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02.03.2017

Baulärm raubt Anwohnern den Schlaf

Die Baustelle am Wemdinger Tunnel aus der Luft, fotografiert mithilfe einer Drohne. Der Lärm hält die Anwohner wach. Dieses Wochenende wird nachts nicht gearbeitet, danach aber bis zum 14. März.
Bild: Peter Hueber/Foto- und Medientechnik Finck

Auf der Großbaustelle am Wemdinger Tunnel wird auch nachts gearbeitet. Für manche Nördlinger ist die Lautstärke unerträglich.

Nördlingen Eine Stunde Schlaf in der Nacht reicht nicht für einen vollen Arbeitstag. Doch Thomas Langer kam in den vergangenen Tagen kaum mehr zur Ruhe. „Da ist immer dieses schlagende Geräusch, es hört sich so an, als ob Eisen auf Eisen trifft.“ Langer wohnt am Hohen Weg, unweit der Nördlinger Großbaustelle Wemdinger Tunnel. Wie berichtet, wird der in den nächsten Monaten saniert. Und gearbeitet wird derzeit nicht nur tagsüber, sondern auch nachts. Für Anwohner Langer ein unerträglicher Zustand, nicht nur wegen der Lautstärke: „Man spürt die Erschütterungen in der gesamten Wohnung.“ Am vergangenen Montag habe ihn seine Chefin schon gefragt: „Wie siehst Du denn aus?“ Völlig gerädert sei er mittlerweile.

Langer ist nicht der Einzige, den der Baulärm wachhält, auch andere Leser haben sich bereits an die Rieser Nachrichten gewandt. Dass die Lautstärke intensiv werden würde, darüber hatte die Deutsche Bahn die Anwohner bereits im Voraus informiert. Das entsprechende Schreiben liegt unserer Redaktion vor. Darin heißt es: „Wir sind bemüht, die von den Bauarbeiten ausgehenden Störungen so gering wie möglich zu halten. Trotzdem lassen sich Beeinträchtigungen und Veränderungen im Bauablauf nicht gänzlich ausschließen.“ Wer es zu Hause nicht mehr aushält, dem bietet die Bahn unter gewissen Voraussetzungen eine Entschädigung an. Wer tagsüber mehr als 70 und nachts mehr als 60 Dezibel erdulden muss, kann unter Umständen in ein Hotel oder eine Pension ausweichen. Nur zum Vergleich: Eine laufende Nähmaschine ist etwa 60 Dezibel laut, ein Staubsauger kann es auf 70 Dezibel bringen. Anton Knapp, Sprecher der Deutschen Bahn aus München, teilt mit: Die Bahn zahle den gemäß eines vorab erstellten Schallschutzgutachtens betroffenen Anwohnern auf Nachweis einen Betrag von bis zu 40 Euro pro Übernachtung. Die betroffenen Nördlinger seien vorab benachrichtig worden.

Derzeit werde die Baugrube mit einer Bohrpfahlwand umschlossen, dafür arbeite man mit zwei Großbohrgeräten. Außerdem werde an den Gleisen gearbeitet, sagt Knapp, tagsüber stelle man zudem Spundwände für die Grundwasserwanne her. Warum Anwohner Langer hört, dass Eisen auf Eisen trifft, erklärt der Bahnsprecher so: „Die lauten Geräusche entstehen, wenn die Bohrschnecken aus den Bohrlöchern gehoben und neben dem Bohrloch geleert werden. Tagsüber können ähnliche Geräusche auch entstehen, wenn die Spundbohlen in den Boden eingebracht werden.“ Die Bohrpfähle könne man nur nachts einbringen, weil die Gleise während der Arbeiten zurückgebaut werden müssten – und somit keine Züge fahren könnten.

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Die Anwohner müssen sich auf weitere laute Nächte einstellen: Bis zum kommenden Freitag, 3. März, etwa vier Uhr, werde noch gearbeitet, so Knapp. Danach starten die Nachtarbeiten wieder zwischen Montag und Dienstag und enden laut dem Bahn-Sprecher voraussichtlich am 14. März um vier Uhr.

Auch Uli Wenger, der unweit der Stadtmauer wohnt, ist vom Lärm betroffen. Schlafen könne er derzeit nur mit geschlossenem Fenster und mit Ohrstöpseln. „Das ist sehr unangenehm.“ Gerade durch den leeren Parkplatz unweit seines Wohnhauses werde es nachts sehr laut. Wenger hat mit dem zuständigen Ingenieur gesprochen, auch er bekam die Info, dass er in ein Hotel umziehen könne, wenn er es nicht mehr aushalte. Doch der Nördlinger meint: „Das ist temporär, da müssen wir jetzt durch.“ Schließlich sei man ja auch froh, wenn der Tunnel saniert sei: „Vielleicht werden wir dann ja zu einem ordentlichen Richtfest eingeladen, so eine echte Tunnelparty.“

Oberbürgermeister Hermann Faul wird derzeit vom zweiten Bürgermeister Markus Landenberger-Schneider vertreten. Der hat Verständnis für die Anwohner: „Da wird man verrückt, wenn es ständig Lärm gibt.“ Den mindere auch die Entschädigung nicht: „Die Anwohner tun mir leid.“

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