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Neuburg-Schrobenhausen

15.10.2020

Auch im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ist der Impfstoff rar

Der Versorgungslage mit dem Grippeimpfstoff ist auch im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen knapp.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Die Corona-Pandemie und der späte Appell der Politik sorgen dafür, dass die Versorgung mit dem Impfstoff in Neuburg-Schrobenhausen aktuell „bei weitem nicht ausreicht“. Ein Arzt und ein Apotheker stufen die Situation ein.

Dr. Uli Kurutz drückt sich vorsichtig aus, will keine übertriebenen Reaktionen heraufbeschwören. „Die Versorgungslage mit dem Grippeimpfstoff im Landkreis ist momentan knapp“, sagt der Ärztesprecher für den Landkreis und Allgemeinmediziner aus Neuburg. Deutlicher wird Apotheker Dominik Weigl von der Apotheke der Barmherzigen Brüder in Neuburg. „Der Impfstoff im Landkreis reicht bei weitem nicht aus. Die Lage ist katastrophal“, wird der Sprecher des Bayerischen Apothekerverbandes und der Bayerischen Landesapothekenkammer im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen deutlich. Doch woran liegt das?

Geht es nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn liegt es sicherlich nicht daran, dass Deutschland zu wenig Dosen bestellt hat. Mit 26 Millionen habe sein Ministerium nämlich so viele wie noch nie für eine Saison geordert. Diese würden aber nicht auf einen Schlag zur Verfügung gestellt, weshalb es zu Lieferengpässen kommen könne, wie er am Mittwochabend in der Tagesschau sagte. Versorgungsengpässe gebe es aber keine.

Dr. Uli Kurutz
Bild: Daniela Fischer

Davor aber steht offenbar augenblicklich der Landkreis. Der Hauptgrund sei der frühe Zeitpunkt, zu dem die Menge an Impfdosen bestellt werden müssen. Der beginnt im April. „Wer wusste da schon, wie die Situation im Herbst sein wird?“, fragt Weigl. Und wenn Ärzte zu viel Impfdosen bestellen, bleiben sie selbst auf den Kosten dafür sitzen, wie Uli Kurutz erklärt. Dass jetzt der Impfstoff knapp wird, hänge auch damit zusammen, dass von der Politik erst spät die dringende Empfehlung kam, sich gegen Grippe impfen zu lassen – vorwiegend Menschen, die mit Krankheiten vorbelastet sind, ältere Menschen ab 60 Jahren und nicht zuletzt Kinder und Jugendliche. „Ich empfehle sie auch Frauen und Männern, die in hoch sozialen Berufen arbeiten oder im öffentlichen Verkehrsbereich ihrer Arbeit nachgehen“, fügt Kurutz an.

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In Neuburg-Schrobenhausen fehlt es nicht nur am Grippeimpfstoff

Wie er sagt, fehle es aktuell aber nicht nur am Grippeschutzimpfstoff, auch Impfstoffe gerade für ältere Menschen gegen Keuchhusten, Gürtelrose oder Pneumokokken, die bakterielle Lungenentzündungen hervorrufen, seien derzeit Mangelware. Und „Pseudoleuten mit ihrem Pseudowissen“, wie der Arzt sich ausdrückt, die Menschen einreden wollen, dass Impfen besonders gefährlich sei, führt er vor Augen: „Es gibt nichts Vergleichbares in der Medizin, das mehr Menschenleben gerettet hat und rettet, als das Impfen.“

Neben dem Appell aus der Politik animiert aktuell natürlich das Corona-Virus dazu, sich heuer gegen die saisonale Influenza impfen zu lassen und dies offenbar so schnell wie möglich. „Manche Praxen impfen aber erst im November. Ich hoffe, die stehen dann nicht ohne Impfstoff da“, sagt Apotheker Weigl. Grund für den späteren Termin sei der, dass die Grippewelle oft erst im Februar oder März herüberschwappt. Und in aller Regel, so zeige die Erfahrung, halte der Impfschutz sechs bis zwölf Monate, wobei die Intensität im Laufe der Zeit zurückgeht.

Im Landkreis gibt es noch keine Apotheker oder Apothekerinnen, die den Grippeimpfstoff spritzen dürfen

Kassenpatienten bekommen im Landkreis nach wie vor über die Arztpraxen ihre Impfung. „Im Landkreis gibt es noch keine extra dafür ausgebildete Apothekerin oder keinen Apotheker, der Spritzen geben darf, wie dies gerade als Modellversuch in ausgewählten Apotheken zum Beispiel im Saar- oder Rheinland angeboten wird“, sagt Weigl. „Wenn sich das durchsetzt, wäre auch ich dabei.“ Privatversicherte könnten sich ebenfalls in der Praxis gegen Grippe impfen lassen , wenn der Arzt die Dosen für sie schon vorbestellt hat. Oder sie bekommen ein Rezept und holen sich den Impfstoff in der Apotheke ab – so lange der Vorrat halt reichen würde.

Arzt und Apotheker hoffen, dass der Bundesgesundheitsminister richtig liegt und tatsächlich ausreichender Impfstoff auch rechtzeitig ankommt. Denn jetzt noch neuen Impfstoff für die anstehende Grippesaison in Deutschland herstellen zu lassen, sei zeitlich fast nicht mehr realisierbar, sind sich die beiden einig. Schließlich stünden andere Ländern ja vor der gleichen Situation. Außerdem seien die Produktionsstätten mittlerweile durch die Herstellung anderer Impfstoffe schon wieder belegt, erklärt Dominik Weigl.

Die getroffenen Hygienemaßnahmen wegen der Corona-Pandemie helfen auch gegen alle infektiösen Krankheiten

Allerdings habe die Corona-Pandemie gezeigt, wie man sich durch einfaches Handeln vor einer Ansteckung schützen kann. Abstand einhalten und Mundschutz tragen, so Kurutz und Weigl, seien wirkungsvolle Mittel, um gegen alle infektiösen Krankheiten vorzubeugen. In asiatischen Ländern sei dies schon lange gang und gäbe. Es sei nur wichtig, so der Apotheker, dass sich die Leute daran halten, nicht planlos in Geschäfte stürmen und auch in Gastwirtschaften die vorgegebenen Maßnahmen umgesetzt werden. „Da ist natürlich auch das Gesundheitsamt gefordert, die Einhaltung zu überprüfen“, sagt Weigl.

Allgemeinarzt Uli Kurutz rät als Vorbeugung übrigens auch dazu, sich ganz einfach an alte Weisheiten zu halten. „Oft die Hände waschen, viel trinken und Bonbons lutschen – das hält den Mund feucht, was eine Verdünnung der Keimsituation im Mund bewirkt.“

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