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Ulm

28.11.2013

Steinwüste vom Bahnhof bis Theater

Noch stehen großkronige Bäume rund um den Hauptbahnhof. Naturschützer befürchten eine baumlose Zukunft: Die geplante viergeschossige Tiefgarage verhindere aufgrund zu einer geringen Erdschicht auf der Betondecke die Pflanzung großer Bäume im gesamten Bahnhofsumfeld.
Bild: Alexander Kaya

Warum sich Naturschutzverbände gegen die vorläufige Pläne aufbäumen

Ulm Wüst und leer. Der Ulmer Citybahnhof hat aus Sicht des Bund Naturschutz (BUND) und des Naturschutzbundes (Nabu) eine triste Zukunft vor sich. „In hochbeschleunigten Zeiten“, wie es gestern Dieter Fortmann vom Ulmer BUND-Kreisverband formulierte, bleibt kein Platz für Bäume. Auf dem Großareal am Ulmer Bahnhofsplatz werde es nach derzeitigem Planungstand keine großen Bäume mehr geben. Der Grund: Aus Kostengründen sei nur eine ein Meter dicke Erdschicht über der Tiefgarage eingeplant. Und darauf könnten keine großen Bäumwie Platanen oder Linden wurzeln.

Die Zeit drängt aus Sicht von Fortmann: Denn der Bau der Tiefgarage hängt direkt mit dem Bau einer zweiten Straßenbahnlinie zusammen. Und die muss bis 2019 fertig sein, sonst verliert die Stadt millionenschwere Zuschusszusagen.

„Das ist ein Jahrhundertproblem“, sagt Fortmann, der zusammen mit den Kollegen des Nabu in den nächsten Wochen und Monaten in die Baum-Offensive gehen will: Flyer und Plakate sind bereits gedruckt und eine Unterschriftensammlung gestartet.

Steinwüste vom Bahnhof bis Theater

Wenn es nicht gelinge in den Plänen Bäume festzusetzen, drohe für Generationen aus dem gesamten Areal zwischen Theater und dem Parkhaus Deutschhaus eine Steinwüste zu werden. Denn auch der bis dato reichlich eingegrünte Busbahnhof soll überbaut werden. Hinzukommt, dass am Ulmer Theater alte Blutbuchen, die sogar den Zweiten Weltkrieg überstanden hätten, dem Bau der neuen Straßenbahnlinie geopfert werden müssten. Und auch der Bau des Wengentors kostete Bäume. „Das alles ist intolerabel“, sagt Wortmann. Denn Bäume im Stadtraum seien keine grüne Kosmetik, sondern Teil der Lebensgrundlage. Sie erhöhen die Aufenthaltsqualität und befreien die Luft von Feinstaub. „Die Stadt ist dabei den Bogen zu überspannen“, sagt Ulrich Kube vom Ulmer Nabu. Die Akzeptanz der Bürger werde angesichts der Vielzahl an Großprojekten auf eine harte Probe gestellt. Es scheine, als habe der Blick auf den rollenden Verkehr und das Einkaufsquartier Sedelhöfe dazu geführt, dass man die wichtigsten Verkehrsteilnehmer am Bahnhof aus dem Blick verloren hat: die Fußgänger. Volker Jescheck, Chefstadtplaner der Stadt Ulm, har durchaus Verständnis für die Belange der Naturschützer. Es sei ein „Jammer“, dass die alten Buchen vor dem Theater verschwinden müssten. Aber durch den notwendigen Bau einer zweiten Straßenbahnlinie nicht zu verhindern.

Eine Jury entscheidet nach Ostern kommenden Jahres

Im April kommenden Jahres werde das Preisgericht einen Gewinner des Realisierungs-Wettbewerbs präsentieren. Jeschek ist sich sicher, dass Bäume eine Rolle spielen werden, dies hätten auch schon die Beiträge im Bürgerforum gezeigt. Und schließlich würden letztlich die Ulmer Gemeinderäte über die Pläne entscheiden. Offen ist aus Jeschecks Sicht, ob wirklich eine durchgängig zwei Meter dicke Erdschicht zur Realisierung von großen Bäumen über der Tiefgarage nötig sei. Da gebe es auch andere Wege.

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