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Senden

04.03.2020

Ulmer Firma Mayser gibt Senden einen Korb

Einen dicken Fisch glaubte Senden an der Angel zu haben: Das Ulmer Traditionsunternehmen Mayser war drauf und dran, seinen Ulmer 400-Mitarbeiter-Standort nach Senden zu verlegen.
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Einen dicken Fisch glaubte Senden an der Angel zu haben: Das Ulmer Traditionsunternehmen Mayser war drauf und dran, seinen Ulmer 400-Mitarbeiter-Standort nach Senden zu verlegen.

Plus Senden geht eine 20-Millionen-Euro-Investition und eine Traditionsfirma mit 400 Mitarbeitern durch die Lappen. Bürgermeister Bögge bedauert die Entscheidung – und zweifelt an Gründen.

Was seit Wochen in der Gerüchteküche brodelt, ist jetzt raus: Die Ulmer Firma Mayser wird nicht nach Senden umziehen. „Eine Ansiedlung ist nicht möglich“, bestätigte auf Nachfrage unserer Redaktion Winfried Wanka , Mitglied der Geschäftsleitung der Firma mit Sitz in Lindenberg und Standort in Ulm. Nun werde versucht, den Kauf der 40000 Quadratmeter mit einer Option auf weitere 20000 Quadratmeter im geplanten Gewerbegebiet „St.-Florian-Straße III“ rückabzuwickeln.

Damit gehen der Stadt Senden eine Investition von 20 Millionen Euro und die Gewerbesteuer einer prosperierenden Firma verloren. „Uns bleibt nichts anderes übrig, als in Ulm zu bleiben“, sagt Wanka. Vorerst. Nach Alternativen für den längst zu klein gewordenen Standort an der Örlinger Straße in der Ulmer Oststadt werde gesucht.

Der Knackpunkt für einen Umzug nach Senden habe in der erwarteten Lärmerzeugung durch die Logistik gelegen. In unserer Zeitung vorliegenden „Betrachtungen zur schalltechnischen Vorbelastung“ kommt ein Ingenieurbüro zu dieser Erkenntnis: „Nach Betrachtung aller Ergebnisse, kann die Aussage getroffen werden, dass (...) keine uneingeschränkte Gewerbenutzung möglich ist.“

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Mayser: Konflikte sind nicht lösbar

Diese Lärmimmissionen seien für die Anwohner aus Sicht der Firma Mayser unzumutbar. In einem vorliegenden Schreiben an Sendens Bürgermeister Raphael Bögge betonen die Anwälte von Mayser , dass die Grundstücke für den im Kaufvertrag mit der Stadt Senden vorgesehenen Zweck – den Betrieb eines Logistikzentrums – nicht geeignet sind. Die absehbaren Lärmkonflikte mit der Wohnnachbarschaft seien nicht lösbar.

Wanka will der Sendener Stadtverwaltung dafür nicht die Schuld geben. Als die Ulmer Firma im Oktober 2017 den Kaufvertrag unterschrieb, seien die Vorzeichen positiv gewesen. Allerdings sei nicht klar gewesen, wie nahe der geplante Standort Wohngebieten komme. Zumal in Bebauungsplänen Mischgebiete – in denen mehr Lärm erlaubt ist – in Wohngebiete abgeändert worden seien.

Hier in Senden kaufte Mayser ein Grundstück:

Hier in Senden im Gewerbegebiet St.-Florian-Straße kaufte Mayser ein Grundstück und könne es nun nicht nutzen.


Dass das Ulmer Traditionsunternehmen Mayser seinen Ulmer 400-Mitarbeiter-Standort nach Senden verlegen wollte, galt nach Bekanntwerden der Absicht als Coup von Bögge. Dieser sprach damals auch von einem „riesigen Erfolg und wichtigen Schritt für die Stadt Senden “. Umso problematischer ist das Bekanntwerden des Rückzugs für Bögge inmitten des Wahlkampfs. Doch wie es sich für einen Wahlkämpfer gehört, gibt Bögge nicht auf: „Der Weg ist noch nicht zu Ende gegangen“, sagte Bögge am Mittwoch gegenüber unserer Redaktion – ungeachtet der bereits erfolgten Absage von Maysers Geschäftsleitungsmitglied Wanka. Es sei „natürlich schade für Senden “, dass sich Mayser zurückziehe. Doch in Absprache mit dem Landratsamt gebe es die Absicht, das Thema Immissionsrichtwerte noch einmal anzugehen. „Ich sehe da Möglichkeiten.“ Außerdem gebe es noch andere Interessenten für das Grundstück.

Mayser: Eine Ansiedlung in Senden ist nicht möglich

Möglichkeiten, die man bei Mayser nicht sieht. Die Berechnungen in Sachen Lärm seien valide. Wanka : „Eine Ansiedelung ist einfach nicht möglich.“ Es gehe um den Lärm vieler Laster, die etwa mitten in der Nacht mit dem Piepen des Rückwärtsgangs bei Mayser anliefern müssten.

Um Hüte geht es dabei bei Mayser schon lange nicht mehr: Die Firma wurde zwar als Hutmacherei in der Ulmer Oststadt in der Örlinger Straße gegründet. Doch heute ist in Ulm die Sparte Sicherheitstechnik beheimatet. Hier werden beispielsweise Sensor-Leisten entwickelt und produziert, die verhindern, dass man sich bei einer Auto- oder auch Zugtür die Finger einklemmt. Nun wollte das Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von etwa 80 Millionen Euro eigentlich weiter expandieren, was in der verschachtelten Ulmer Firmen-Keimzelle auf 18000 Quadratmetern Nutzfläche nicht möglich sei.

Das Thema gärte zuletzt am Dienstagabend in der Stadtratssitzung. Dort hatte Stadtratsmitglied Helmut Meisel (Grüne) nachgehakt, denn die Rechtsanwälte von Mayser hatten ihr Schreiben nicht nur an den Bürgermeister, sondern auch an alle Fraktionsvorsitzenden im städtischen Gremium verschickt. Die Stadträte waren der Meinung, die Firma wolle das Thema endgültig abschließen. Meisel fragte nach, ob es nun wirklich feststehe, dass Mayser nicht komme, wie dem Schreiben zu entnehmen sei. Bürgermeister Bögge widersprach jedoch auch am Dienstag: Es gebe zunächst nochmals Gespräche mit dem Landratsamt und „noch einen Weg“.

Zuletzt hatten Ausgrabungen auf dem wohl ehemaligen Mayser-Gelände für Aufregung gesorgt: Während Untersuchungen stattfanden, haben Bauarbeiter dort Skelette entdeckt. Die archäologisch möglicherweise bedeutenden Knochen wurden geborgen und zur weiteren Untersuchung abtransportiert. Schon damals spekulierten die Sendener wegen der lange anhaltenden Baupause über Probleme.

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