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Was macht eigentlich...?

18.03.2021

Melanie Hafner: „Bin froh, dass ich jetzt so ein schönes Leben habe“

In der Vergangenheit ein gewohntes Bild: Melanie Hafner in ihrem „Wohnzimmer“, dem Tennisplatz. Schon früh hatte sich angezeichnet, dass die Neuburgerin über ein außergewöhnliches Talent verfügt.
Foto: Georg Hafner

Plus Die Neuburgerin Melanie Hafner (mittlerweile Wabner) hat sich ihren Traum, Profi-Tennisspielerin zu werden, erfüllt. Auf dem Weg nach ganz oben wird sie dann aber durch Verletzungen gestoppt. Heute ist die 34-Jährige verheiratet und arbeitet als Konrektorin

Wenn in Neuburg der Name Melanie Hafner fällt, schießen den meisten Menschen sofort die Begriffe Tennis, Profi, Weltrangliste oder BSV Neuburg in den Kopf. Das ehemalige Ausnahmetalent schaffte es einst in der Weltrangliste unter die Top 500, ehe Verletzungen den Weg nach oben jäh stoppten. Eine Siegerin ist Melanie Wabner, wie sie heute heißt, jedoch allemal: Problemlos schaffte sie den Sprung vom Profisport ins „normale“ Berufsleben. Die 34-Jährige arbeitet mittlerweile als 2. Konrektorin an der Dominik-Brunner-Realschule in Poing.

Frau Wabner, uns ist zu Ohren gekommen, dass Sie einige stressige Tage vor sich haben. Können Sie uns verraten, was der Grund dafür ist?

Melanie Wabner: Ja, das stimmt. Wir haben jetzt in der Tat zwei stressige Wochen vor uns, da uns ein Umzug bevorsteht. Bislang haben wir in Wasserburg in einer Wohnung gelebt, künftig in Schechen bei Rosenheim in einem Haus mit Garten. Da kommt in diesen Tagen sicherlich einiges an Arbeit auf uns zu.

Beruflich sind Sie 2. Konrektorin an der Dominik-Brunner-Realschule in Poing. Wie anspruchsvoll ist momentan der Lehrer-Job in Corona-Zeiten?

Wabner: Er ist definitiv sehr anspruchsvoll beziehungsweise ganz anders als zuvor. Wir haben plötzlich mit Sachen und Menschen zu tun, die wir vorher eigentlich gar nicht kannten. Man ist mit dem Gesundheitsamt in Kontakt, leitet Schreiben von diesem weiter, muss sich um Quarantäne-Maßnahmen kümmern, den Kindern sagen, was sie gerade tun dürfen und was nicht oder auch das Home Schooling organisieren. Durch die Umstellung auf diese digitale Plattform sieht man plötzlich nur noch Kacheln und keine Kinder mehr. Dadurch hat man letztlich auch nicht mehr den Kontakt mit den Schülern, den man eigentlich gewohnt ist.

Stichwort Anspruchsvoll: Was ist schwieriger beziehungsweise anstrengender: Kinder in der Schule oder auf dem Tennisplatz zu unterrichten?

Wabner: Aufgrund der Tatsache, dass Tennis einfach meine große Leidenschaft ist, macht es mir auf dem Tennisplatz noch ein bisschen mehr Spaß. Nichtsdestotrotz bereitet mir aber auch der Job als Lehrer beziehungsweise die tägliche Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen viel Freude. Der größte Unterschied ist sicherlich, dass ich auf dem Tenniscourt nur drei oder vier Kinder habe, während es in einer Schulklasse oftmals 30 sind. Daher ist die Aufgabe in der Schule schon noch etwas anspruchsvoller als beim Tennis.

Können Sie sich eigentlich noch erinnern, wie Sie einst zum Tennis gekommen sind und wer Ihre ersten Trainer waren?

