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Neu-Ulm

03.04.2019

Stadtbücherei bekommt als erste in Bayern einen Hund

Golden Retriever sind als Lesehunde geeignet.
Bild: Matthias Becker

Plus Ab 2020 soll ein Golden Retriever in der Bibliothek viel Gutes bewirken. Warum der Vierbeiner kommen wird und wer davon profitieren soll.

Ein Hund kann in einer Bibliothek viel Gutes bewirken. Er könnte zum Beispiel das Regal mit den teuren Bildbänden bewachen und Langfinger mit einem Wuff vertreiben. Oder er könnte mit seiner feinen Nase verloren geglaubte Romane aufspüren. Die Stadtbücherei Neu-Ulm will sich demnächst einen Hund zulegen – doch der soll Kindern mit Problemen beim Lesen helfen. Neu-Ulm wird die erste Stadt Bayerns sein, die in ihrer Bibliothek ein solches tierisches Angebot machen kann.

Den Anstoß zu dem Projekt gab die Bibliothekarin Julia Schmid. Die Idee kommt aus den USA. Dort wird die „hundgestützte Leseförderung“ schon seit Jahren praktiziert. Der Hund soll eine Art Brücke zwischen Bibliotheksmitarbeiter und Kind – Zielgruppe sind Grundschüler mit Leseschwäche – bilden. Die einzelne „Sitzung“ verläuft dann in etwa so: Das Kind liest dem Hund aus einem Buch vor und darf diesen auch streicheln. Mit ihm Raum ist sonst nur der Hundehalter, gleichzeitig auch Vorlesetrainer. Eine Lesestunde dauert maximal eine halbe Stunde und findet über ein bis zwei Monate wöchentlich statt.

Was der Hund in der Stadtbücherei Neu-Ulm bewirken soll

Was das bringt? Bibliothekarin Schmid hat für den zuständigen Stadtratsausschuss Argumente zusammengetragen: Hunde hätten beispielsweise eine entstressende Wirkung, die Kinder könnten so die Angst vor dem Vorlesen verlieren; die Freude am Kontakt mit dem Tier weckt auch Interesse am Lesen und dem Medium Buch; und nicht zuletzt würden so die Schulen im Bereich Leseförderung entlastet. In den USA, aber auch in Offenbach, sind die Erfahrungen mit der „hundgestützten Leseförderung“ sehr positiv.

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Schmids Argumente überzeugten die Stadträte, die dem Projekt einstimmig den Segen gaben: Das Tier wird sich die 26-jährige Schmid zwar privat und auf eigene Kosten anschaffen, die spezielle Schul- und Lesehundeausbildung sowie die Kosten für die Erstausstattung in der Bücherei wird die Stadt tragen: Die Verwaltung rechnet mit mehr als 3300 Euro. Dazu kommen laufende Kosten von rund 1100 Euro im Jahr, unter anderem für Fortbildungen, Futter und Versicherung.

Losgehen mit der „hundgestützten Leseförderung“ in Neu-Ulm soll es 2020, wahrscheinlich nach den Sommerferien. Julia Schmid freut sich schon auf die neue Aufgabe – im Ausschuss sprach sie sogar von einem „Lebenstraum“. Sie will sich unverzüglich auf die Suche nach einem tierischen Helfer machen. Besonders qualifizierte Rassen gebe es nicht, sagt sie, klassische Familienhunde wie Golden Retriever & Co. kämen aber besonders in Frage. Und die Kollegen in der Stadtbücherei? Die freuen sich auch auf den neuen Partner mit der kalten Schnauze. Der Lesehund soll Julia Schmid künftig täglich an den Arbeitsplatz begleiten. (mgo)

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