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Bluttat in Ingolstadt

07.10.2013

Mord und Selbstmord: 43-jähriger Jäger erschießt Ex-Mann seiner Frau

Ein 43-Jähriger hatte am Sonntag einen fünf Jahre älteren Bekannten mit einer Pistole erschossen. Kurz danach tötete er sich in dem Polizeigebäude selbst.
Bild: Armin Weigel, dpa

Der Mord in Ingolstadt entpuppt sich als Beziehungsdrama. Das Opfer des 43-Jährigen war der Ex-Mann seiner Ehefrau. Das Motiv des Schützen bleibt unklar.

Der Mord und Selbstmord am Sonntagabend hat sich als Beziehungsdrama herausgestellt. Der Jäger und Sportschütze erschoss nicht nur den Ex-Mann seiner Ehefrau, ehe er sich selbst umbrachte. Er feuerte unmittelbar zuvor in einem Nachbarort auch vor der Frau in den Boden - sie ist die Mutter einer Jugendlichen, die er sexuell belästigt haben soll. Von dem Vorwurf wurde der 43-Jährige aber freigesprochen, wie die Polizei am Montag mitteilte. Umso mehr gibt den Ermittlern das Tatmotiv Rätsel auf.

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Mord und Selbstmord in Ingolstadt
Bild: dpa/Heinz Reiß

Der Täter war Sportschütze und Jäger

In der Wohnung des 43-Jährigen wurden zahlreiche Waffen, auch Gewehre, sichergestellt. Der zuletzt im Security-Bereich tätige gelernte Elektroniker besaß die Waffen, auch die Tatwaffen, nach den Erkenntnissen der Kripo rechtmäßig.

Er hatte am Sonntagabend den 48 Jahre alten Ex-Mann seiner Frau in dessen Haus mit einer Pistole erschossen. Danach tötete er sich im Ingolstädter Polizeigebäude mit einem großkalibrigen Revolver vor den Augen von zwei Beamten selbst.

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Zunächst schoss er vor einer 37-Jährigen in den Boden

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Nach den bisherigen Ermittlungen spielten sich die Taten vom Sonntag folgendermaßen ab: In der Abenddämmerung taucht der 43-Jährige mit Revolver und Pistole bewaffnet in seinem Heimatort Großmehring vor dem Anwesen einer Frau auf. Er schießt unmittelbar vor der 37-Jährigen in den Boden. Das Opfer erleidet einen Schock.

Wie sich später herausstellt, ist die Frau die Mutter jener Jugendlichen, die der Schütze sexuell belästigt haben soll. Von Begrapschen ist die Rede. Aber die Polizei legt großen Wert auf die Feststellung, dass der Mann von dem Vorwurf der sexuellen Belästigung in einem Prozess ausdrücklich freigesprochen wurde.

Schütze tötet Ex-Mann seiner Frau

Nach der Tat im nur wenige Kilometer entfernten Großmehring fährt der passionierte Jäger in seinem VW-Bus nach Ingolstadt zum Haus des Ex-Mannes seiner Frau, wie Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer am Montag zu dem Beziehungsdrama sagte. Der 43-Jährige läutet an der Tür. Im Haus trifft er auf sein Opfer. Mit der Pistole feuert er mehrere Schüsse auf den 48-Jährigen ab. Tödlich getroffen sinkt das Opfer zu Boden. Die neue Frau des Mannes verschont der Schütze. Sie muss aber mitansehen, wie ihr Mann stirbt.

Dann setzt der 43-Jährige sich in seinen Bus und fährt vor das Polizeigebäude in der Innenstadt, wo neben der Inspektion auch das Präsidium Oberbayern Nord und die Kripo untergebracht sind. Noch während die Polizei zum Tatort im Stadtteil Ringsee unterwegs ist, geht der Mann schnurstracks Richtung Wache. Er feuert einen Schuss auf die Zugangstür zum Treppenhaus der Inspektion ab.

Dort trifft er auf zwei Beamte, die den Schützen auffordern, seine Waffe fallen zu lassen. Es kommt zu einem kurzen Wortwechsel, dann jagt sich der Mann mit dem großkalibrigen Revolver eine Kugel in den Kopf. Kammerer schloss am Montag nicht aus, dass der Mann es darauf abgesehen haben könnte, von den Polizisten erschossen zu werden.

Motiv des Täters ist unklar

Zum Motiv der Tatserie herrschte am Tag danach auch bei den Ermittlern Rätselraten. Vor allem der Freispruch des Mannes in dem Prozess wegen sexueller Belästigung passt so gar nicht zum Geschehen vom Sonntagabend, zumindest nicht zu dem Mord am Ex-Mann der Ehefrau und zum Selbstmord. Schließlich war der 43-Jährige vom Gericht rehabilitiert worden. "Es ist ein Rätsel, warum sich der Täter gerade dieses Opfer ausgesucht hat", erläuterte der Polizeisprecher.

Die Tat in Ingolstadt wirft indessen erneut die Frage nach den Sicherheitsvorkehrungen in Polizeigebäuden auf. Immerhin gelang es dem Todesschützen, bis zur Wache zu gelangen. Anfang Juni hatten Polizisten in der Inspektion in Starnberg einen 73 Jahre alten Mann erschossen, der mit einem Küchenmesser auf sie losgegangen war.

Ingolstadt wird seit Wochen von einer Welle an Gewaltverbrechen erschüttert. Mitte September wurde ein junger Obdachloser erschlagen. Ein 18-jähriger Wohnsitzloser sitzt unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Nur eine Woche zuvor war in derselben Stadt ein 50 Jahre alter Mann auf offener Straße erschossen worden. Der mutmaßliche Täter (45) macht Notwehr geltend. Mitte August hielt ein Stalker im Ingolstädter Rathaus drei Menschen stundenlang als fest Geiseln - bis ein Polizei-Spezialkommando den Mann überwältigen konnte. (dpa/lby/AZ)

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