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Ulm

28.05.2019

Sie ist Ärztin der Vielfalt

Martina Skandul in echt und auf Poster: Zum Diversity-Tag beteiligt sich das Uniklinikum an der bundesweiten Kampagne des Verbandes der Universitätskliniken mit dem Motto: „Wir sind Vielfalt. 190000 Gesichter der Unimedizin“.
Bild: Oliver Helmstädter

Zum „Diversity-Tag“ am Uniklinikum lächelt eine angehende Herzchirurgin von Plakaten. Sie hat zwei Staatsbürgerschaften, spricht vier Sprachen und trägt unendlich viel Verantwortung.

Kuwait, Portugal, Rumänien, Bulgarien, Kroatien oder Italien: Die sieben Ärzte der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Ulmer Universitätsklinikum kommen aus aller Herren Länder. Überhaupt ist das gesamte Klinikum ein Sammelsurium der Nationen: Die 5500 Mitarbeiter stammen aus 60 verschiedenen Ländern. Zum 7. Deutschen Diversity-Tag, einer bundesweiten Kampagne, will die Klinik Zeichen für Toleranz und Offenheit setzen. Und zwar ein großes: Auf einem fünf Meter langen Banner ist seit Montag, 27. Mai, das Lächeln von Martina Skandul zu sehen. Die 36-Jährige ist sozusagen ein Paradebeispiel der Internationalität Ulms. Die angehende Herzchirurgin spricht vier Sprachen und besitzt die italienische und die kroatische Staatsbürgerschaft. Nach einem Jahre an einer Highschool im New Yorker Stadtteil Queens studierte sie in Modena (Italien) zwei Jahre Pharmakologie. Nach dem Studium der Humanmedizin in Triest wechselte sie nach Passau und schließlich im Mai 2018 an das Universitätsklinikum Ulm.

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Zeichen für Toleranz und Offenheit

Als Protagonistin für die Vielfalt der Herkunftsländer im Universitätsklinikum hat sie eine ganz eigene Definition von Heimat, allein weil sie als Kind auch zwischen den Kulturen aufwuchs: Im kroatischen Küstenstädtchen Pula besuchte sie eine italienische Schule. Pasta und Pizza sind ihr kulinarisch näher als Cevapcici. „Heimat ist für mich die Seeluft und die Sonne in Istrien.“ Aber als 36-Jährige, die als Ziel die Facharztausbildung zur Herzchirurgin hat, weiß sie, dass Mobilität dafür eine Voraussetzung ist. Und so sagt die klipp und klar: „Ich bin wegen meines Berufs hier.“ Doch Skandul, die im Ulmer Dichterviertel wohnt, fühlt sich wohl hier: „Ulm ist eine schöne Stadt.“

Auch wenn angehende Herzchirurgen nicht viel Freizeit haben: Um 7.15 Uhr beginnt meist ihr Arbeitstag. „Sehr früh“, sagt sie. So früh, dass sie meist hektisch ins Auto steigt, weil sie die Straßenbahn verpasst. Feierabend habe sie selten vor 17.30 Uhr. Oft später. „Mehr als ein Spaziergang und ein bisschen lesen oder Musik hören ist dann nicht mehr drin.“ Denn übermüdete Herzchirurgen – das geht gar nicht. 100 Operationen muss sie bis zur Facharztprüfung gemacht haben. Ihr beruflicher Traum: minimalinvasiv eine spezielle Herzklappe („Mitralklappe“) einsetzen. Als Herzchirurg sei man heutzutage fast so etwas wie ein Kapitän auf der Kommandobrücke: Herzklappe, Bypass, Transplantation und Einsatz von künstlichen Organen und Schrittmachern sowie gezüchtetem Gewebe – das alles macht der Herzchirurg. Mehrere Bildschirme muss sie immer im Auge haben und sich mit dem Team aus Kardiologen und Anästhesisten abstimmen. Im Multikulti-Kosmos am Universitätsklinikum sei dabei die Arbeitssprache Deutsch.

Die aktuelle Kampagne zum Tag der Vielfalt ist nur ein Beispiel für den Einsatz des Klinikums für Vielfalt und Toleranz. Erst kürzlich hat der Klinikumsvorstand, wie berichtet, die „Charta der Vielfalt“ unterzeichnet, eine Arbeitgeber-Initiative, die Anerkennung, Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in der Unternehmenskultur in Deutschland voranbringen möchte.

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