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Forheim

08.08.2020

Forheims Bürgermeister Bruckmeier: „Der Windpark kann noch kommen“

Forheims neuer Bürgermeister Andreas Bruckmeier steht einem Windpark aufgeschlossen gegenüber, will aber die Bürger beteiligen.
Bild: Jochen Aumann

Plus Der neue Forheimer Bürgermeister Andreas Bruckmeier blickt zurück auf seine ersten 100 Tage im Amt. Wie der Stand bei den Vorhaben der Gemeinde ist.

Herr Bruckmeier, Ihr Amtsantritt fiel in eine ungewöhnliche Zeit. Wie waren die ersten 100 Tage als neuer Bürgermeister Forheims?

Andreas Bruckmeier: Die Corona-Krise hat den Kontakt zu den Bürgern etwas eingeschränkt. Was in einer kleinen Gemeinde fehlt, sind die kleinen Vereinsfeste, bei denen man sich sonst mit den Bürgern austauschen kann. Einige kommen zu mir ins Rathaus, doch ich bin auch froh, wenn ich wieder Kontakt zu allen anderen halten kann.

Sie saßen bereits 24 Jahre im Gemeinderat, waren sechs Jahre Zweiter Bürgermeister. Hat Sie trotzdem etwas überrascht am neuen Amt?

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Bruckmeier: Es ist so, wie ich mir es vorgestellt habe. Es hängt viel dran, die Amtsgeschäfte sind aber auch geprägt von vielen Kleinigkeiten.

Die Ortsteile Forheim und Aufhausen sind zu gleichen Teilen im Gemeinderat vertreten. Sie als Aufhausener erhielten auch im anderen Teil der Gemeinde ein hohes Wahlergebnis. Hat sich Ihre Erwartung bestätigt, dass die Gemeinde zusammenwächst?

Bruckmeier: Der Lokalpatriotismus ist bei uns stark verankert, insofern war das Wahlergebnis schon überraschend und ein schönes Signal. Letztendlich war es aber immer ein gutes Miteinander. Eine Kampfabstimmung Forheim gegen Aufhausen hat es in meiner Zeit im Gemeinderat nie gegeben.

Manche Projekte haben Sie vom Vorgänger geerbt, die Erschließung der Bauplätze in beiden Ortsteilen etwa. Wie ist da der Stand?

Bruckmeier: In Forheim gab es Einwände vom Naturschutz. Im entsprechenden Gebiet kommt die Feldlerche vor, deshalb suche ich derzeit neue Ausgleichsflächen. Die Gemeinde verfügt über Flächen, die infrage kommen und deren Pachtverträge wir beenden können. Ich führe gerade Gespräche mit den Pächtern, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Wir wollen im Zeitplan bleiben und im Herbst einen Teil der Erschließung ausschreiben. Im Herbst 2021 könnte dann auf den Grundstücken gebaut werden. In Aufhausen wollen wir aktuell noch nicht erschließen. Ein weiteres Projekt ist der Kanal- und Straßenbau in der Bollstädter Straße in Aufhausen. Dort haben wir vergangene Woche eine Förderzusage für den Straßenbau erhalten. Der Kanalbau soll im nächsten Frühjahr beginnen.

Kürzlich hat sich der Gemeinderat entschieden, ein Gewerbegebiet im Osten statt im Norden Forheims zu schaffen. Ein Unternehmer hatte angekündigt, die Gemeinde in diesem Fall zu verlassen. Bleibt es dabei?

Bruckmeier: Es scheint dabei zu bleiben. Wir hätten uns über die Bedenken des Emissionsschutzes und einiger Anwohner hinwegsetzen können. Die lauteten: Man erschließt kein Industriegebiet über ein Wohngebiet. Aber weil wir eine Alternative nur einen Steinwurf entfernt hatten, haben wir uns einstimmig nach langer Diskussion für diese entschieden.

Ein geplanter Windpark bei Forheim, der zwischenzeitlich gestoppt war, hat in der Gemeinde große Diskussionen verursacht. Wie geht es damit weiter?

Bruckmeier: Der Windpark kann noch kommen. Seit ich im Amt bin, hat erst ein Abstimmungstermin mit den Projektierern stattgefunden. Es gibt nach wie vor Interesse am Standort. Problem ist noch immer der Naturschutz, das Vorkommen des Rotmilans. Weil ein neuer Standort nicht feststeht, will der Projektierer noch nicht an die Öffentlichkeit gehen. Bislang war der Standort 1100 Meter von Kösingen, gut 1000 Meter von Schweindorf und knapp zwei Kilometer von Forheim entfernt. Nun soll er etwas näher an unsere Gemeinde rücken. Deshalb halte ich ein Bürgerbeteiligung für notwendig. Sonst kann ein Riss durchs Dorf gehen.

Wie soll die konkret aussehen – und wie stehen Sie selbst zu dem Vorhaben?

Bruckmeier: Ich stehe dem Windpark aufgeschlossen gegenüber, nehme aber auch die Bürger sehr ernst. Als ich im Wahlkampf von Haus zu Haus gezogen bin, haben einige Forheimer Sorgen geäußert. Ich könnte mir einen kommunalen Bürgerentscheid vorstellen, wenn er rechtlich zulässig ist. Sinnvoll wäre es, nur die Forheimer abstimmen zu lassen, wenn es geht. Die Aufhausener sind aufgrund der Entfernung quasi nicht davon betroffen. Das werden wir klären, wenn die Projektierer einen konkreten Plan vorlegen. Ich werde sie in die Pflicht nehmen, die Bürger vor Ort ausführlich über ihr Vorhaben zu informieren.

Wie viele Windräder sind geplant?

Bruckmeier: Drei. Einzelne baut heute niemand mehr.

Auch Ihre Vergütung als ehrenamtlicher Bürgermeister war ein Thema im Rat. Sie hatten angekündigt, beruflich kürzer zu treten. Haben Sie das getan?

Bruckmeier: Das habe ich sofort gemacht. Ich arbeite jetzt noch zweimal fünf Stunden pro Woche im Bürgerservice des Landratsamts in Nördlingen, habe also noch eine Viertelstelle. In dieser Kombination müsste es gehen. Meine Vergütung als Bürgermeister haben wir per Ratsbeschluss belassen wie bei meinem Vorgänger. Das finde ich angemessen.

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