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Schießsport

08.10.2019

Mit der Armbrust mitten ins Schwarze

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Marius Klöckers aus Karlskron ist einer der besten Armbrustschützen der Welt. Bei der WM in Russland lieferte er einen tollen Wettkampf ab und holte sich eine Medaille. Sein Heimatverein ist Eichenlaub Karlskron, er kommt aus einer schießsportbegeisterten Familie.
Bild: Johannes Bahr

Der Karlskroner Marius Klöckers ist Sportschütze und bedient eine besondere Waffe. Was den Reiz ausmacht und warum die Weltmeisterschaft in Russland für ihn ein großer Erfolg war.

Nur noch acht Schützen sind dabei. Was Marius Klöckers jetzt tun muss, weiß er ganz genau, er hat es tausendfach geübt. Mit dem Hebel spannt er die Sehne, lässt sie in den Haken einrasten. Er legt das Projektil in den Lauf, spannt die Fasern in seinem Körper an und wird ganz ruhig. Der 19-Jährige kontrolliert seine Atmung, zielt auf die Scheibe und schießt. Fast so wie im Training. Und doch ist alles anders. Denn für Klöckers geht es gerade um den Sieg, und seine Konkurrenten heißen diesmal nicht Eder oder Distler – sondern Mailkov und Moskovski. Sie alle kämpfen um nichts Geringeres als den WM-Titel. Und Marius Klöckers aus Karlskron ist mittendrin.

Die Armbrust ist die Paradedisziplin

Wenn er sich an den Wettkampf im August zurückerinnert, dann sind die Erinnerungen noch ganz frisch. Denn der 19-Jährige hat zwar schon einige Titel als Sportschütze gesammelt. Und starke Sportschützen gibt es in Bayern viele. Doch um einen WM-Titel zu schießen, das schaffen nur wenige. Und auch eine Waffe, wie Klöckers sie hat, sieht man nur selten. Nicht nur das Luftgewehr beherrscht er: Seine Paradedisziplin ist die Armbrust.

Mit der hatte er sich für die WM in Ulyanovsk qualifiziert, eine Stadt an der Wolga noch einmal gut 1000 Kilometer östlich von Moskau. In der Nachwuchsklasse U23 hatte er sich als Vierter im Vorkampf für das Finale qualifiziert, kein anderer Deutscher hatte es so weit geschafft. Auch im Finale sitzen die Schüsse, es läuft gut. Zwei Gegner sind nicht zu schlagen, doch alle anderen lässt Klöckers hinter sich. Bei der Siegerehrung kurz danach bekommt er die Bronzemedaille. Mit einer Deutschlandfahne feiert er seinen dritten Platz auf dem Siegerpodest.

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Ein Grund zu feiern: Bei der Siegerehrung posiert Marius Klöckers mit einer Deutschlandfahne. Mit der Bronzemedaille kehrte er aus Russland nach Karlskron zurück.
Bild: Thomas Klöckers


Im Alter von zehn Jahren hatte er mit dem Schießsport begonnen, den ersten Versuch mit der Armbrust wagte er mit 14.

Sein jetziger Trainer hatte ihn auf die Idee gebracht. Dabei sei es nicht einfach gewesen, eine Armbrust aufzutreiben – vor allem, da Klöckers diese als Linksschütze mit der linken Hand halten muss. „Es ist schwer, an eine Armbrust ranzukommen, viele werden unter der Hand verkauft“, sagt Klöckers und fügt an: „Je nach Ausstattung liegen die Kosten bei 2500 bis 6000 Euro.“

Klöckers schießt für zwei Vereine

Inzwischen schießt er nicht nur für seinen Heimatverein Eichenlaub Karlskron, sondern auch beim benachbarten Verein Hubertus Pobenhausen, dort aber ausschließlich mit dem Gewehr. „In Pobenhausen kann ich in einer höheren Liga schießen, das ist für mich natürlich auch eine größere Herausforderung“, erklärt er.

Seine Körperhaltung ist die gleiche, egal ob er mit dem Luftgewehr oder der Armbrust schießt. Doch es überrascht nicht, dass es zwischen beiden Waffen Unterschiede gibt. Schneller kann mit dem Gewehr geschossen werden, auch dessen Rückstoß ist schwächer. Doch genau das macht für Klöckers den besonderen Reiz der Schießsportart aus: „Bei der Armbrust rührt sich einfach mehr.“

388 Punkte hatte Klöckers beim Endkampf in Russland erzielt. Und auch wenn zwei sogar noch besser waren als er – sein Ergebnis ist nahe dran, perfekt zu sein. Denn maximal hätte er 400 Punkte erzielen können. Die setzen sich aus 40 Schüssen auf zehn Ringe auf der Zielscheibe zusammen. Klöckers ist deshalb stolz auf sein Ergebnis, aber dennoch davon überzeugt, sich vor allem im Finale noch verbessern zu können. Wobei „das dann mit der Erfahrung kommt“, wie er sich sicher ist.

Sport hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen

Eineinhalb Stunden haben die Schützen für den Wettkampf Zeit. Je nach Technik sind manche auch schneller fertig, Klöckers benötigt durchschnittlich 45 Minuten. Die Größe der Scheiben, die auf eine Distanz von zehn oder 30 Meter getroffen werden müssen, ist identisch zum Wettkampf mit dem Luftgewehr. Deutschland stellte neben Russland die meisten Teilnehmer, insgesamt gab es in den drei Disziplinen jeweils über 60 Schützen. Der Flug und das Hotel wurden vom Deutschen Schützenverband bezahlt, für Verpflegung und die Kosten vor Ort mussten die Teilnehmer allerdings selbst aufkommen. Zwar gebe es Sponsoren, diese seien aber nicht so präsent wie in anderen Sportarten. Klöckers erzählt, dass sein Sport mit vielen Vorurteilen zu kämpfen habe, in seinen Augen vertreten einige eine negative Einstellung zum Schießsport. Auch auf Olympia kann sich Klöckers keine Hoffnungen machen. Armbrustschießen ist keine olympische Disziplin.

Wieder zu Hause angekommen durfte Klöckers sich in das Goldene Buch der Gemeinde eintragen und erhielt von Bürgermeister Stefan Kumpf ein Preisgeld. Seine Begeisterung für den Sport spiegelt sich in der Familie wider, jeder kann mit dem Luftgewehr umgehen. Auch seine jüngere Schwester Marina schießt leidenschaftlich. Für die Armbrust ist sie zwar noch zu jung, Interesse hat ihr Bruder aber dennoch geweckt: „Ich werde es sicherlich mal ausprobieren“, sagt sie.

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