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Neuburg

19.01.2021

Bei Selbstständigen in Neuburg wächst der Corona-Frust

Mit großem technischen Aufwand betreibt das Fitnessstudio „No Limit“ im Fürstgartencenter in Neuburg unter anderem in diesem Raum Online-Fitnesskurse. Dass sich die Mühen lohnen, zeigen Geschäftsführer Gregor Krebs die hohen Zahlen an Mitgliedern, die mitmachen. Gegen das mittlerweile aufgelaufene hohe Defizit helfen die Kurse freilich nicht.
Foto: Manfred Rinke

Plus Unternehmer, die derzeit kaum Umsatz erzielen können, sind nicht gut auf die Politik zu sprechen. Was Neuburger Selbstständige aus verschiedenen Branchen kritisieren.

Nach dem Pokalspiel des FC Bayern in Kiel bekam Manuela Wittek mal wieder Mails und Anrufe. Thema war nicht das sensationelle Ausscheiden des Rekordmeisters – sondern die Frisuren der Kicker. Die Fußball-Stars präsentierten sich mit frisch geschnittenen Haaren. „Das verärgert die Menschen“, sagt Wittek, selbstständige Friseurmeisterin aus Neuburg und Obermeisterin der Friseurinnung Neuburg-Schrobenhausen. Einmal mehr musste sie vergangene Woche Anfragen ihrer Kunden eine Absage erteilen. Denn: Friseure dürfen schon seit Wochen nicht mehr arbeiten. Das Handwerk ist eine der Branchen, die derzeit so gut wie keinen Umsatz machen können. Weder vor Ort, noch durch ein nennenswertes Abholgeschäft. Wie halten sich diese Geschäfte derzeit über Wasser – und was denken sie über die strengen Corona-Auflagen?

Neuburg: Bei Selbstständigen wächst der Frust über die Corona-Maßnahmen

Das (Frisuren-)Bild, das Fußballer und auch Politiker derzeit im Fernsehen vermitteln, sei in der Branche ein heißes Thema, betont Wittek. Betriebe, die sich an die Vorgaben halten und niemanden frisieren, fühlen sich im Hintertreffen. Und die Lage spitzt sich offenbar zu. „Einige Kollegen sind am Existenzminimum, bei vielen sind die Rücklagen aufgebraucht“, sagt Wittek. Sie und ihre Kollegen erzielen derzeit so gut wie kein Einkommen. „Vielleicht bestellt mal eine Kundin ein Haarspray, mehr aber auch nicht.“ Das wichtige Weihnachtsgeschäft hat gefehlt. Die finanziellen Hilfen des Staates kommen nur verzögert, sagt Wittek. Ausgaben, wie Miete und Versicherung, laufen dagegen weiter.

Die Friseurin hofft, möglichst schnell wieder arbeiten zu können. Bis dahin bleibt ihr nichts anderes übrig, als ihren Salon zu renovieren und zu reinigen – und sich mit Kollegen zu verbünden. So hat sich der Verband der deutschen Friseure erst kürzlich in einem offenen Brief an den Deutschen Fußball-Bund über die top gestylten Fußball-Profis beschwert. Bayerische Friseure haben außerdem einen Brandbrief an bayerische Bundestagsabgeordnete geschickt. Der Tenor, den auch Wittek vertritt: „Es herrschen Unverständnis, Wut und Verzweiflung bei unseren Friseuren.“

Kosmetik-Betriebe können seit Monaten nicht mehr arbeiten

Eine solche Verbandsarbeit vermisst Sabine Reil. Sie betreibt das Kosmetikstudio „Place Beauté“ in Joshofen. Ihre Branche ist nicht so professionell aufgestellt wie die der Friseure, bedauert sie. Dabei ist die Situation der Kosmetik-Betriebe mindestens genauso kritisch. Die letzte Behandlung durfte Reil im Oktober durchführen – und damals musste sie noch die Auswirkungen des ersten Lockdowns verkraften.