Wabner: Nachdem meine Eltern hobbymäßig Tennis gespielt haben, war ich schon als Baby immer auf dem Tennisplatz dabei und habe anfangs immer am Rand gespielt. Als ich dann vier oder fünf Jahre alt war, wollte ich es unbedingt mal selbst ausprobieren. Mein Papa hat damals eine enorme Geduld bewiesen und mit mir die Bälle stundenlang hin und her geballert – was in erster Linie daran lag, dass es uns beiden ungemein Spaß bereitet hat. Das Schöne daran war, dass mich niemand dazu gezwungen hat, sondern dass es immer von mir selbst kam. Ich wollte einfach spielen, spielen, spielen. Deshalb ging das Ganze auch ziemlich früh los. Darüber hinaus habe ich aber auch diese normale Trainingsgruppen-Phase beim BSV Neuburg mit Tom Rogler oder Christian Graßl mitgemacht. Ich finde es einfach toll, dass dieses Duo auch heute noch – gemeinsam mit meinem Papa – beim BSV weiterhin als Jugendtrainer tätig ist.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie ein außergewöhnliches Talent für den Tennissport besitzen und es richtig weit nach oben gehen könnte?

Wabner: Das ging im Alter von neun Jahren los, als ich die Kreismeisterschaften ohne einen Spielverlust gewonnen habe. Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Das war mein erstes Turnier außerhalb von Neuburg. Ich war auch unglaublich stolz, dass ich dabei gleich ganz oben auf dem Treppchen stand. Die Verantwortlichen haben dann gemeint, dass ich unbedingt zur ’Nordschwäbischen’ fahren müsste, wo ich schließlich auch sämtliche Partien zu meinen Gunsten entscheiden konnte. Bei der anschließenden schwäbischen Meisterschaft waren dann auch die Scouts beziehungsweise Talentsichter da, die mich sofort in den Kader aufgenommen haben, um dort professioneller trainieren zu können. Meine Eltern wussten damals überhaupt nicht, wie ihnen geschieht (lacht). Am Ende war ich dann an den Stützpunkten in Augsburg und Oberhaching.

 Zwei ihrer insgesamt acht deutschen Meistertitel holte Melanie Hafner 1998. Aus diesem Jahr stammt auch dieses Bild.
Foto: Georg Hafner

Im Alter von 16 Jahren haben Sie das Angebot des Bayerischen Tennisverbandes angenommen und sind ins Leistungszentrum nach Oberhaching gezogen. Wie einschneidend war für Sie dieser Schritt hinsichtlich Ihrer weiteren Karriere?

Wabner: Es war insgesamt ein krasser Einschnitt – nicht nur für das Tennis, sondern auch mein „normales“ Leben! Wenn man mit 16 Jahren plötzlich doch ziemlich weit weg von daheim lebt, dann ist das schon eine große Umstellung. Nachdem die dortigen Jungs wie Dieter Kindlmann oder Philipp Kohlschreiber knapp fünf Jahre älter waren, hatte ich mit denen relativ wenig zu tun und war quasi auf mich allein gestellt.

Sie sind mit 16 Jahren nicht nur von daheim aus- beziehungsweise im Leistungszentrum Oberhaching eingezogen, sondern plötzlich auch noch für Turniere quer durch die Welt gereist. Würden Sie sagen, dass Sie durch diese Erfahrungen und Umstände schneller selbstständig und erwachsen geworden sind?

Wabner: Ja, auf jeden Fall. Von diesen Erfahrungen habe ich im „normalen Leben“ beziehungsweise während meines Studiums immens profitiert. Ich bin schon sehr früh selbstständig geworden und habe viel alleine gemacht. Bereits im Alter von 16 Jahren war ich alleine in der Welt unterwegs, um in den verrücktesten Ländern Turniere zu spielen. Dabei musste ich mir selbst Flüge oder Hotels organisieren. Wenn ich heute die 15- oder 16-Jährigen bei uns in der Schule sehe, kann ich mir das gar nicht vorstellen, dass diese alleine nach Mexiko oder Rumänien, wo man während eines Matches Angst haben muss, dass einem die Sporttasche von der Bank geklaut wird, verreisen.

Gab es in all diesen Jahren auch Dinge, die Sie als Jugendliche vermisst haben?

