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Ulm

24.02.2014

Strafanzeige gegen Waffen-Walther

Pistolen aus Ulmer Fertigung sind trotz Exportverbots in Kolumbien aufgetaucht.
Bild: Oliver Helmstädter

P99-Pistolen aus Ulmer Fertigung sind trotz Exportverbots in Kolumbien aufgetaucht. Die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet.

Das Bündnis „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“ hat Anzeige gegen den Ulmer Waffenhersteller Walther erstattet. Nach Informationen von Jürgen Greasslin und seinen zwei Mitstreitern Christine Hoffmann sowie Paul Russmann gebe es deutliche Hinweise darauf, dass Pistolen vom Typ Walther P99 im großen Stil im kolumbianischen Bürgerkrieg für Exekutionen eingesetzt werden. Walther habe folglich gegen das Kriegswaffenkontroll- und das Außenwirtschaftsgesetz verstoßen.

Die Staatsanwaltschaft Ulm bestätigte gestern, dass eine Anzeige gegen „einen Waffenproduzenten“ eingegangen ist und prüft nun, ob ein ausreichender Anfangsverdacht zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen eines Verstoßes gegen Recht und Gesetz besteht.

„Hunderte, wenn nicht tausende Waffen aus Ulm“

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Seit Jahrzehnten beherrscht ein bewaffneter Konflikt Kolumbien. Nach den politischen Grundsätzen der Bundesregierung zum Export von Rüstungsgütern sind Waffenlieferungen nach Kolumbien daher nicht genehmigungsfähig. Auch eine Ausfuhr über ein Drittland wäre illegal: Genehmigungen für den Export von Waffen werden nur erteilt, wenn zuvor der Endverbleib dieser Güter im Endempfängerland sichergestellt ist.

„Hunderte, wenn nicht tausende“ Waffen aus Ulmer Produktion werden in Kolumbien offenbar für Exekutionen verwendet. Greasslin wertete Filmaufnahmen von Daniel Harrich der SWR-Produktion „Waffen für die Welt – Export außer Kontrolle“, die in einer Kurzfassung gestern am späten Abend ausgestrahlt wurde, aus. Zum totbringenden Einsatz kommen demnach Pistolen vom Typ P99 mit den Gravuren „INDUMIL“ und „Made in Germany“ auf dem Handgriff sowie dem charakteristischen Geweih, als amtlichen Orts-Beschuss-Zeichen aus Ulm. Indumil ist der Namen der kolumbianische Waffenbehörde. „Ich gehe davon aus, dass im Fall Walther in den kommenden Wochen und Monaten weitere Grausamkeiten ans Licht kommen“, sagt Greasslin, der bereits erfolgreich Heckler & Koch wegen illegalen Waffenlieferungen nach Mexiko verklagte. Tendenziell hätten die „moralischen Skrupel“ bei Waffenproduzenten enge Grenzen. Grässlin hält auch einen illegalen Technologietransfer von Walther für möglich. Nach Recherchen der Aktion werden die P99-Pistolen aus Ulm nicht nur auf dem kolumbianischen Markt verkauft sondern von dort auch weiter exportiert. Es gebe auch Hinweise auf einen ebenfalls illegalen Technologietransfer: Die P99 soll auch als Eigenproduktion angeboten werden.

„Überrascht“ zeigte sich gestern Manfred Wörz, der Geschäftsführer von „Carl Walther“ in Ulm, dem Hersteller der James-Bond-Waffe Walther PPK. „Wir sind im höchsten Maße an einer Aufklärung interessiert.“ Man wolle umfänglich mit den Behörden zusammenarbeiten.

Statt früher 500 Leute arbeiten heute allerdings nur noch 150 Menschen fest für Walther in Ulm. Erst der Einstieg der Umarex-Gruppe aus Arnsberg (Nordrhein Westfalen) 1993 rettete endgültig den Betrieb. 2009 wurden 40 Millionen Euro umgesetzt.

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