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Maihingen

03.04.2021

Maihinger Firma: Der Jüngste ist der Chef

Firmenchef Michael Kotz mit seinem Vater Albert vor dem Firmensitz des Unternehmens in Maihingen.
Foto: Martina Nagler

Plus Michael Kotz hat den Elektrobetrieb seines Vaters Albert in Maihingen übernommen. Er sagt: Die Menschen entsorgen ihre Elektrogeräte oft zu schnell.

Die Geschichte beginnt mit dem Uropa von Michael Kotz. Der war eigentlich Bäcker, doch dann bekam Xaver Ziegelmeyer eine Mehlstauballergie. Vorbei war es mit Brezen und Semmeln, der Rieser musste sich eine neue Arbeit suchen. Ziegelmeyer wandte sich einem damals noch recht jungen Handwerk zu und machte den Elektromeister, 1924 gründete er in Maihingen sein eigenes Geschäft. Fast 100 Jahre später besteht das immer noch und wird seit dem 1. Januar von Michael Kotz geführt.

Auch der Urenkel des Firmengründers hat zunächst einen anderen Beruf gelernt – Michael Kotz ist Heizungsbauer. Doch mit 18 Jahren hängte er eine zweite Ausbildung zum Elektriker im elterlichen Betrieb dran. Immer habe ihr Bruder gesagt, er könne es sich vorstellen, das Unternehmen eines Tages zu leiten, berichtet Martina Nagler. Im vergangenen Jahr ging es dann ganz schnell, denn leider wurde Vater Albert Kotz schwer krank. Sohn Michael musste nicht nur die Verantwortung für den Betrieb übernehmen, sondern auch seinen Meister machen. Zu den langen Tagen im Betrieb kam die Meisterschule am Freitag und am Samstag, der 25-Jährige sagt: „Und am Sonntag haben wir uns noch bis 12 oder 13 Uhr bei mir im Büro zum Lernen getroffen.“ Auch die Fahrt zur Meisterschule in Augsburg hätten er und seine Mitschüler stets genutzt und seien die Karteikarten durchgegangen. Im August 2020 war die Prüfung schließlich geschafft und seit dem 1. Januar ist der Jüngste in der Familie der Chef.

Die ganze Familie arbeitet im Betrieb mit

Und zwar nicht nur von Vater Albert – dem es mittlerweile glücklicherweise wieder gut geht. Auch Mama Sieglinde und Bruder Gerhard arbeiten im Betrieb mit. Schwester Martina Nagler hilft auf 450-Euro-Basis im Büro aus. Dass ihr zehn Jahre jüngerer Bruder jetzt das Sagen hat, sei kein Problem, betont sie: „Wir sagen uns schon unsere Meinung.“ Allerdings gehe es selbst beim Mittagessen in der Familie meist um die Firma. Lediglich der Fünfte im Bunde, Bruder Stefan, arbeitet nicht beim Elektrobetrieb – er ist Bäcker- und Konditormeister beim Unternehmen Häussler in Heiligkreuztal. Doch damit sei ja auch die Familientradition gewahrt, meinen Martina Nagler und Michael Kotz mit einem Augenzwinkern und verweisen auf Uropa Ziegelmeyer.

Dem 25-jährigen Firmenchef macht sein „neuer“ Job sichtlich Spaß. Kein Tag sei wie der andere, sagt er. Und meist laufe es anders, als geplant – etwa an jenem Dienstag. Eigentlich habe er sich ja vorgenommen, alles zu erledigen, was im Büro angefallen ist. Doch dann kam ein Anruf aus einem Kindergarten, der Boiler war kaputt – der Firmenchef fuhr hin und reparierte ihn. Fast immer sei es dringend, wenn ein Kunde anrufe, meint Martina Nagler und schmunzelt. Sogar am Sonntag klingle das Telefon, etwa weil bei jemandem der Fernseher nicht mehr funktioniere.

Den reparieren Michael Kotz und seine Kollegen – genauso wie Wasch- oder Spülmaschinen. Meist hätten die Geräte ja nur einen kleinen Fehler, sagt der 25-Jährige, und der sei in der Regel auch schnell behoben. Die Menschen würden ihre Elektrogeräte oft zu schnell entsorgen, meint er. Früher habe das Unternehmen noch fünf bis sechs Mitarbeiter in der Werkstatt beschäftigt, die hätten beispielsweise an ein Bügeleisen ein neues Kabel angebracht. Wenn man gute Qualität kaufe, dann lohne sich auch heute noch die Reparatur eines Großgeräts, betont Michael Kotz.

Tage sind in der Regel sehr lang

Dass er jetzt der Chef sei, habe durchaus auch Vorteile. So könne er sich seine Zeit besser einteilen und auch mal kurz zu einer Geburtstagsparty verschwinden, meint Michael Kotz und lächelt. Allerdings seien die Tage in der Regel auch sehr lang, sie beginnen um 7 Uhr und enden nicht vor 20, 21 Uhr. In der Region habe es sich übrigens noch nicht so herumgesprochen, dass er jetzt der Chef sei, meint Michael Kotz. Da komme schon mal die Reaktion „Das glaube ich nicht“, wenn er sich als Leiter des Unternehmens vorstelle.

Dabei müssten zumindest die Maihinger eigentlich bemerkt haben, dass sich an der Spitze von Elektro Kotz etwas getan hat. Denn Opa Albert hat jetzt doch etwas öfter Zeit, um mit seinen Enkelinnen Luisa, Hanna und Isabell einen Spaziergang zu machen.

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