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Neu-Ulm

25.04.2015

Origami aus Stahl

Die Falten stehen ihm: Ben Muthofer mit einem seiner Faltobjekte im Edwin-Scharff-Museum. Dort sind Arbeiten von ihm und seinem Lehrer Ernst Geitlinger unter dem Titel „Anziehung und Abgrenzung“ zu sehen.
Bild: Foto: Andreas Brücken

Das Edwin-Scharff-Museum zeigt Arbeiten des Künstlers Ben Muthofer, der einst bei Ernst Geitlinger studierte. Heute ist der Ingolstädter für seine gefalteten Plastiken bekannt.

Muthofer, der in Ingolstadt lebt und im Neu-Ulmer Stadtbild bereits mit einer Stele vor dem Edwin-Scharff-Haus vertreten ist, gilt als wichtiger Vertreter der konstruktiv-konkreten Kunst in Deutschland. Diesen Weg schlug der gebürtige Oberschlesier ein, als er sich 1958 an der Münchner Akademie der Bildenden Künste einschrieb. Damals entschied er sich wegen des angegebenen Themas „Von der Natur zur Abstraktion“ für die Klasse Geitlingers, dessen Nachlass seit den 1990er-Jahren im Besitz der Stadt Neu-Ulm ist. Geitlinger ermunterte seine Studenten zum Experiment – keine Selbstverständlichkeit an der Schule, an der in den 50ern noch viele Professoren mit NS-Vergangenheit den Ton angaben. Auch Muthofer machte mit diesen Altlasten seine Erfahrungen. Einmal, so erzählt er, sei er nur wegen des Einsatzes Geitlingers nicht von der Akademie geflogen. Sein Vergehen: Er hatte bei einem Ferienjob Berliner Kindern das Konzentrationslager Dachau gezeigt.

Die Erziehung zum freien Denken und Arbeiten war ein wichtiger Bestandteil von Geitlingers Lehrtätigkeit. Umgekehrt lernte der Lehrer auch von seinen Schülern. So konnte Muthofer, der sich vor seinem Wechsel an die Akademie an der Werkkunstschule Bielefeld mit Techniken und Materialien vertraut gemacht hatte, dem Professor auch einige Tipps geben. Auch der Maler Geitlinger entwickelte sich in seinen letzten Jahren noch weiter – und entdeckte das Plastische für sich.

Wie sein Meisterschüler Muthofer, der an der Akademie zu den beiden wichtigsten Gestaltungselementen seiner Kunst fand: Die Idee der Faltung fasziniert Muthofer, weil man durch sie etwas eigentlich Zweidimensionales in ein Räumliches verwandeln kann. Der Künstler schafft dabei Objekte von erstaunlicher Leichtigkeit, bei der das Material – oft Stahl – hinter der Form verschwindet. Dazu trägt auch die Beschränkung auf Weiß als Farbe bei. Diese, so Muthofer, ermögliche es ihm, den „Reichtum des Lichts“ in seinen Arbeiten einzufangen. Erst in jüngster Vergangenheit setzte Muthofer seinen weißen, zumeist in die Höhe strebenden Werken horizontale Raumzeichnungen in Schwarz entgegen, die sich an asiatische Kalligrafie anlehnen. Der zweite Grundpfeiler in Muthofers Schaffen ist das Dreieck, für ihn die spannendste geometrische Form: Diese könne, so der Künstler, sowohl harmonisch sein als auch aggressiv. „Ich könnte noch 100 Jahre leben und hätte immer noch Ideen, um mit dem Dreieck zu arbeiten“, sagt Muthofer.

Dieser folgte seinem Förderer Geitlinger noch in anderer Hinsicht – und wurde selbst Lehrer, in den USA und in Island. Den Ausschlag dazu gab Geitlinger selbst. „Muthofer, Sie müssen raus“, sagt er damals zu dem jungen Künstler. „Bayern ist zu eng.“

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