Newsticker
Bundesverfassungsgericht: Corona-Demo in Stuttgart bleibt verboten
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Falscher Sanitäter steht in Ingolstadt vor einem echten Richter

Ingolstadt

12.11.2019

Falscher Sanitäter steht in Ingolstadt vor einem echten Richter

Ein 19-Jähriger hatte sich beim Roten Kreuz in Ingolstadt als Notfallsanitäter ausgegeben. Jetzt stand der junge Mann vor Gericht.

Ein 19-Jähriger hatte sich beim Roten Kreuz in Ingolstadt als Notfallsanitäter ausgegeben. Er fuhr mit zu Einsätzen, aber nach einigen Wochen flog alles auf. Ins Gefängnis muss er aber nicht

Er fuhr im Rettungswagen mit zu Einsätzen, legte Venenzugänge bei Patienten und arbeitete mit beim Roten Kreuz in Ingolstadt. Doch nach ein paar Wochen war abrupt Schluss: Ein 19-Jähriger hatte sich als Notfallsanitäter ausgegeben, obwohl er keine entsprechende Qualifikation hatte. Aufgeflogen war alles, weil die Tochter einer BRK-Mitarbeiterin Anzeige wegen sexueller Belästigung erstattet hatte. Jetzt musste sich der Mann, der zuletzt in Franken gewohnt hat, vor dem Jugendschöffengericht in Ingolstadt verantworten. Dabei ging es nicht nur darum, dass er als falscher Sanitäter aufgetreten war. Im Internet war er als betrügerischer Händler unterwegs gewesen und hatte sich so an die siebeneinhalb tausend Euro ergaunert. Nun wurde er zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Patienten kamen durch den Einsatz des 19-Jährigen nicht zu Schaden.

Der Mann hatte Anfang des Jahres seinen Dienst als Sanitäter in Ingolstadt angetreten

Der junge Mann hatte Anfang des Jahres seinen Dienst beim Roten Kreuz in Ingolstadt angetreten. Zunächst zur Probe, wie das nach Auskunft des Roten Kreuzes üblich sei. Der Mann hatte bei der Bewerbung seine Unterlagen eingereicht, doch etwas entscheidendes fehlte: das polizeiliche Führungszeugnis. Das wolle er später nachreichen, beteuerte er. Doch dazu kam es nicht mehr. Der ganze Schwindel rund um die gefälschte Notfall-Sanitäter-Existenz flog im Februar dieses Jahres, wenige Wochen nach Stellenantritt, auf. Denn der Mann hatte eine Jugendliche in den Räumen des Roten Kreuzes belästigt und die Polizei wurde eingeschaltet. Die Beamten tauchten schließlich im Krankenhaus auf, wo der 19-Jährige, der auch bereits als Friseur gearbeitet hatte, gerade im Einsatz war.

Der falsche Sanitäter hatte sich die Unterlagen aus dem Internet kopiert

Und dort stellte sich heraus, dass die Unterlagen, mit denen er sich beworben hatte, Kopien aus dem Internet waren. Er hatte die Zeugnisse – mit falschem Namen – heruntergeladen und eingereicht. In Untersuchungshaft kam der 19-Jährige allerdings erst im Mai. Der Mann war zwischenzeitlich untergetaucht und wurde schließlich bei einer Bekannten in Fürth festgenommen.

Medizinische Grundkenntnisse hatte sich der Mann nach Auskunft von Richter Christian Schilcher wohl bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr angeeignet. Und so hatte er während seiner BRK-Zeit auch fünf Venenzugänge gelegt, bei einem sechsten hatte es nicht geklappt. Schilcher hat ihn deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Hinzukamen diverse Internet-Betrügereien, auch beim Schwarzfahren im Zug war er an die 20 Mal ertappt worden. Vor Gericht hatte er laut Schilcher schließlich alle Vorwürfe eingeräumt. Ins Gefängnis muss er wegen der Delikte allerdings nicht.

Immerhin saß er schon eine ganze Zeitlang in Untersuchungshaft, was einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben dürfe. Zudem war der Mann bislang nur wegen eines eher kleinen Delikts aufgefallen: Er hatte einmal als Feuerwehrmann fälschlicherweise einen Brand gemeldet. Richter Christian Schilcher führt dies auf das Geltungsbedürfnis des Mannes zurück.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren