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Weichering

12.11.2019

Kalte Nahwärme in Weichering?

Bei einem Kalten Nahwärmenetz wird die Erdwärme über dezentrale Wärmepumpen ins Haus transportiert. Ob die Gemeinde ihr Baugebiet in Weichering mit der Infrastruktur ausstattet, ist noch nicht entschieden. 
Bild: Daniel Maurer, dpa

Die Gemeinde überlegt, das neue Baugebiet in Weichering mit einem Anergienetz auszustatten. Neben den Klimaaspekten sind den Räten aber auch die Kosten wichtig.

Soll die Gemeinde Weichering ihr neues Baugebiet in Weichering mit einem sogenannten Kalten Nahwärmenetz ausstatten? Oder soll sie es den Grundstücksbesitzern überlassen, mit welchem System diese ihr Haus heizen? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit der Gemeinderat in Weichering. In der jüngsten Sitzung am Montag ließ sich das Gremium deshalb von Peter Mießl und Martin Fischer von der Bürgerenergiegenossenschaft des Landkreises über das System informieren. Ihrer Meinung nach gibt es derzeit keine bessere Lösung, um ein Haus CO2-neutral zu beheizen. „Damit können Sie das Baugebiet deutlich aufwerten“, sagte Martin Fischer. Mindestens 20 Wohneinheiten müssten an das Netz angeschlossen werden, damit das Projekt gefördert wird. Im Baugebiet Weingasse in Weichering sind 22 Grundstücke für Einfamilienhäuser geplant sowie Bauplätze für zwei Reihenhäuser und zwei Mehrfamilienhäuser mit zehn beziehungsweise acht Wohnungen.

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Bei einem Kalten Nahwärmenetz werden Wasserleitungen in die Erde verlegt und mit Grundwasserpumpen, Flächenkollektoren oder Erdwärmesonden verbunden. Durch die Wärme in der Erde wird das Wasser in den ungedämmten Leitungen auf rund acht Grad erwärmt. Über Wärmepumpen wird das Wasser in die Häuser transportiert und dort auf die gewünschte Temperatur gebracht. Dazu wird Strom benötigt, der im Idealfall von der Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach produziert wird.

Mit einem Kalten Nahwärmenetz lassen sich Räume auch angenehm kühlen

Für Peter Mießl sind konventionelle Heizmethoden wie etwa über Öl oder Gas heutzutage keine Option mehr. Die Bundesregierung hat als Ziel ausgerufen, dass sich Deutschland bis 2050 CO2-neutral versorgen kann. Deshalb müsse man schon jetzt anfangen, die Weichen zu stellen. „Es wäre deshalb schade, wenn man diese Chance jetzt vertut.“ Darüber hinaus sei ein Kaltes Nahwärmenetz nicht nur umweltfreundlicher, sondern insgesamt auch günstiger als alle derzeitig üblichen Arten der Heizwärmeerzeugung. Und noch einen Vorteil nannte Mießl: Das System lasse sich auch umkehren, sodass die Räume nicht nur geheizt, sondern im Sommer auch angenehm gekühlt werden könnten, indem kaltes Wasser durch die Leitungen im Haus zirkuliert.

Kalte Nahwärme in Weichering?

Die Empfehlung von Peter Mießl an den Weicheringer Gemeinderat lautete deshalb, dass im Baugebiet Weingasse die Infrastruktur für ein Kaltes Nahwärmenetz in jedem Fall verlegt werden sollte. Die Grundstücksbesitzer könnten dann immer noch selbst entscheiden, ob sie die Anschlüsse nutzen wollen oder nicht. Die zusätzlichen Kosten seien marginal und würden sich – je nach Kalkulation der Gemeinde – für die Käufer möglicherweise kaum bemerkbar machen. Mießl sprach von 10 bis 15 Euro pro Quadratmeter für den Wärmenetzausbau. Ein Bauplatz in Weichering wird voraussichtlich zwischen 250 und 300 Euro pro Quadratmeter kosten.

Burgheim ist die erste Gemeinde im Landkreis mit einem Kalten Nahwärmenetz

Der Weg zu einem sogenannten Wärmenetz 4.0 ist allerdings nicht ganz billig. Voraussetzung ist eine detaillierte Machbarkeitsstudie. Diese behandelt alle Fragestellungen rund um die Art der Wärmeerschließung, eine ingenieursmäßige Netzplanung sowie alle genehmigungsrelevanten Gutachten, Untersuchungen, Messungen, Simulationen und Auswertungen. Die Antragstellung allein kostet um die 3000 Euro, die Kosten für die Studie selbst liegen irgendwo zwischen 70- und 100.000 Euro, wobei das Bundesamt für Ausfuhr und Wirtschaftskontrolle 60 Prozent Förderung zuschießt.

Eine Entscheidung für oder gegen ein Kaltes Nahwärmenetz im Baugebiet Weingasse traf der Gemeinderat am Montag noch nicht. Neben den Klimaaspekten wollten die Räte im Vorfeld auch über die Kosten informiert werden. Deshalb wurde Peter Mießl beauftragt, eine Beispielrechnung für ein Muster-Einzelhaus zu erstellen, für das ein Nahwärmesystem mit einem konventionellen Heizsystem verglichen wird.

Mit Anergienetzen, wie die Kalten Nahwärmenetze physikalisch korrekt heißen, beschäftigen sich auch andere Gemeinden. In Burgheim wird es im Baugebiet „Am Vohbach“ umgesetzt. Damit ist die Gemeinde die erste im Landkreis, die ein Kaltes Nahwärmenetz bereitstellt. In Königsmoos wird derzeit eine Machbarkeitsstudie für die Baugebiete in den Ortsteilen Obermaxfeld und Ludwigsmoos erstellt. In Ehekirchen hätte sich die Gemeinde ein solches System für ihr Baugebiet in Schönesberg vorstellen können. Aufgrund etlicher ungeklärter rechtlicher Fragen sowie Unklarheiten zur Wartung und Preisstabilität hat die Gemeinde erstmal Abstand von dem Projekt genommen.

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