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Neuburg

18.11.2019

Kommt jetzt der E-Auto-Boom in Neuburg?

Die Automobilfirmen drängen auf den Ausbau des Ladenetzes. Und trotzdem wird, laut Studien, am meisten zu Hause aufgeladen.
Foto: Manfred Dittenhofer

Plus Neuburger Autohäuser verzeichnen eine steigende Nachfrage. Aber es gibt noch so manches Problem, das potenziellen Käufern die Entscheidung schwer macht.

Die Bundesregierung versucht zusammen mit der Autoindustrie, den deutschen Autofahrern die Elektromobilität schmackhaft zu machen. Die Versprechen, das Netz an Ladestationen auszubauen sowie die steigenden finanziellen Anreize scheinen erstmals Früchte zu tragen. Auch in Neuburg verzeichnen die Händler eine steigende Nachfrage nach E- und Hybrid-Fahrzeugen.

„Bei uns tut sich was“, berichtet Helmut Reiter, Verkaufsleiter beim Neuburger Autohaus Prüller. Seit August, so sagt Reiter, hat das Autohaus mehr E-Golf verkauft als im ganzen Jahr zuvor. Grund dafür dürften auch die finanziellen Anreize sein. Zuerst einmal hat Volkswagen den Preis für sein rein elektrisch angetriebenes Modell gesenkt. Zum anderen seien neben den steuerlichen Vorteilen die staatlichen Prämien noch einmal angehoben worden. Zudem bekomme der Käufer bei Inzahlungnahme auch mehr Geld für seinen alten Verbrenner. „Wir merken auch deutlich die Halbierung der Besteuerung von elektrisch angetriebenen Geschäftswagen bei privatem Gebrauch.“ Dazu eine Beispielrechnung. Kostet ein Neuwagen 50.000 Euro, wird für den auch privat genutzten Dienstwagen ein Prozent des Neupreises als Einnahme versteuert. In diesem Fall also 500 Euro. Bei einem E- oder Hybridfahrzeug mit dem gleichen Anschaffungspreis sind das dann nur 250 Euro monatlich.

Ladestationen gibt es in Neuburg auf der Schlösslwiese, im Eulatal und am Bahnhof. Die Autohäuser Schweitzer und Prüller bieten Säulen auf ihrem Firmengelände an.
Foto: Manfred Dittenhofer

E-Autos: „Für Außendienstler ist der Diesel die beste Option“

Auch bei BMW gibt es eine erhöhte Nachfrage nach E- und Hybrid-Fahrzeugen. Bei dem Münchner Autobauer sei das vor allem darauf zurückzuführen, dass, im Gegensatz zu früher, alle BMW-Händler die Elektrovarianten anbieten können, so hört man aus dem Neuburger Autohaus Schweitzer. Neuwagenkunden fragen inzwischen grundsätzlich nach elektrisch angetriebenen Varianten, so berichten Evelyn und Jürgen Hölzl vom BMW Autohaus Schweitzer. Dann beginne eine Beratung, bei der der Kunde sich selbst hinterfragen solle, welche Antriebsart für ihn am besten sei. Fährt er weite Strecken oder braucht oft einen Anhänger? Steht das Auto meist auf Parkplätzen ohne Ladeinfrastruktur? Hat man schon eine Photovoltaikanlage auf dem Dach? Vieles ist in Betracht zu ziehen.

„Für Außendienstler beispielsweise ist der Diesel nach wie vor die beste Option“, meint Jürgen Hölzl. Aber selbst Transporter und Kleinlaster werden bei VW inzwischen als Hybrid und voll elektrisch betrieben angeboten. Hybridfahrzeuge besitzen einen Elektro- und einen Verbrennungsmotor. Sie können kurze Strecken auch rein elektrisch zurücklegen. Für einen Handwerksbetrieb in der Stadt könne das durchaus eine Option sein.

E-Autos: Hersteller erweitern Angebot

Bei BMW stellt man den Kunden drei grundsätzliche Fragen: Wie wird der Wagen eingesetzt? Wie steht es um die Lademöglichkeiten? Und wie ist das Nutzerverhalten? Laut einer Studie, so Reiter, würde 60 Prozent des benötigten Stroms für ein E-Auto zu Hause geladen. 30 Prozent in der Arbeit und nur zehn Prozent an öffentlichen Ladesäulen. Es gebe Supermärkte, so Hölzl, die würden kostenlose Ladestationen anbieten, weil sie sich dadurch längere Einkaufszeiten der Kunden erhoffen würden. Aber wichtig sei die Lademöglichkeit in der eigenen Garage, Tiefgarage oder auch vor dem Wohnhaus. Leider würden vor allem bei Mehrparteienhäusern die Lademöglichkeiten oft fehlen, so Hölzl.

Die Anzeige der Reichweite, hier während des Ladevorgangs, ist bei einem E-Auto eine der wichtigsten Anzeigen überhaupt.
Foto: Manfred Dittenhofer

Dennoch: Die Hersteller erweitern ihre Angebotspalette gerade sehr stark. Dazu kommen Garantien für die Batterien. Acht Jahre oder 160.000 Kilometer geben, wie Reiter erklärt, VW und Audi. Zugleich aber zeigten die Verkaufszahlen, dass der überwiegende Teil an E-Fahrzeugen geleast werde. Das hat wohl damit zu tun, dass der Kunde trotz Garantie und teils austauschbarer Batteriezellen Zweifel an der Lebensdauer der Akkus hat.

E-Autos in Neuburg und Ingolstadt: Zahl ist noch gering

Bei der Kaufentscheidung helfen laut Eveline Hölzl die inzwischen gestiegenen Reichweiten von E-Fahrzeugen. Außerdem geben die Fahrzeughersteller entsprechende finanzielle Anreize. Denn ihnen sitzt der von der EU geforderte durchschnittliche Flottenverbrauch von 95 Gramm CO2 im Nacken. Wer das nicht schafft, muss saftige Strafen zahlen.

Um den E-Fahrzeugen noch mehr Chancen auf Deutschlands Straßen zu geben, müsse nicht nur an der Infrastruktur gearbeitet werden, so die Hölzls. Man brauche auch ein einheitliches Abrechnungssystem für die Ladesäulen. Zur Zeit seien zwar schon kombinierte Abrechnungssysteme im Umlauf, aber eine einzige Abrechnungsmethode würde verbraucherfreundlicher sein.

Noch ist die Zahl der E-Autos in der Region indes übersichtlich: Im Landkreis sind 145 von 67.935 Pkw elektrisch, in der Stadt Ingolstadt werden von 99.009 Pkw 960 elektrisch betrieben. Die Zahlen stammen aus dem November 2019.

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