Wabner: Als ich damals als 16-Jährige nach Oberhaching gegangen bin, habe ich eigentlich wenig vermisst, da der Sprung in die Weltspitze mein großes Ziel war. Ich wollte Tennis-Profi werden und hätte dafür auch alles gemacht. Das Einzige, was ich gerade zu Beginn wirklich vermisst habe, war meine Familie. Dementsprechend groß war seinerzeit auch das Heimweh. Geändert hat sich das Ganze dann, als ich 20, 21 Jahre alt war – zu einem Zeitpunkt, als es sportlich nicht mehr so lief und die Verletzungen dazugekommen sind. Da habe ich plötzlich gemerkt, dass ich im privaten Bereich schon gerne viel nachholen würde.

Sie haben acht deutsche Meisterschaften gefeiert und unter anderem am Junior-Fed-Cup sowie Orange Bowl in Key Biscayne (Florida), eines der weltweit wichtigsten Tennis-Jugendturniere, teilgenommen. Wie sind Sie damals mit diesem Erfolg, aber auch dem damit vorhandenen Druck umgegangen?

Wabner: Das Problem bei mir war eigentlich, dass ich mich selbst am meisten unter Druck gesetzt habe. Natürlich waren auch die Erwartungen vom Deutschen Tennis-Bund beziehungsweise Bayerischen Tennis-Verband sehr groß. Aber seitens meines Trainers oder meiner Eltern habe ich überhaupt keinen Druck gespürt. Im Gegenteil, von dieser Seite wurde ich sogar eher gebremst. Wenn ich auf dem Platz gestanden bin, hatte ich persönlich immer Angst, zu versagen und dabei auch im Hinterkopf, dass jede Niederlage auch Geld kostet, das ich anderweitig wieder reinholen muss. Das Ganze hat sich dann auch auf den privaten Bereich übertragen. Als ich zwischen 16 und 19 Jahre alt war, hatte ich ständig die Befürchtung, dass ich mein Fern-Abitur nicht schaffe. Auch wenn ich damals insgesamt relativ cool war, würde ich schon sagen, dass mich dieser ganze Druck sicherlich beeinflusst hat.

Wenn Sie auf Ihre gesamte Karriere blicken: Welches waren für Sie persönlich die absoluten Highlights?

Wabner: Im Grunde war jeder Erfolg beziehungsweise Sieg eine tolle Sache. Aber ich muss schon sagen, dass meine erste deutsche Meisterschaft als Zwölfjährige nochmals etwas ganz Besonderes war, zumal ich als völlig unbeschriebenes Blatt dorthin gefahren bin. Im Vorfeld war ich davon ausgegangen, dass ich vielleicht eine Partie gewinne und anschließend rausfliege. Am Ende habe ich mich dann in jeder Runde ziemlich deutlich durchgesetzt. Darüber hinaus gab es bei diesem Turnier auch noch eine lustige Geschichte.

Verraten Sie uns diese?

Wabner: Mein Opa hat im Vorfeld großzügig angekündigt: „Melly, wenn du bei den Deutschen das Halbfinale erreichst, bekommst du von mir 100 Mark. Für das Finale zahle ich dir 150 Mark und wenn du den Titel holst, dann 500 Mark.“ Kurzum: Er hat mir das niemals zugetraut, dass ich so weit komme. Das habe ich dann während des Turniers überall stolz herumerzählt, sodass jeder wusste: Wenn die Hafner das Turnier gewinnt, bekommt sie 500 Mark. Letztlich hat mein Opa das Geld auch tatsächlich auf den Tisch gelegt (lacht). Solche Geschichten vergisst man einfach nicht. Das sind die schönen Momente. Ansonsten waren aber auch viele andere tolle, emotionale Erlebnisse dabei, die für einen Außenstehenden gar nicht so spektakulär klingen. Was mir beispielsweise sehr viel bedeutet hat, waren die Erfolge und Aufstiege mit Großhesselohe oder Schießgraben Augsburg. Da habe ich gemerkt, wie schön ein Mannschaftssport ist.

Heute arbeitet Melanie Wabner, wie sie mittlerweile heißt, als 2. Konrektorin an der Dominik-Brunner-Realschule in Poing.
Foto: privat

Sie haben das Thema Verletzungen bereits kurz gestreift. Mit dieser Schattenseite des Profisports sind Sie auch ziemlich früh in Kontakt gekommen. Unter anderem hatten Sie immer wieder mit Rückenproblemen zu kämpfen. Wie geht man mit diesen unangenehmen und nervigen Begleiterscheinungen um?

