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E-Sports

27.03.2020

Ulmer Basketballer spielen am Bildschirm statt auf dem Parkett

Ulms Basketballer Andreas Obst (links) kommentiert zusammen mit dem Moderator Florian von Stackelberg in der Ratiopharm-Arena ein E-Sports-Spiel vom Team Orange Gaming (TOG).
Bild: BBU ’01

Fußballligen spielen online, die Formel 1 fährt Rennen digital und die BBU ’01 wirft virtuell Körbe – schlägt jetzt die Stunde des E-Sports?

Der Fußballbetrieb: Eingestellt. Formel 1: Eingestellt. Olympia: Verschoben. Basketball: Gibt es vorerst nicht. Doch um die Fans zu bespaßen und irgendwie so etwas wie einen Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, hat sich die BBU ’01 etwas einfallen lassen: An den Spieltagen der Bundesliga spielt das E-Sports-Team der Ulmer, das neuerdings Team Orange Gaming (TOG) heißt, die Partien im Videospiel NBA2K nach und überträgt sie live im Internet. Um das ganze aufzupeppen, werden die Begegnungen von einem Kommentator und einem Mitglied des Bundesligateams kommentiert.

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Am vergangenen Sonntag feierte das Format Premiere, eine Stunde lang saß der Basketballer Andreas Obst mit Kommentator Florian von Stackelberg im Presseraum der Ratiopharm-Arena, erzählte zunächst, was er gerade in Zeiten der Isolation macht („Ich habe das Kochen für mich entdeckt“), bevor er sich das Duell der Ulmer E-Sportler mit den Fraport Skyliners anschaute und einordnete. Für die BBU ist der Versuch geglückt, sagt Darius Zähringer, Projektmanager des E-Sports bei den Ulmern: „Das Feedback war sehr positiv. Wir hatten über alle Kanäle in der Spitze um die 500 Zuschauer, die gleichzeitig dabei waren. Damit waren wir schon sehr zufrieden.“ An diesem Samstag um 18 Uhr geht es weiter, dann gegen Brose Bamberg – wie im „echten“ Spielplan.

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Mit dem E-Sports-Livestream wollen die Ulmer zwei Parteien zufriedenstellen, die derzeit genauso in der Luft hängen wie sie: „Wir haben uns gefragt: Was können wir tun, um unseren Fans und Partnern einen Mehrwert zu bieten?“, erklärt Zähringer. Die Anhänger vermissen ihre Sportler und die Duelle, die Sponsoren zahlen Ratiopharm Ulm viel Geld, um an Spieltagen in der Arena präsent zu sein und so für sich werben zu können. Das fällt derzeit weg und so besteht die Gefahr, dass Geldgeber abspringen könnten, vor allem in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage: „Die Sponsoren lassen sich dabei natürlich nicht ausblenden, wir möchten auch in den aktuellen Zeiten zusammenstehen“, sagt Zähringer. Deshalb bekommen sie bei den Streams ihren Platz: Mit Werbeeinblendungen während der virtuellen Basketballpartien und in Werbeunterbrechungen.

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Die BBU folgt mit den Streams den Beispielen anderer Sportorganisationen. Spaniens Fußball-Oberhaus La Liga spielte am Wochenende ein Benefizturnier in der Fußballsimulation Fifa 20, in der Formel 1 werden die Rennen, die derzeit reihenweise ausfallen, zur Unterhaltung digital nachgeholt, im Spiel F1 2019. Während hinter dem Fifa-Turnier oder den Formel1-Rennen die offiziellen Organisationen stecken, sind die Veranstaltungen des TOG selbstständige. Wenn es geht, treten die Ulmer darin gegen die E-Sports-Teams der Bundesligisten an, doch noch haben nur ein paar eigene virtuelle Mannschaften. Notfalls werden die Gegner mit Spielern bestückt, die die Ulmer selbst suchen, die aber ein gewisses Niveau haben sollen, bekräftigt Zähringer: „Die Livestreams sollen Unterhaltung bieten, deshalb bemühen wir uns, einen guten Gegner auf die Beine zu stellen, der selbst gewinnen möchte.“

Die aktuelle Aufmerksamkeit des E-Sports wirft die Frage auf, ob er jetzt, wo die realen Sportveranstaltungen ausfallen, die große Chance hat, in die Breite zu rücken. Schließlich reichen für den E-Sports erst mal eine Konsole oder ein PC und eine gute Internetleitung. Darius Zähringer widerspricht dem allerdings: „Eine Krise wird nur Verlierer haben. Dass E-Sports nur digital stattfindet, stimmt nur so halb. Auch die Live-Events fallen weg und das sind die Veranstaltungen, die dem E-Sports die breite Öffentlichkeit bringen. Das schadet ihm schon sehr.“ Trotzdem sieht der Projektmanager auch eine kleine Chance: „Wenn aber der Profisport und der E-Sports näher zusammenrücken, dann kann es sein, dass der E-Sports davon profitieren wird.“ Sollte es aber dabei bleiben, dass die Sparte derzeit nur eine Lücke schließt und sich danach kaum noch jemand für sie interessiert, dann, sagt Darius Zähringer, „hat es nicht geholfen“.

Die Begegnungen werden live auf dem Twitchkanal von TOG gezeigt.

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