren, hier ist er aufgewachsen und er schätzt bis heute das Flair des Bezirks im Ulmer Westen. ,„Söflingen hat noch einen eigenen Kern, deshalb herrscht ein besonderer Zusammenhalt zwischen den Söflingern“, sagt der 33-Jährige. Hier können sich manche kleinen Einzelhändler noch gegen Großketten behaupten, vieles funktioniert hier schwäbisch-regional, in den Läden und auf dem Wochenmarkt. „Es gibt hier auch alles, nur eben keine Buchhandlung“, sagt Schöll. Und diese Lücke möchte er schließen.

In Söflingen habe der letzte Buchhandel vor etwa sechs Jahren geschlossen, erinnert sich Schöll. Dort sei er selbst Kunde gewesen. Der Buchhändler scheint aber überzeugt: „Ich glaube daran, dass es für dieses Angebot einen Markt gibt, dass die Ulmer auch nicht möchten, dass sich die Innenstädte in der Krisenzeit immer weiter leeren.“

Rasmus Schöll geht mit seiner Ulmer Buchhandlung ein Risiko ein

Trotzdem: Mit diesem Schritt geht Schöll ein Risiko ein, als Unternehmer und Arbeitgeber. Ginge es nicht um Söflingen, hätte er sich eine Filialgründung momentan auch nicht zugemutet, erzählt er. Doch dann wurde eben ein Platz frei in den Häuserzeilen – dort, wo zuletzt das Café „Zucker und Salz“ war. „Als die Vermieter des wunderbaren Altbaus in der Schlößlesgasse auf mich zukamen mit der Idee, eine Buchhandlung zu eröffnen, wusste ich, das ist eine Möglichkeit, die ich ergreifen muss.“ Die Eröffnung ist für Mitte März geplant. Schöll erzählt, dass die Arbeit vorangeht: Wände streichen, Regale aufbauen, mit Material ausstatten, so wird allmählich aus einem früheren Café ein Buchladen.

Aegis-Chef Rasmus Schöll.
Bild: Alexander Kaya

Auf etwa 60 Quadratmetern Ladenfläche will Aegis ein ausgewähltes Sortiment präsentieren: Neue Werke, über die man spricht, Feinheiten aus unbekannteren Verlagen, Bücher rund um Philosophie und die Welt der Literatur. Die Aegis-Kundschaft erwartet also auch im zweiten Haus ein klassisches Aegis-Programm – allerdings mit noch mehr Auswahl an Lesestoff für Kinder und Familien.

Rasmus Schöll wehrte sich mit Aegis gegen ein Abholservice-Verbot

Seit 2018 leitet Schöll den Buchhandel Aegis, mit 33 Jahren erweitert er jetzt seinen Spielraum. „Wenn man als junger Mensch eine Buchhandlung übernimmt, dann ist man sowieso zum Schwerwettersegeln angetreten“, sagt Schöll. „Da schwingt natürlich viel Idealismus mit.“ Die Situation auf dem Buchmarkt, ja im gesamten Buchhandel und Verlagswesen, sei auch schon vor Corona nervös bis angespannt gewesen.

Um 8,7 Prozent schrumpfte dann der Umsatz des stationären Buchhandels im Jahr 2020, das besagt die Bilanz des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Und obwohl Schöll seinen Optimismus betont, beobachtet er die Entwicklung kritisch: Als das Land Baden-Württemberg im zweiten Corona-Lockdown direkte Abholservices für bestellte Bücher verbot, da legte er mit einem Eilantrag Widerspruch ein. Damit scheiterte er zuerst vor dem Verwaltungsgerichtshof - inzwischen gibt es eine Lösung.

Die Ulmer Traditionsbuchhandlung Aegis erweitert sich nach Söflingen

Seine neue Filiale möchte Schöll mit eineinhalb Stellen besetzen – „in Urlaubs- und Krankheitszeiten helfen sich die Teams in der Ulmer Innenstadt und in Söflingen natürlich aus“, erklärt er. Für den 33-Jährigen bedeutet die Neueröffnung eine nächste Stufe, um den Ulmer Traditionsbuchhandel weiter zu beleben und überregional bekannt zu machen. Gegründet wurde Aegis 1946. Im Stammhaus, einem historischen Altbau, lernte einst Siegfried Unseld sein Handwerk. Der wurde später der Verleger von Suhrkamp. Drei Sparten vereint Aegis bisher unter einem Dach: Den „Topalian & Milani“-Verlag, ein Antiquariat und im Erdgeschoss der Buchhandel. Bald soll ein neues Haus hinzukommen.

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