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Verkehr

30.01.2015

Tempolimit als Allheilmittel?

Polizei sieht generelle Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen kritisch

Tempo 80 auf Landstraßen – diese Forderung des Verkehrssicherheitsrates hat vor wenigen Tagen zahlreiche Diskussionen ausgelöst, auch im Landkreis Neu-Ulm. Wie sicher sind unsere Landstraßen? Ist zu hohe Geschwindigkeit tatsächlich immer der Grund für einen schweren Unfall? Würde ein Tempolimit daran etwas ändern?

Eine verbindliche Antwort auf all diese Fragen gibt es nicht. Das erklärte gestern auch die hiesige Polizei. Im vergangenen Jahr habe es im Landkreis Neu-Ulm zwei tödliche Unfälle gegeben. Beide hätten allerdings vermutlich auch durch eine generelle Geschwindigkeitsreduzierung auf Landstraßen kaum verhindert werden können. Denn an der Stelle, an der Anfang April ein Geländewagen bei Gerlenhofen auf die Gegenfahrbahn geriet und dort mit einem entgegenkommenden Fahrzeug kollidierte – zwei Personen starben bei dem Unfall –, galt schon damals Tempo 70. Und für das Unglück eines 34-jährigen Motorradfahrers, der im Juni bei einem Überholmanöver in der Nähe von Ingstetten von der Fahrbahn abkam und in eine bewachsene Böschung prallte, war laut Polizei ein Fahrfehler ursächlich.

„Wir befürworten sämtliche Maßnahmen, die der Verkehrssicherheit dienen“, betonte gestern Christian Eckel, Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Dies könne im Einzelfall auch eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit sein. Aus der politischen Debatte über eine generelle Temporeduzierung auf Landstraßen halte sich das Präsidium jedoch heraus. Eckel betonte aber, dass es im ganzen Landkreis keine sogenannten Unfallschwerpunkte gäbe, an denen sich schwere oder gar tödliche Unfälle häufen würden. Dazu spiele bei derartigen Unfällen zwar eine zu hohe oder nicht angepasste Geschwindigkeit oftmals eine Rolle – allerdings seien meist auch andere Faktoren ursächlich. „Telefonieren, rauchen, am Navi spielen: Sämtliche Ablenkungen am Steuer können gefährlich werden“, sagte Eckel. Eine Reduzierung des Problems auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit sei nicht zweckmäßig.

Das bestätigte gestern auch Werner Lipp, Chef der Neu-Ulmer Verkehrspolizei. Die Straßen im Landkreis seien in der Regel so gut ausgebaut, dass sie nicht von der vom Verkehrssicherheitsrat geforderten Maßnahme betroffen wären. Dieser hatte das schärfere Tempolimit für Landstraßen gefordert, deren Breite weniger als sechs Meter beträgt, die unbefestigte Seitenstreifen hätten und schlechte Sicht zum Überholen böten. „Solche Straßen oder Stellen sind bei uns schon jetzt entschärft“, sagte Lipp. (bmi)

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