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Natur

21.10.2019

Der Stiftungswald als CO2-Speicher

Am Steilhang zeigte der Vollernter, wie er in kurzer Zeit eine Holzmenge fällt.
Bild: Ronald Hummel

Die Stadt Nördlingen besitzt Wald. Vor Ort erklären Experten, wie sich der Klimawandel im Ries bereits auswirkt

Beim Waldbegang in der Nähe von Ederheim haben Stadträte, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Ehrengäste konkrete Zahlen zum großen Thema Klimawandel erfahren. Rainer Deuschel, Leiter des Bopfinger Forstamts, rechnete vor, dass ein Festmeter Holz eine knappe Tonne CO2 speichere. 1000 Kilometer Wegstrecke kosteten mit dem Bus im Schnitt pro Passagier 30 Kilo CO2, mit der Bahn 45, mit dem Auto 142 und mit dem Flieger 240 Kilo. Im Holz des gesamten Nördlinger Stiftungswaldes stecken Deuschel zufolge 460000 Tonnen CO2 - so viel, wie die Einwohner Nördlingens in zwei Jahren verbrauchen. Entscheidend ist das Wachstum, wodurch zusätzlich so viel CO2 aufgenommen wird, wie 1100 Menschen im Jahresverlauf verbrauchen.

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Förster Sven Schmidt zeigte in der Abteilung „Steigle“ an vertrockneten Buchenkronen die bereits sichtbaren Folgen der Klimaerwärmung. Für diesen Bestand sei es vom ökologischen Konto her am besten, ihn sich selbst zu überlassen – stehendes Totholz bilde viel neuen Lebensraum in Form von Höhlen für Vögel. Liegendes Totholz dagegen biete unter anderem dem seltenen Einsiedler-Käfer eine Existenzgrundlage und verbessere durch die Humusbildung den kargen Karstboden.

Förster Horst Ferner stellte fest, dass der Wald und seine Bewirtschaftung sich künftig ändern werden – im Falle der Buchen gelte es, Bäume nicht mehr in ein anfälliges hohes Alter kommen zu lassen, dafür aber eine größere Anzahl nachwachsen zu lassen. Deuschel unterstrich, dass es künftig auf eine breite Durchmischung ankomme, um klimaresistente Sorten dabeizuhaben. So halten exotische Bäume wie die Esskastanie zwar mehrere Hitzewellen im Jahr gut aus (heuer waren es drei), sind aber empfindlich gegen Kälte.

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Thomas Wiech vom Forstlichen Planungsbüro Freiburg führte vor, wie der Waldbestand mit moderner Messtechnik erfasst wird: Er teilt den Stiftungswald gerade in 700 je 100 mal 200 Meter große Areale ein. Den Mittelpunkt markiert er jeweils mit einem Metallpunkt, um den herum er eine Stichproben-Erhebung macht: In zwei Meter Umkreis registriert er Verjüngung und Totholz, in einem Umfeld von zwölf Metern misst er Umfang und Höhe der Bäume, alles wird bei der Messung automatisch registriert. Alle zehn Jahre werden die Werte von den Messpunkten aus nachgemessen und das so ermittelte Wachstum von den Stichproben für den gesamten Wald hochgerechnet. Erfahrungsgemäß erhält man so sehr verlässliche Gesamtwerte des „Holzvorrats-Aufkommens“ als Grundlagen für die Erstellung von Zehn-Jahres-Planungen für die Beforstung, woraus die Forstämter dann jeweils konkrete Einjahrespläne ableiten.

Florian Kaufmann von der Firma Schwarz aus Hürnheim erläuterte in der Waldabteilung „Gießregen“ am Steilhang den Einsatz eines Baum-Vollernters. Im Minutentakt umklammerte die Maschine mit dem Zehn-Meter-Greifarm die Stämme, sägte sie ab und ließ sie durch eine Entastungs- und Schälanlage direkt im Greifarm laufen. In einer Viertelstunde schaffte das Gerät drei bis vier Festmeter. Drei Arbeiter hätten mit der Motorsäge etwa zwei Stunden für diese Menge gebraucht; abgesehen davon hätte man sie am Steilhang kaum einsetzen können. Ein Stück weiter wartete ein Rückezug in ähnlicher Dimension, der die Stämme aus dem Gelände holte und am Wegrand zum Abtransport bereit stapelte.

In dem Bestand, den diese Maschinen durchforsteten, braucht nun zehn Jahre lang kein Holz mehr geschlagen zu werden.

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