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Ulm

06.10.2019

Urspring-Mörder steht erneut in Ulm vor Gericht

Ein verurteilter Mörder muss sich ab Dienstag erneut vor dem Landgericht Ulm verantworten. Er soll unter anderem Zeugen von damals bedroht haben.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Plus Der heute 30-Jährige erstach 2006 einen Mitschüler im Internat in Urspring. Jetzt soll er Zeugen des damaligen Prozesses bedroht haben.

Ein 30-jähriger verurteilter Mörder muss sich ab Dienstag erneut vor dem Landgericht Ulm verantworten. Er soll unter anderem Zeugen des früheren Prozesses nach seiner Freilassung mit dem Tode bedroht haben.

Der Mord im Internat hatte 2006 bundesweit für Entsetzen gesorgt

Der sogenannte Urspring-Mord hatte 2006 bundesweites Aufsehen erregt. Ein Jugendlicher hatte in dem Internat im Alb-Donau-Kreis einen Mitschüler getötet. Der damals 17-jährige Ulmer war probeweise in der renommierten Urspring-Schule aufgenommen worden, nachdem er zuvor von mehreren Bildungseinrichtungen abgelehnt worden war. Was der Schulleiter damals nicht wusste: Der Schüler war wegen Gewalttätigkeiten vorbestraft. In den frühen Morgenstunden des 17. Mai 2006 erstach der Junge kaltblütig einen jüngeren Mitschüler, weil dieser ihm 50 Euro schuldete. Für diese Tat wurde er im gleichen Jahr von der Jugendkammer zur Höchststrafe von zehn Jahren wegen Mordes und versuchter Anstiftung zum dreifachen Mord verurteilt, die er komplett verbüßte.

Im Gefängnis soll er einen Mithäftling dazu angestiftet haben, Belastungszeugen umzubringen

Wieder in Freiheit, sann der jetzt 30-jährige Ulmer möglicherweise auf Rache. Zeugen von damals, die ihn belasteten und die vor dem Mordprozess bedroht worden waren, wurden jetzt erneut angegangen, sodass sie um ihr Leben fürchten mussten. Bereits in der Untersuchungshaft soll der Mörder einen Mithäftling angestiftet haben, die Belastungszeugen umzubringen und die Leichen zu verscharren. Doch der Zellengenosse informierte die Polizei.

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Der Mann soll Zeugen bedroht und mehrere Menschen angegriffen haben

Nach der Entlassung ist dem jetzt Angeklagten auf Weisung des Landgerichts auferlegt worden, „jegliche Kontaktaufnahme zu bestimmten Personen, die in dem damaligen Verfahren als Zeugen ausgesagt hatten, zu unterlassen“. Entgegen dieser Weisung, so die Anklage der Staatsanwaltschaft, soll er einen der damaligen Zeugen im Februar dieses Jahres massiv bedroht haben. Ferner soll der Angeklagte am Fahrzeug eines weiteren Zeugen die Heckscheibe eingeschlagen haben. Daneben wird dem Angeklagten vorgeworfen, er habe an einem Tag im Januar 2019 zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Ulm ohne ersichtlichen Grund vier Personen körperlich angegriffen. Eine weitere Person, so die Anklage, habe er im Februar in einem Linienbus der SWU angegriffen, nachdem er gebeten wurde, den Weg freizumachen. Bei der anschließenden polizeilichen Kontrolle wurde bei ihm ein Butterflymesser entdeckt, eine Waffe mit schwenkbaren Griffen.

Im Universitätsklinikum Ulm wurden vier Polizisten attackiert

Nach diesen Vorfällen nach seiner Haftverbüßung wurde er nun vorläufig in die geschlossene Abteilung des Universitätsklinikums eingewiesen. Auch hier soll er sich laut Staatsanwaltschaft gegenüber dem Krankenhauspersonal aggressiv verhalten haben, sodass die Polizei zu Hilfe gerufen wurde. Bei dem folgenden Einsatz sollen vier Beamte tätlich angegriffen worden sein.

Richter müssen entscheiden, ob der Angeklagte gemeingefährlich ist

Laut Anklageschrift leidet der Angeklagte unter einer Art von Schizophrenie. Deswegen soll er bei einigen Taten schuldunfähig gewesen sein, bei anderen Vorfällen soll seine Steuerungsfähigkeit erheblich vermindert gewesen sein. Falls die Anklage in der Beweisaufnahme bestätigt wird, wird das Gericht zu entscheiden haben, ob der Angeklagte die Taten aufgrund seiner Krankheit begangen hat und ob er deswegen für die Allgemeinheit gefährlich ist. Wird dies bejaht, ordnen die Richter die Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses an. Dort droht dem Angeklagten eine zeitlich nicht begrenzte Unterbringung, die in regelmäßigen Abständen überprüft wird. Erst wenn die Gutachter feststellen, dass von dem Mann keine Gefahr mehr ausgeht, kann er entlassen werden. Wenn nicht, bleibt der 30-Jährige ein Leben lang in der geschlossenen Abteilung eingesperrt.

Am Landgericht Ulm sind acht Verhandlungstage eingeplant

Acht Verhandlungstage sind vom Gericht eingeplant. Ein psychiatrischer Sachverständiger ist für den gesamten Prozess geladen. Wie das Landgericht mitteilt, ist die Verhandlung im Sitzungssaal 126 zwar grundsätzlich öffentlich. Möglicherweise müsse aber die Öffentlichkeit über nicht unbedeutende Teile des Verfahrens ausgeschlossen werden. Der Prozess beginnt am Dienstag um 8.30 Uhr.

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