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Neuburg

06.07.2017

Linke fordern: Mölderianer raus

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Mehr als 30 Jahre lang trug das Elitegeschwader 74 der Neuburger Luftwaffe den Titel „Mölders“, zu Ehren des 1941 mit 28 Jahren bei Breslau abgestürzten Spitzenpiloten Werner Mölders.
Bild: dpa

Im Zuge der Diskussion um die Traditionspflege in der Bundeswehr geht es gerade in Neuburg um den Umgang mit der Mölders-Vereinigung und deren Vereinsheimat.

Durch die Debatte um rechtsradikale Soldaten in der Bundeswehr ist die Traditionspflege in den deutschen Streitkräften ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat tief greifende Maßnahmen in der Truppe angekündigt. Die Neuburger Linke nahm das zum Anlass eine Kleine Bundestagsanfrage zu stellen. Ihr Anliegen: Welche Maßnahmen wurden in Neuburg eingeleitet, um Rechtsstaatlichkeit und Demokratie im Sinne des Grundgesetzes sicherzustellen?

Konkret geht es den Linken um den Umgang mit der Mölders-Vereinigung e.V., die nach wie vor auf dem Gelände der Bundeswehr aktiv ist, ihre Jahresversammlungen in den Räumen des Jagdgeschwaders abhält und jedes Jahr im November am Gedenkstein auf dem Flughafengelände innehält zum Gedenken an den Offizier und Jagdflieger der deutschen Luftwaffe während des Spanischen Bürgerkrieges und der NS-Zeit. Jetzt kam die Antwort.

„Mölders ist nicht sinnstiftend für die Bundeswehr“

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Und die fiel relativ deutlich aus, wie Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter findet. „Werner Mölders ist nicht sinnstiftend für die Bundeswehr und daher auch nicht traditionswürdig“, heißt es in dem Antwortschreiben aus der Bundesregierung. Mölders sei Teil einer völkerrechtswidrigen militärischen Aktion im Spanischen Bürgerkrieg gewesen.

Traditionspflege in Bezug auf die Person Mölders werde in der Bundeswehr nicht betrieben. Die sogenannte Mölders-Vereinigung ist ein Verein, der sich „Die Mölderianer e.V.“ nenne. Die Mitgliedschaft sei eine persönliche Entscheidung. Das sei durchaus richtig, sagt Neuburgs Ortsvorsitzender der Linken, Roland Keller: „Aber eine private Vereinigung gehört nicht in eine öffentliche Kaserne. Und gerade eine mit solch einer Vergangenheit darf nicht von Institutionen des demokratischen Staates mit Steuergeldern finanziert werden.“ Die Linke fordert deswegen, dass der Gedenkstein aus dem Gelände der Bundeswehr entfernt wird und dass sich die Mölders-Vereinigung eine neue Bleibe suchen muss. Der Vereinigung werden kostenlos regelmäßig Räume in der Kaserne zur Verfügung gestellt und einzelne Geschwaderangehörige arbeiten während der Dienstzeit redaktionell für die Vereins-Zeitschrift „Der Mölderianer“. Ein Unding, wie die Linken finden.

Jagdgeschwader beseitigte den Namen „Mölders“

1998 hatte das Parlament vor dem Hintergrund des 60. Jahrestages der Bombardierung der spanischen Stadt Guernica durch die Legion Condor entschieden, für Bundeswehreinrichtungen Namen der Angehörigen dieser Einheit nicht weiter zu verwenden. 2005 wurde dieser Beschluss umgesetzt und die Umbenennung der Werner-Mölders-Kaserne in Visselhövede bei Nienburg an der Weser sowie auch die Beseitigung des Namens „Mölders“ beim Jagdgeschwader 74 Neuburg umgesetzt.

Helmut Ruppert ist seit vielen Jahren Vorsitzender der Mölders-Vereinigung und er kennt auch das Antwortschreiben der Bundesregierung. Doch Konsequenzen daraus will er nicht ziehen: „So lange wir auf dem Fliegerhorst willkommen sind, werden wir gerne weiterhin kommen.“ Der Befehl etwas zu ändern, müsse von ganz oben kommen.

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