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Neuburg-Schrobenhausen

30.01.2019

Ein Ökopackerl für das Hundegackerl

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Ulrich Auburger will die Poopicks im Landkreis etablieren. Die Kartonboxen bestehen aus recyceltem Papier und werden von Menschen mit körperlicher Behinderung in der Nordeifel zusammengefaltet.
Bild: Claudia Stegmann

Jetzt gibt es eine plastikfreie Alternative für Hundekotbeutel. Ein Hannoveraner hat’s erfunden, ein Rohrenfelser will die Kartonboxen in den Landkreis bringen.

Jutetasche statt Plastiktüte, Mehrweg statt Einweg, loses Obst und Gemüse statt portionierte Verpackungen, Seifenstück statt Flüssigseife – es gibt viele Möglichkeiten, auf Plastik zu verzichten. Jetzt gibt es auch eine Alternative zu Hundekotbeuteln, die allein im Landkreis täglich zu Tausenden im Müll landen: kleine faltbare Boxen aus Pappe. Der Erfinder der sogenannten Poopicks, Christian Salzmann, kommt aus Hannover, sein Vertriebspartner für den süddeutschen Raum ist Ulrich Auburger aus Rohrenfels. Und der würde die schwarzen Plastikbeutel am liebsten heute als morgen nicht nur aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen verbannen.

Der Vertriebsfachmann ist von der Idee seines Geschäftspartners überzeugt. Denn jeden Tagen würden in Deutschland etwa 15 Millionen Plastiktüten allein für Hundekot verwendet. Der Poopick dagegen besteht zu 70 Prozent aus Recyclingpapier und zu 30 Prozent aus Resten der Möbelindustrie. Die aufgedruckte Farbe ist wasserlöslich, der verwendete Kleber ist aus Kartoffelstärke. Zusammengefaltet ist der Karton 18,5 mal 6 Zentimeter groß und damit ein bisschen größer als ein Smartphone. Hat der Hund sein Geschäft gemacht, wird er auseinandergefaltet und zusammengesteckt. Dadurch ergibt sich eine Art Baggerschaufel, mit der die Hinterlassenschaften aufgegriffen werden – und zwar kontaktlos, wie Ulrich Auburger betont. Denn bei einer Plastiktüte komme man nicht umhin, das Häufchen durch den Beutel hindurch anzufassen. „Und das ist eklig.“ Mit einer Lasche wird die Box dann sauber verschlossen und hält mindestens eine Stunde dicht. Das hätten Tests mit Wackelpudding gezeigt.

Hundekotbeutel gehören in die Restmülltonne

Theoretisch könnte die Box jetzt im Biomüll entsorgt werden, da der Karton kompostierbar ist. Doch das ist im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen nicht erlaubt. Dort gehört Tierkot (mit Ausnahme von Kleintieren) in den Restmüll. Warum das so ist, erklärt Stefan Kneilling von den Landkreisbetrieben: In den Extrementen von Hunden können sich Würmer bzw. Wurmeier befinden, die die Kompostierung des Biomülls überleben würden. Dadurch kämen sie auf landwirtschaftliche Flächen, wo sie schließlich in den Nahrungskreislauf gelangen. „Und das will ja niemand“, sagt er.

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Also muss der Poopick samt Inhalt über die Mülltonne entsorgt werden. Doch selbst in diesem Fall sei seine Ökobilanz deutlich besser als die einer Plastiktüte. „Papier zu verbrennen ist schließlich deutlich umweltfreundlicher als Plastik“, sagt Ulrich Auburger. Das gleiche gelte für die Herstellung: Während für Plastik Erdöl verwendet wird, käme für den Karton recyceltes Papier zum Einsatz.

Die Hundekotbeutel aus Karton sind deutlich teurer

Die ökologische Variante hat allerdings ihren Preis: eine Packung mit 25 Poopicks kostet 7,99 Euro – also 32 Cent das Stück. Im Vergleich zu einem konventionellen Hundekotbeutel, der zwischen zwei und vier Cent kostet, sind sie im Schnitt zehnmal so teuer. Weil Auburger mit der Idee aber nicht nur Privatkunden, sondern vor allem Kommunen ansprechen will, die ihre öffentlichen Hundetoiletten auf Pappkartons umstellen sollen, hat er sich ein Refinanzierungsmodell überlegt: Und das lautet Sponsoring. Unternehmen bezahlen dafür, dass sie auf den Kartons für ihre Produkte oder Dienstleitungen werben dürfen. „Da könnte etwa eine Versicherung für eine Hunde-Haftpflichtversicherung werben“, nennt Auburger als Beispiel. Bedenken, dass Firmen eine Box für Hundekot möglicherweise als wenig attraktive Werbeplattform sehen könnten, hat er nicht. Im Gegenteil: „Ich sehe sogar einen Imagegewinn für die Unternehmen, weil sie auf einem ökologischen Produkt werben.“ Interessenten gibt es bereits: Vodafone haben sie als Partner gewinnen können, mit einer Versicherung und einer Großstadt seien sie in aussichtsreichen Gesprächen. Demnächst will Auburger auch im Landkreis aktiv werden und mit der Idee auf die Kommunen zugehen.

Mit der Frage, wie man Hundehäufchen umweltfreundlich verpacken kann, haben sich auch schon andere kreative Köpfe beschäftigt. So entwickelte vor einigen Jahren ein Westfale Hundekotbeutel aus recyceltem Plastik, die in Deutschland hergestellt wurden. Das Produkt wurde mittlerweile aber wieder eingestellt, weil der Lieferant keine Beutel mehr aus 100-prozentigem Recycling-Kunststoff produzieren konnte.

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