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Nördlingen

13.01.2021

Rieser Eltern klagen über haarsträubende Bedingungen im Distanzunterricht

Gute Laune, voller Tisch: Die Kinder der Nördlingerin Sabrina Greiner im Distanzunterricht.
Bild: Sabrina Greiner

Plus Nun also Distanzunterricht, wieder einmal. Rieser Eltern berichten von überlasteten Servern, Homeschooling mit sechs Geschwistern und unterrichtsfernen Geräuschen aus dem Kinderzimmer.

Armin Sailer kennt die Grenzen des Distanzunterrichts genau. Er hat sieben Kinder, drei davon im schulpflichtigen Alter, alle seit Montag im Distanzunterricht. Das heißt auch: drei internetfähige Geräte, stundenlange Videoanrufe und digitales Arbeiten. „Das mit der Datenübertragung haut bei uns auf dem Land nicht besonders gut hin“, sagt der Oettinger. Es fehle ein Breitband-Internetzugang. Kind Nummer drei, fünfte Klasse, Mittelschule Oettingen, musste deshalb unlängst in die Notbetreuung ausweichen. Wie Armin Sailer geht es aktuell vielen Eltern. Ein Küchentisch voller Arbeitsblätter, überlastete Schulserver und ständige Rufbereitschaft: Der Distanzunterricht stellt die Betroffenen immer wieder vor logistische Herausforderungen. Und er zerrt an den Nerven.

Am Mittwoch liegt der Sieben-Tage-Inzidenzwert laut RKI im Landkreis Donau-Ries bei 214,4, Warnstufe dunkelrot, und das seit Tagen. Die Infektionszahlen im Kreis wie im ganzen Land sind nach wie vor hoch. Seit Montag gibt es deshalb an den Schulen in Bayern Distanzunterricht – wieder einmal. Die Schüler aller Jahrgangsstufen werden vorerst bis zum 29. Januar zu Hause unterrichtet.

Distanzunterricht bedeutet auch: ein Küchentisch voller Arbeitsplätze

Neu ist das Szenario für Lehrer, Eltern und Schüler nicht. Die Belastung ist es auch nicht. Die Mittelschule in Oettingen, sagt Sailer, sei für den Distanzunterricht „sehr gut ausgestattet“. Ab der fünften Klasse würden dort bei Bedarf iPads an Schüler verliehen, die Stadt Oettingen habe außerdem einen Anwendungsbetreuer beauftragt, der etwa Router und Drucker einrichtet. „Die Schule ist bemüht, das Bestmögliche aus der Situation zu machen“, sagt Sailer. In mancher Hinsicht reicht das aber nicht.

Für viele Eltern bedeutet Distanzunterricht auch: ein Küchentisch voller Arbeitsblätter, Kompromisse im Job und unaufmerksame Sprösslinge. Davon kann auch Alexander Lumper berichten. Er ist im Elternbeirat des Nördlinger Theodor-Heuss-Gymnasiums, sein Sohn besucht dort eine sechste Klasse. „Aus seinem Zimmer hört man schon ab und an unterrichtsferne Geräusche“, sagt Lumper und lacht. Der Distanzunterricht, sagt der Vater, funktioniere grundsätzlich „ganz gut.“ Anfangs, am Montag, habe es jedoch Schwierigkeiten gegeben. „Die Schulserver waren überlastet, weil alle Klassen um 7.30 Uhr Videokonferenzen gestartet haben.“ Deshalb starten die Klassen seit Dienstag zeitlich gestaffelt in ihre Besprechungen.

Eltern hoffen, dass die Impfkampagne bald Wirkung zeigt

Lumper hofft – und ist damit wohl nicht alleine – dass die Impfkampagne bald Wirkung zeigt, sagt: „Es ist mein Wunsch, dass die Kinder wieder in die Schule gehen können, dorthin, wo sie auch hingehören.“

Die Nachricht, dass ab dem 11. Januar aus der Distanz unterrichtet wird, habe die Eltern zu spät erreicht, wie der Oettinger Armin Sailer sagt. Das Kultusministerium habe erst vier Tage vor Beginn über die neue Situation informiert. „Es kann nicht sein, dass die Leute so hängen gelassen werden.“ Die Schulen, resümieren die Eltern unisono, würden jedoch transparent und schnell kommunizieren.

Wie belastend der Unterricht auf Distanz für Eltern ist, hängt auch vom Alter ihres Nachwuchses ab. Sabrina Greiner hat drei Kinder, eines davon besucht die Grundschule Mitte in Nördlingen. Jeden Tag versorgen die Lehrer dort ihre Schüler mit Arbeitsaufträgen und Erklärvideos. „Alle sind sehr bemüht, machen einen großartigen Job“, sagt die Mutter, die auch Vorsitzende des Elternbeirats ist. Und dennoch: Greiner ist bei Fragen ihres Kindes immer in Rufbereitschaft. „Ich komme zu kaum etwas anderem“, sagt sie. Was sie und die anderen Eltern eint, ist der Wunsch, dass die Schulen bald wieder öffnen können. Natürlich unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen.

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