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Kunstwerk

04.11.2017

Der alte Mann und der Dinosaurier

Curt Wohler und sein Dinosaurier aus Jurastein, der aus einem kompakten, 60 Tonnen schweren Block gehauen ist.
Bild: Manfred Dittenhofer

Curt Wohler ist Bildhauer. Aus einem Steinblock formt er einen Tyrannosaurus Rex

Eines mag er gar nicht. Wenn man ihn als Künstler bezeichnet. Curt Wohler sieht sich als Handwerker. „Ich bin Bildhauer“, sagt der gebürtige Schweizer, der in Ingolstadt seine berufliche wie auch private Heimat gefunden hat und gerade eines seiner im wahrsten Sinne des Wortes „schwersten“ Stücke vollendet hat. Fast vollendet hat. Aus einem 60-Tonnen-Jurablock hat Wohler einen Tyrannosaurus Rex gebrochen. Der ist nun, bis auf einige Feinstarbeiten, fertig und wartet auf seinen endgültigen Platz bei dem Steinmetzunternehmen Zieglmaier in Gaimersheim.

Seit Mai 2016 arbeitet Wohler an dem Stein-Dinosaurier. „Ich kann natürlich nicht acht Stunden am Tag an dem Stein arbeiten. Aber wenn ich die Stunden in 40-Stunden-Wochen zusammenzähle, komme ich auf eine reine Arbeitszeit von sechseinhalb Monaten.“ Curt Wohler feierte im Juli seinen 85. Geburtstag und steht immer noch stundenlang mit großen und kleinen Presslufthämmern, mit Steinsägen und mit Hammer und Meißel im Freien und bearbeitet alles, was hart ist. Denn seine Werkstatt ist die Natur, sein Atelier ist immer im Freien, oft in einem Steinbruch, wo er selbst die Steinblöcke aussucht und bricht, die er bearbeiten will. Für den Dinosaurier hat er lange gesucht und ist schließlich in einem Steinbruch in Kaldorf, nördlich von Eichstätt, fündig geworden. „Ich wollte einen Jurasteinblock mit einer Dicke von einem Meter. Aber der größte, den ich fand, hatte 90 Zentimeter.“ Umso wichtiger war, dass der erste Hammerschlag richtig lag. Denn der ursprüngliche Block war an manchen Stellen genauso breit, wie später der Dinosaurier sein sollte. Wohler konnte sich keinen Fehlschlag leisten – wie immer, wenn er am Stein arbeitet. Aber noch bevor der erste Schlag gesetzt werden konnte, musste das 60-Tonnen-Ungetüm erst einmal zum Steinmetz transportiert werden.

Curt Wohler hat sein Leben dem Stein als Material verschrieben. Der heute 85-Jährige lernte in der Schweiz nach seiner Schulzeit zuerst einmal Schriftsetzer, arbeitete aber nur kurz in dem Beruf. Seinen ersten Kontakt mit Sein hatte er während seiner Wehrpflicht in der Schweizer Armee. „Damals wollte unser Kompaniechef einen Gedenkstein. Er drückte mir einen kleinen Findling in die Hand, mit den Worten, ich sei der Einzige, der sich mit Buchstaben auskenne. Daraufhin habe ich die Schrift mit Hammer und Meißel aus dem Stein gearbeitet.“

Nach seiner Militärzeit hatte Wohler an der Kunstgewerbeschule in Zürich Kontakt zu einem Bildhauer, der ihm genau diese Tätigkeit nahelegte. Nach zwei Jahren, in denen Wohler durch die Welt reiste, bewarb er sich an der Wiener Akademie für bildende Künste. Professor Fritz Wotruba nahm ihn auf, ohne seine Aufnahmearbeiten auch nur anzuschauen. Die Schweiz habe ihm im Krieg das Leben gerettet. Deshalb sei ihm ein Schweizer immer willkommen, so Wotruba. Und so nahm Wohlers Berufung ihren Weg. Bis er einen Freund in Ingolstadt besuchte. Und zufällig von der Ausschreibung für die Ausgestaltung des damals geplanten Freibades hörte. Er beteiligte sich an der Ausschreibung und das Ergebnis kann auch heute noch im Ingolstädter Freibad bestaunt werden. Der Eisbär ist von Wohler. Und so wie der Eisbär ist auch der Schweizer in Ingolstadt geblieben. Am Südfriedhof gründete er Steinmetz-Betrieb, ganz nach der Devise, er sei ein Handwerker und kein Künstler. Wohler ist sein Leben lang fasziniert von der Bildhauerei. „Es ist ein Kampf gegen den Stein, denn die Arbeit ist nicht leicht. Und es gibt keine Korrekturmöglichkeiten. Die Bildhauerei hat eine absolute Endgültigkeit. Was weg ist, ist weg. Wenn ich zu viel Material entferne, ist das unumkehrbar.“

Abstand zur Arbeit gewinnen, um Fehler zu erkennen

Wohler beginnt mit einem Steinblock. Aber von Anfang an sieht er darin seine Figur. „Ich muss immer wieder Abstand gewinnen zu meiner Arbeit. Denn aus nächster Nähe, in der ich ja arbeite, erkenne ich Fehler möglicherweise nicht.“ Natürlich ist Wohler ein Künstler. Die Kunstszene aber ist ihm zu oberflächlich. Und wer definiere schon, was Kunst ist, so der Unruheständler. Für ihn ist immer die Arbeit und damit der Weg das Ziel. Wer ist härter? Er oder das Material, das er bearbeitet? Bisher war Wohler immer hartnäckiger als die Steine, die er bearbeitet.

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