Seitdem kann sie nur noch Cremes oder Ähnliches verkaufen. Den Hauptumsatz mache man jedoch mit den Behandlungen – auf die muss sie nun seit Monaten schon verzichten, betont Reil. Dazu kommen finanzielle Hilfen des Staates, die nur verzögert ankommen und deren Regularien kaum noch zu durchblicken seien. „Auf ewig kann man das nicht mitmachen“, so Reil. „Es ist eine Frage der Zeit, bis es so einen nach dem anderen zerbröselt.“

In Kosmetik-Salons sind Behandlungen schon seit Monaten nicht mehr erlaubt.
Foto: Rosmarie Kropka (Archiv)

Die Kosmetikerin betont, was dies für Selbstständige wie sie bedeuten würde. „Man baut über Jahre etwas auf, steckt viel Zeit und Herzblut hinein, und dann stellt sich jemand hin und sagt, du musst jetzt schließen.“ Reil könne die aktuellen Maßnahmen nicht mehr nachvollziehen. „Ich darf in einen überlaufenen Supermarkt oder mich mit einer Freundin treffen. Aber ich als Kosmetikerin darf nicht mehr eine einzelne Kundin behandeln. Da fehlt mir das Verständnis.“

Neuburger Unternehmer: „Der Vater Staat hätte uns verhungern lassen“

Auch Gregor Krebs ist nicht gut auf die Politik zu sprechen. „Der Vater Staat hätte uns verhungern lassen“, sagt der Unternehmer mit Blick auf die vergangenen Monate. Krebs ist Geschäftsführer des Neuburger Fitnessstudios „No Limit“. Die Abschlagszahlung der Novemberhilfe, die der Staat auszahlt, habe nicht einmal für Strom und Miete gereicht. „Geschweige denn für Löhne.“ Hilfen für den Monat Dezember habe er beantragt. Wie viel Geld er bekommt, und wann, sei völlig unklar, sagt Krebs. Er weiß, bei wem er sich zu bedanken hat: „Ohne unsere Mitglieder wären wir bereits am Ende.“

Da seine Kunden nicht mehr vor Ort trainieren können, hat ihnen Krebs die Wahl gelassen: Sie können die Beiträge zurückbekommen, einen Trainingsgutschein erhalten oder die Zahlungen so belassen, wie sie eingeplant waren. Immerhin jeder Vierte hat sich für die dritte Variante entschieden und dem Fitnessstudio somit etwas Luft verschafft. „Wir haben treue Kunden“, freut sich Krebs. Damit man diesen etwas bieten kann, bietet er seine Kurse komplett digital an. Trainingsgeräte, wie Spinningräder, wurden nach Hause zu den Mitgliedern transportiert. Über Livestreams kann man die Übungen, die im Fitnessstudio vorgemacht werden, verfolgen und nachmachen. Die Online-Kurse werden gut angenommen, Krebs spricht von 120 bis 150 Teilnehmern am Tag. Er möchte das Angebot weiter ausbauen. „Auch wenn der Aufwand dahinter enorm ist.“

Neuburg: Hotel hat nicht einmal 25 Prozent Auslastung

Schaut Susanne Bergbauer in ihren Kalender, kommt der Frust automatisch. „Die Auslastung im Januar ist eine Katastrophe“, sagt die Mitinhaberin des gleichnamigen Hotels in Neuburg. Derzeit seien nicht einmal 25 Prozent ihrer Zimmer belegt. Übernachten darf nur, wer geschäftlich unterwegs ist. Nur: In Zeiten von flächendeckendem Homeoffice sind das nicht mehr viele. Vor allem die Außenvertreter, die in ihre Firmen in Neuburg einbestellt werden und dann bei ihr übernachten, vermisse sie sehr, sagt Bergbauer. „Der ursprüngliche Kundenstamm fehlt.“ Ausnahmeregelungen, dass etwa Angehörige von Krankenhaus-Patienten übernachten dürfen, machen nach ihren Angaben nicht viel aus. Für die wenigen Gäste sei der organisatorische Aufwand, um die Auflagen einzuhalten, etwa beim Frühstück, enorm.

Der Abschlag für die Novemberhilfe ist da, für den Dezember fehlt die Finanzspritze des Staates noch. „Ich habe keine Angst, dass das Geld nicht kommt. Die Frage ist nur wann.“ So lange müsse sie „die Luft anhalten“. Kann sie die aktuellen Regelungen nachvollziehen? „Verständnis habe ich dafür nicht“, betont Bergbauer. In ihren Augen seien einige Maßnahmen „unlogisch“, sie spricht von „Angstmacherei“. Zwar sehe sie die Gefahr des Virus. Doch nach wie vor könne niemand sagen, wo sich Menschen anstecken. Im Hotel, im Großraumbüro, im Supermarkt? „Das müsste man belegen.“

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