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Neuburg

13.07.2019

PFC-Altlasten bei Manching: Steigende Werte bei Hausbrunnen

Das Wasser von mehreren Brunnen ist mit PFC belastet.
Bild: Ulrich Wagner (Symbol)

Ein weiterer Hausbrunnen überschreitet den Schwellenwert für PFC, zwei Bewässerungsbrunnen weisen ebenfalls einen Anstieg der PFC-Werte auf.

Weitreichende Maßnahmen zur Sanierungsplanung wurden beim 6. Runden Tisch zum Sachstand der PFC-Belastung am Flugplatz Manching am Dienstag in München verkündet. Das ist in einer Pressemitteilung auf der Homepage des Landratsamts Pfaffenhofen zu lesen. Über aktuelle Entwicklungen in Sachen PFC am und rund um den Flugplatz Neuburg ist dagegen auf der Homepage des Landratsamtes Neuburg-Schrobenhausen nichts mehr zu lesen, wofür es, wie das Landratsamt auf Anfrage mitteilt, Gründe gebe.

Am kommenden Montag, 15. Juli, besucht übrigens der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Silberhorn das Geschwader in Neuburg. Das Bundestagsmitglied ist in das Thema PFC involviert. Begleitet wird er von den Heimatabgeordneten Reinhard Brandl (MdB) und Matthias Enghuber (MdL).

Dass es auf der Internetseite des hiesigen Landratsamtes nur noch allgemeine Informationen zum Thema PFC gibt, begründet die Behörde mit den einzuhaltenden gesetzlichen Bestimmungen. Dabei sei der Schutz von personenbezogenen Daten besonders zu beachten. Nach Herausnahme der personenbezogenen Daten aus den Analyseergebnissen der Brunnenbeprobung, würden die Ergebnisse online gestellt. Eine Veröffentlichung zu den Beprobungen der Badeseen im Juni 2019 sei über eine Presseinfo sowie eine Veröffentlichung auf der Homepage erfolgt. Individuelle Fragen von Anwohnern oder anderen Bürgern würden zudem gerne unter der eigens hierfür eingerichteten E-Mail-Adresse pfc@lra-nd-sob.de beantwortet.

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PFC: „Information der Öffentlichkeit besonders wichtig“

Grundsätzlich bleibe es dabei, dass dem Landratsamt beim Thema PFC „eine offene und transparente Information der Öffentlichkeit besonders wichtig“ sei. Die Brunnenbesitzer etwa seien sowohl nach Vorliegen der Ergebnisse der Probennahmen im März und Mai umgehend schriftlich über die Ergebnisse informiert worden. Eine Detailuntersuchung, die veröffentlicht werden könnte, liege dem Landratsamt erst zum Ende des Jahres vor. Außerdem plant Landrat Peter von der Grün im Oktober wieder einen Runden Tisch mit allen Beteiligten, um Aktuelles zum Thema anzusprechen.

Bei den Untersuchungen im Mai, seien insgesamt 30 Grundwasseraufschlüsse (neun Bewässerungsbrunnen, sechs Grundwassermessstellen, 15 Hausbrunnen) beprobt worden, im März waren es 28. Drei Hausbrunnen wurden im Mai zusätzlich in das Monitoring aufgenommen, darunter ein Hausbrunnen, der unmittelbar neben demjenigen liegt, der bereits bei den März-Untersuchungen eine Überschreitung des vorläufigen Schwellenwertes aufgewiesen hatte. Auch der benachbarte Brunnen wies eine Überschreitung auf. Beide Brunnen, teilt das Amt weiter mit, befinden sich im PFC-Untersuchungsbericht im gelben Bereich. Keiner der Haus- oder Bewässerungsbrunnen weise Werte im roten Bereich auf. Daneben gebe es noch zwei Bewässerungsbrunnen, die einen Anstieg des Summenwertes aufwiesen. „Im Ergebnis haben sich damit keine wesentlichen Änderungen im Vergleich zu den Analyseergebnissen im März ergeben“, schreibt das Landratsamt.

PFC: Häuslebauer müssen Wasser über einen Schacht versickern

Mittlerweile müssen Häuslebauer in den Gebieten um den Flugplatz, in denen im Grundwasser erhöhte PFC-Werte nachgewiesen wurden, ihr abgepumptes Bauwasser über einen Sickerschacht örtlich versickern. Das war bei einem Bürger in Zell der Fall, der sein Druckwasser nicht mehr in den Schornreuter Kanal ableiten durfte. „Grundwasser, in dem erhöhte PFC-Werte nachgewiesen werden, kann nicht in ein oberirdisches Gewässer geleitet werden. Hierfür gelten strenge Vorschriften“, schreibt das Landratsamt. „Jetzt fängt es also auch bei uns schon an, dass den Bürgern Kosten durch die Verunreinigungen entstehen, für die sie nicht verantwortlich sind“, sagt dazu Zells Ortssprecher Roland Habermeier.

Ob der Fischereiverein Karlshuld weiter Freude an seinen gefangenen Fischen aus dem Nachbarweiher zum Zeller Weiher haben kann, wird gerade untersucht. Die Abteilung Lebensmittelüberwachung des Landratsamtes erstellt mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit derzeit ein Konzept für ein Fisch-Monitoring. Hierbei müsse, wie es heißt, systematisch vorgegangen werden. Erst wenn das Monitoring abgeschlossen sei, könne die Lebensmittelüberwachung Auskunft geben, ob Rückstände in Speisefischen zu finden sind.

Wie dem Grundwasser der Giftstoff PFC entzogen werden soll

Wie es auf der Homepage des Landratsamtes Pfaffenhofen zum Runden Tisch am Dienstag heißt, sollen entlang der „Alten Feuerwache“ fünf Brunnen zur Abstromsicherung installiert werden, die zu einer Reinigung von 94 Prozent des Grundwassers führen sollen. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Pump-and-Treat-Anlage. Bei diesem Verfahren werden dem Grundwasser die Giftstoffe (in diesem Fall PFC) entzogen, bevor sich diese weiterverbreiten können.

Michael Weichenrieder von der Bürgerinitiative PFC Flugplatz Manching bewertet das Ergebnis des Runden Tisches so: „Das ist ein kleines Licht am Ende des Tunnels. Und die Tatsache, dass nun doch eine Abstromsicherung kommen soll, ist für uns ein klarer Erfolg, weil man uns zunächst gesagt hatte, dass das dort technisch nicht möglich sei.“ Weichenrieder beklagt allerdings, dass die Bürgerinitiative weiterhin im Dunkeln darüber gelassen werde, wie nun der genaue Zeitplan der Sanierung ablaufen soll.

Laut Landratsamt Pfaffenhofen sind 2020 erst einmal die Erkundungsarbeiten beziehungsweise die Probebohrungen für das Verfahren geplant. Wegen der bekannten vergaberechtlichen Vorschriften und langwierigen Genehmigungsprozesse bleibe es für die Durchführung der Maßnahmen aber zunächst bei einem Zeitplan bis 2024. Ob der verkürzt werden könne, müsse in Arbeitsgesprächen geprüft werden.

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