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FC Ehekirchen

15.06.2020

Luis Bauer: „Wie will man das auf einem Fußballplatz machen?“

Auf dem engen Sportplatz des FC Ehekirchen ein gewohntes Bild: Die zahlreichen Zuschauer verfolgen dicht gedrängt die Heimspiele ihrer Mannschaft. Bei einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs müsste künftig der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden – was nicht nur für Luis Bauer schwer vorstellbar ist.
Bild: Dirk Sing

Exklusiv Der 1. Vorsitzende des FC Ehekirchen, Luis Bauer, hat bezüglich einer möglichen Wiederaufnahme des Spielbetriebs durchaus Bedenken. Welche Probleme der Klub-Chef auf seinen Verein dabei zukommen sieht und warum diese nicht einfach zu lösen sind

Auch wenn es für die Sportvereine aufgrund zahlreicher Lockerungen seit einigen Wochen wieder möglich ist, einen – wenn auch stark eingeschränkten – Trainingsbetrieb anzubieten, so bleibt es doch nach wie vor ein Ritt auf der Rasierklinge. Speziell die strengen Hygiene-Auflagen stellt die Klubs vor große Herausforderungen. Auch der rund 840 Mitglieder starke FC Ehekirchen hat damit zu kämpfen. Wir haben uns mit dem 1. Vorsitzenden Luis Bauer unterhalten.

Herr Bauer, wie sind Sie persönlich mit Ihrer Familie bislang durch die Corona-Krise gekommen?

Bauer: Nun, wir haben bislang glücklicherweise noch keinen Erkrankten in der Familie. Aufgrund der Einschränkungen gerade zu Beginn sind wir als Familie noch enger zusammengerückt und verbringen mehr Zeit miteinander. Beispielsweise spielen wir Karten oder widmen uns Brettspielen – alles Dinge, die man vorher eigentlich nicht mehr gemacht hat. Wenn man so will, dann hat diese ganze Krise letztlich auch etwas Gutes. Man verbringt einfach mehr Zeit im Kreise der Familie.

Luis Bauer: „Wie will man das auf einem Fußballplatz machen?“

Auf den FC Ehekirchen übertragen: Wie hat Ihr Verein die ersten Wochen und Monate dieser Pandemie überstanden?

Bauer: Bis zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich noch ganz gut. Klar, was das Sportangebot für unsere Mitglieder betrifft, schaut es derzeit ziemlich mau aus. Wir können weder auf den Sportplatz noch in die Halle. In Kürze soll ja von der bayerischen Staatsregierung wieder ein neues, überarbeitetes Infektionsschutzgesetz mit weiteren Lockerungen aufgelegt werden. Wie das Ganze dann umgesetzt werden soll und welche Verantwortung die Vereine zu tragen haben, steht jedoch wieder auf einem anderen Blatt.

Lässt sich denn bereits abschätzen, welche finanziellen Auswirkungen diese Corona-Krise für den Verein haben wird?

Bauer: Fakt ist, dass wir momentan keine Einnahmen haben. Was die Ausgaben betrifft: Wir haben beispielsweise mit unseren Trainern von der Fußball-Abteilung frühzeitig gesprochen. Das hält sich definitiv in Grenzen und stellt dementsprechend auch kein Problem dar. Etwas anders sieht es dagegen in Sachen Sponsoring aus. Wir wollten eigentlich für die kommende Saison ein neues Plakat für die Heimspiele auflegen. Das liegt momentan natürlich komplett auf Eis. Ganz davon abgesehen, dass derzeit ohnehin kein günstiger Zeitpunkt ist, auf Sponsoren zuzugehen, da es denen durch die Krise möglicherweise selbst finanziell nicht besonders gut geht. Aus diesem Grund kann man derzeit noch gar nicht sagen, wie stark uns diese ganze Geschichte finanziell treffen wird.

Welches sind die größten Herausforderungen für Sie als 1. Vorsitzenden des FC Ehekirchen in dieser Zeit?

Bauer: Wenn man an der Spitze eines Vereins steht, sollte man natürlich immer auf dem neuesten Stand beziehungsweise ein „Experte“ sein. Was das Thema Corona betrifft: Da das Ganze doch extrem komplex ist, bräuchten wir eigentlich eine Person, die sich ausschließlich um dieses Thema kümmert und damit befasst, wie sämtliche Vorgaben rechtssicher umzusetzen sind. In einem Verein, der ausschließlich aus „Ehrenamtlichen“ besteht, ist das zweifelsohne eine riesengroße Herausforderung. Am Ende muss aber immer jemand seinen Kopf dafür hinhalten, der dann mit bestem Wissen und Gewissen die entsprechenden Vorgaben innerhalb des Vereins weitergibt. Aber natürlich bleiben stets Restzweifel übrig, ob wirklich alles so stimmt – auch wenn uns selbstverständlich die Gemeinde immer mitnimmt und über den neuesten Stand entsprechend informiert.

Bild: privat

Machen Sie sich bereits für den Fall, dass die derzeit unterbrochene Fußball-Saison 2019/2020 im September wieder beginnen würde, ernsthafte Gedanken oder auch Sorgen?

Bauer: Natürlich denkt man darüber intensiv nach. Sollte die Spielzeit wieder aufgenommen werden, würden die Hygiene-Vorgaben ja trotzdem gelten. Als Veranstalter ist man zum Beispiel in der Verantwortung, dass die Masken-Pflicht und der Mindestabstand eingehalten werden. Aber wie will man das auf einem Fußballplatz machen? Am Eingang kann man zu einem Besucher schon sagen, dass er ohne Maske nicht auf den Sportplatz kommt. Was passiert jedoch, wenn diese Person, die möglicherweise noch ein Förderer des Vereins ist, dann auf dem Gelände seine Maske abnimmt? Letztlich müsste man sie laut Gesetz vom Sportplatz verweisen. Das Gleiche gilt für die Abstandsregelung. Wir haben zwar bei jedem Heimspiel Ordner. Müssen diese dann darauf achten und gegebenenfalls reagieren? Im „Worst Case“ fährt jemand an unserem Gelände vorbei und macht ein Bild, auf dem zu erkennen ist, dass einige Zuschauer näher als 1,5 Meter zusammenstehen. Als Veranstalter bekommen wir dann eine entsprechende Strafe aufgebrummt. Im Grunde bräuchten wir also eine professionelle Security, die mehr als die Einnahmen der Heimspiele durch Eintrittsgelder auffressen würde. Kurzum: Das Ganze ist schon mit großen Herausforderungen und Problemen behaftet, die zweifelsohne nicht so einfach zu lösen sind.

Kürzlich hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) entschieden, die Saison 2020/2021 komplett ausfallen zu lassen, die Spielzeit 2019/2020 im männlichen Jugendbereich abzubrechen beziehungsweise im weiblichen Nachwuchs fortzuführen. Können Sie diese Entscheidungen nachvollziehen?

Bauer: Nehmen wir das Beispiel Mädchen-Mannschaften: Der Verband hat seine Entscheidung für eine Fortsetzung der Saison damit begründet, dass zahlreiche Vereine bei einem Abbruch fürchten, ganze Teams zu verlieren. Dieses Argument leuchtet mir schon ein – aber wie will man das vermitteln? Die einen dürfen, die anderen nicht! Das kann ich nicht ganz nachvollziehen. Auf der anderen Seite muss ich aber auch ehrlich sagen, dass ich eine solche Entscheidung nicht treffen möchte. Aus der zweiten Reihe heraus lässt es sich immer leicht kritisieren und urteilen. Vielleicht sollte man es einfach akzeptieren und nicht immer alles hinterfragen.

Haben Sie als Verein auch die Sorge, dass aufgrund der langen Zwangspause möglicherweise der eine oder andere Jugendspieler wegbricht und sich anderen Sportarten widmet?

Bauer: Dieses Problem ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Da geht es uns – gerade auf den Fußball bezogen – nicht anders wie anderen Sportarten, die momentan auch pausieren müssen. Eine Fußball-Abteilung lebt ja gerade vom Zusammenhalt untereinander. Und wenn man sich dann über einen längeren Zeitraum nicht mehr treffen und sehen kann, ist es durchaus möglich, dass man sich dann Alternativen sucht. Diese Leute danach wieder zurückzugewinnen, ist alles andere als einfach.

Lassen Sie uns zum Abschluss noch in die Zukunft blicken: Denken Sie, dass im Jahr 2020 der Fußball- oder auch Tischtennis-Spielbetrieb nochmals aufgenommen wird?

Bauer: Das glaube ich nicht. In meinen Augen sind diese ganzen Lockerungen sehr früh gekommen, sodass ich eine zweite Welle befürchte. Sollte diese jedoch ausbleiben, müsste man vielleicht schon einmal hinterfragen, ob diese ganzen Maßnahmen eventuell überzogen waren. Das sage ich jetzt ohne einen Vorwurf an die Politiker. Diese mussten in dieser schwierigen Zeit schlichtweg eine Entscheidung treffen, von der man erst hinterher weiß, ob sie richtig war. Im Nachhinein ist man immer schlauer.

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