Wabner: Das war in der Tat eine sehr harte Zeit. Wenn du sechs Stunden am Tag trainierst und voll auf die Karte Tennis-Profi setzt, ist es natürlich frustrierend, wenn du vom eigenen Körper ausgebremst wirst. Letztlich bleibt dir nichts anderes übrig, als weiterhin fokussiert zu bleiben und alles dafür zu tun, beispielsweise mit Physiotherapie oder Stabilisationsübungen, damit es hoffentlich wieder besser wird. Das kann man sicher eine gewisse Zeit überbrücken. Nur habe ich dann gemerkt, dass die Probleme immer wieder auftreten. Irgendwann geht das derart auf die Psyche, dass man für sich entscheidet: Bis hierhin und nicht weiter! Beim Profisport ist schlichtweg der Körper dein Kapitel. Und wenn der es nicht mehr packt, muss man es einfach akzeptieren und hinnehmen.

Stellen Sie sich auch heute noch oft die Frage, was wohl in Ihrer Karriere ohne dieses Verletzungspech möglich gewesen wäre?

Wabner: Ja klar. Diese Frage stellt man sich bei jedem Grand Slam-Turnier, das im Fernsehen kommt (lacht). Vor allem wenn man dort eine Andrea Petkovic, Laura Siegemund oder Tatjana Maria sieht, mit denen man ja jahrelang unterwegs war. Da denkt man sich natürlich schon: Was wäre jetzt, wenn ich dort stehen würde? Nachdem ich mir diesbezüglich direkt nach der Beendigung meiner Profi-Laufbahn schon immer wieder Gedanken gemacht habe, kann ich mittlerweile damit ziemlich entspannt umgehen. Auf der einen Seite bin ich dankbar, dass ich sehr viel erleben durfte. Auf der anderen Seite froh, dass ich jetzt ein so schönes und glückliches Leben habe.

Würden Sie heute den Tennis-Profi-Zirkus als schöne und heile Welt oder doch eher als eine Art „Haifischbecken“ bezeichnen?

Wabner: Ich denke, dass es letztlich für alle Profisportler ein Haifischbecken ist. Dass es eine Sportart gibt, in der es ausschließlich eine heile Welt gibt, kann ich mir nicht vorstellen. Im Grunde ist es ein ständiger Kampf beziehungsweise permanentes psychisches Auf und Ab, bei dem man körperlich immer an seine Grenzen oder sogar darüber hinaus geht. Klar, als Außenstehender sieht man normalerweise nur die Grand Slam-Turniere sowie die absoluten Topspieler. Wie diese jedoch überhaupt erst dorthin gekommen sind und auf welchen Turnieren sie zuvor herumkrebsen mussten – daran ist kaum etwas schön. Man schläft da zumeist nicht mal in einem Hotel, sondern in einer Jugendherberge. Das ist wirklich sehr hart.

Welche Rolle spielt denn der Tennissport noch in Ihrem jetzigen Leben?

Wabner: Aufgrund des Lockdowns momentan leider gar keine (lacht). Unmittelbar vor der Corona-Pandemie hatte ich mich im vergangenen Jahr entschieden, dass ich mich jetzt zu den Damen 30 begebe – was für mich schon ein krasser Schritt war (lacht). Eigentlich habe ich immer gesagt: So lange ich bei den Regionalliga-Damen mitspielen kann, werde ich das auch tun. Bis zur letzten Saison war das in Großhesselohe auch noch problemlos der Fall. Ich habe mich dann jedoch entschieden, das Ganze etwas lockerer angehen zu lassen und meinem Körper nicht mehr so viel zuzumuten. Nachdem ich in dieser Zeit auch meinen jetzigen Ehemann kennengelernt habe, wollte ich nicht mehr so viel Zeit ins Tennis investieren. Als dann die Anfrage vom STK Garching, der deutscher Meister werden möchte, kam, ob ich nicht an „Eins“ bei den Damen 30 spielen wolle, hat das für mich sehr gut gepasst.

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