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RN-Serie

15.06.2018

RN-Serie: Die Waldschänke bei Harburg

Eine Postkarte aus den 1970er Jahren zeigt augenfällig die Lokalitäten und das Umfeld der Waldschänke im Eisbrunn bei Harburg.
Bild: Hilde Hartmann

Einst zog das Waldgebiet „Eisbrunn“ viele Ausflügler an, weil es dort exotische Bäume zu bestaunen gab. Deshalb wurde dort eine kleine Gaststube eingerichtet.

Als „Urleißbrunnen“ bezeichnete man um 1600 das zwischen Mönchsdeggingen und Harburg gelegene Waldstück, in dem sich heute das Ausflugslokal Eisbrunn findet. Mit Urleiß wurde ein Wald bezeichnet, in den Weidevieh getrieben wurde, um das Futter daheim zu strecken. Wenn dann auch noch eine Quelle, ein Brunnen, in der Nähe war, konnte das nur nützlich sein.

Das 31 Hektar große Waldgebiet „Eisbrunn“ wurde seit 1819 vom Forstamt Harburg verwaltet, dem der Forstmeister Johannes Gottfried Mayer von 1819 bis 65 vorstand. Er gilt auch als Begründer dieser forstbotanischen Anlage. Ein Gedenkstein für ihn steht neben der Gastwirtschaft. 1832 wurde der „Eisbrunn“ dem neu eingerichteten Revier Deggingen zugeordnet und 1834 begonnen, moderne Waldbewirtschaftung einzuführen. Mayer baute nach den Plänen von Heinrich Cotta, Professors an der königlichen Forstakademie in Dresden, den hier vorherrschenden Mittelwald in Teilen in einen Hochwald um. Ab 1860 erweiterte er seine Pflanzen um ausländische Laub- und Nadelhölzer. Die Grünflächen schmückten Krokusse, Tulpen und Ziersträucher; Rosenrabatten säumten die Kieswege und beim Blockhaus wurde ein Alpinum angelegt. Exoten wie Tulpenbäume, Douglastannen und Eiben konnten fortan bewundert werden.

Der „Eisbrunn“ wurde berühmt und Ziel von Exkursionen aus Bayern und Württemberg. Diese Gäste wollten anschließend einkehren. So wurde in der Forsthütte eine kleine Gaststube eingerichtet. Auch die Jäger, Besucher und Teilnehmer an diversen Schießveranstaltungen konnten dort mit Getränken aus dem angelegten Bierkeller versorgt werden. Nach dem Tod von Mayer im Jahr 1866 übernahm sein Sohn Karl Ferdinand Mayer vom nahen Mönchsdeggingen aus den „Eisbrunn“. Ab 1871 durften auch Speisen gereicht werden und ein Jahr später wurde die hölzerne Bierhalle erneuert und als erster Pächter der Wirt von Schaffhausen für den Sonn- und Feiertagsbetrieb unentgeltlich verpflichtet.

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Anfang des 20. Jahrhunderts betrieb Balthasar Kucher, der auf dem „Eisbrunn“ Förster war, gleichzeitig auch die Gaststätte, die im Laufe der Zeit immer mehr Tagesgäste anzog. Am Hubertustag (3. November) 1936 wurde ein von Eugen Fürst zu Oettingen-Wallerstein ganz in der Nähe am Weg gestifteter Bildstock als Ehrenmal für Jäger und Forstleute feierlich eingeweiht. Der Nördlinger Künstler Rudolf Mußgnug hatte die alte Legende mit dem Hirsch mit Kreuz zwischen den Geweihstangen in die Rieser Landschaft gemalt, dazu das Wappen des Hauses Oettingen-Wallerstein. Hier wurde nach jeder Treibjagd das erlegte Wild aufgelegt und des Jagderfolgs gedacht, denn der Heilige Hubertus gilt auch im Ries als Schutzpatron der Jäger und Schützenvereine. Anschließend ging man zum „Schüsseltreiben“ mit Schlachtschüssel, Sauerkraut und Bier in die nahe Waldschänke.

1957 musste die Waldgaststätte grundlegend erneuert werden und bekam mit Otto Tengler bis 1972 einen festen Pächter. Seine Frau Hilda kochte und die fünf Kinder halfen mit, so gut es ging. Die Freiluftsaison wurde in der „Fürstlichen Waldschenke Eisbrunn“ meistens am 1. Mai eröffnet und bis in den Herbst betrieben. Für die Wintermonate stand nun eine größere Gaststube bereit, wenn sich halb erfrorene Wanderer oder klamme Waldarbeiter bei einem Getränk aufwärmen wollten.

Inzwischen standen zwei weitere große Renovierungen an. Es gibt jetzt auch genügend Parkplätze, einen großen Biergarten und mit einer modernen Küche und einem angebauten Saal können auch größere Gruppen ganzjährig festlich bewirtet werden.

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