1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Kanalsanierung sorgt in Leidling für Ärger

Burgheim-Leidling

18.09.2019

Kanalsanierung sorgt in Leidling für Ärger

In Burgheim soll in den nächsten zehn Jahren das komplette Kanalsystem umgerüstet werden.
Bild: AdobeStock

Plus Weil keine Firma auf dem instabilen Torfboden Leitungen für einen neuen Kanal verlegen will, müssten die Bürger jetzt tiefer in die Tasche greifen.

Die Nachricht, die die Leidlinger bei ihrer Bürgerversammlung zur anstehenden Kanalsanierung erhalten haben, ließ ihnen den Atem stocken: Weil der Kanalanschluss nach Burgheim nicht wie ursprünglich geplant umgesetzt werden kann, steht aktuell eine andere technische Lösung im Raum. Die hätte allerdings zur Folge, dass jeder Hausbesitzer auf seinem eigenen Grundstück einen Pumpensumpf errichten lassen müsste, der bis zu 10.000 Euro kosten kann und den die Bürger aus eigener Tasche bezahlen müssten. Die Leidlinger wollen das nicht einfach so hinnehmen und haben deshalb am Dienstag Norbert Zinsinger zu ihrem Ortssprecher gewählt, der als Teil des Gemeinderats (ohne Stimmberechtigung) nun ihre Interessen vertreten soll. Zinsinger ist 46 Jahre alt, Elektroniker und gebürtiger Leidlinger.

Der Ärger um die unerwartet hohen Kosten hat folgenden Hintergrund: In den nächsten zehn Jahren will die Gemeinde Burgheim sein komplettes Kanalsystem umrüsten. Die sechs Ortsteil-Kläranlagen in Leidling, Illdorf, Längloh, Dezenacker, Kunding und Eschling/Wengen sollen alle nacheinander aufgelöst und die Leitungen zentral an die Kläranlage Burgheim angeschlossen werden. Außerdem wird in diesem Zuge das Kanalsystem in Schmutzwasser und Regenwasser getrennt, was den Unterhalt für die Gemeinde einfacher mache. Denn Risse in einem Regenwasserrohr müssen längst nicht mit derselben Akribie repariert werden als Schäden in einem Schmutz- oder Mischwasserrohr.

So sieht der Zeitplan für die Kanalsanierung in der Gemeinde Burgheim aus.
Bild: AZ Info-Grafik

In Leidling müssten die Bürger rund 8000 Euro zusätzlich bezahlen

Nachdem die technische Aufrüstung der Burgheimer Kläranlage so gut wie abgeschlossen ist, damit sie ihrer künftigen Aufgabe auch gewachsen ist, sollte es demnächst in Leidling losgehen. Doch schon die erste Baustelle läuft nicht so, wie es sich die Marktgemeinde Burgheim und ihr Planungsbüro vorgestellt hatten.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Geplant war eine sogenannte Freispiegelentwässerung, bei der das Wasser über mehrere Fallleitungen in eine tief im Boden verlegte Grundleitung gelangt, über die es dann abgeleitet wird. 3,8 Millionen Euro hätte die Maßnahme grob geschätzt gekostet. Diese Arbeiten wollte aber keine Firma übernehmen. Grund: Die Rahmenbedingungen in Leidling sind schwierig und schwer zu kalkulieren, erklärt Bürgermeister Michael Böhm. Unter anderem sei der Boden instabil, die Bebauung eng und die Mooserde müsse aufwendig und teuer entsorgt werden.

Deshalb musste das Planungsbüro auf eine andere technische Variante umschwenken, von der sie hoffte, eher ein Bauunternehmen rekrutieren zu können: das Druckströmungssystem. Vorteil: Es kostet mit rund 2,7 Millionen Euro insgesamt deutlich weniger. Nachteil: Die Bürger werden stärker zur Kasse gebeten, weil die dafür notwendigen Pumpenschächte etwa 8000 Euro kosten – ohne Installation gerechnet. Auch bei der Freispiegelentwässerung wäre eine Eigenbeteiligung der Bürger in Form eines Revisionsschachtes notwendig gewesen, der allerdings maximal 4000 Euro und damit nur die Hälfte gekostet hätte.

Lösung für kostengünstigere Kanalsanierung in Leidling gesucht

Die Leidlinger möchten nun, dass die Gemeinde die Mehrkosten übernimmt. Das einfachste wäre nach den Worten von Norbert Zinsinger, die Satzung der Gemeinde zu ändern, die aktuell besagt, das Maßnahmen auf privatem Grund auch privat bezahlt werden müssen. Wenn dieser Passus entsprechend geändert würde, könnte die Gemeinde auch ohne Weiteres die Kosten übernehmen – so wie es etwa in der Gemeinde Rennertshofen im Ortsteil Kienberg der Fall gewesen sei, sagt Zinsinger.

Bürgermeister Michael Böhm sieht jedoch in einer Satzungsänderung allein nicht des Rätsels Lösung. In diesem Fall gebe es jede Menge juristische Fallstricke zu beachten, wie etwa Umsatzsteuerpflicht, Gewährleistung oder unzulässige Bezuschussungen. „So einfach ist das leider nicht“, sagt er und verweist darüber hinaus auf andere Grundstückseigentümer, die ebenfalls Pumpenschächte installieren mussten. „Müssten wir diesen Leuten dann auch die Kosten zurückzahlen?“, macht er die weitreichenden Folgen deutlich. Nichtsdestotrotz sei er daran interessiert, eine Lösung zu finden, die die Bürger finanziell nicht so stark belastet. Dazu soll es Ende Oktober ein Treffen mit Ortssprecher Norbert Zinsinger und Fachleuten geben, bei dem alle Ideen durchdiskutiert werden. Mit dabei werden auch sieben Leidlinger sein, die sich mit Zinsinger zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen haben. Ihr Ziel sei es nicht nur, für die Bewohner von Leidling ein möglichst gutes Verhandlungsergebnis zu erzielen, sondern auch für alle Bürger, die von der Kanalsanierung ebenfalls betroffen sind. Denn die Maßnahme wird die Bürger ohnehin eine Stange Geld kosten: Norbert Zinsinger spricht von 10- bis 15.000 Euro, die die betroffenen Grundstückseigentümer in den nächsten zehn Jahren aufbringen müssen.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren