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Donau-Ries

02.08.2015

Seit 20 Jahren gibt der Mord an zwei Frauen der Polizei Rätsel auf

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Das Grab der beiden Opfer auf dem Oettinger Friedhof. Noch heute kommen ab und zu Bürger und zünden dort Kerzen an. Ein Ehepaar pflegt das Grab ehrenamtlich.
Bild: Jan Kandzora

Vor 20 Jahren fanden Pilzsammler die Leichen zweier Frauen im Ries. Der Mord ist bis heute ungeklärt. Warum die Polizei trotzdem hofft, die Täter noch zu fassen.

Ermittler hoffen auf neue Hinweise

Denn die Ermittler hegen eine weitere Hoffnung: Dass sich, nach all den Jahren, vielleicht noch jemand meldet, der neue, entscheidende Hinweise liefert. Jemand, der etwas weiß. Es sei unglaublich, welche Verbrechen auf diese Art noch nach fast 30 Jahren aufgeklärt würden, sagt Duderstadt. Doch er weist auch darauf hin, dass Erinnerungen im Laufe der Zeit natürlich verblassen, dass es das tendenziell schwieriger mache, den Fall zu lösen. Dennoch: Als zwischen 2009 und 2011 neue Ermittlungen anliefen, als der Doppelmord innerhalb von eineinhalb Jahren gleich zwei Mal Thema der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ war, kamen 67 neue Hinweise zusammen. Der Doppelmord ist in der Bevölkerung bis heute nicht vergessen.

Das Grab der beiden Opfer befindet sich auf dem Oettinger Friedhof, es ist gepflegt und sticht heraus, weil keine Namen auf dem kreisrunden Stein gemeißelt sind, nur ein Spruch: „Die hier ruhen, sind einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen.“ Ein Ehepaar aus der Stadt, beide im Rentenalter, pflegt das Grab, seit Jahren schon, ehrenamtlich. Die beiden machen keine große Sache daraus, ihren Namen wollen sie auch nicht in der Zeitung lesen, aber zu einem Treffen auf dem Friedhof erklären sie sich bereit. Im Sommer sind sie ohnehin jeden dritten Tag am Grab, gießen die Blumen oder rupfen Unkraut. „Wenn so etwas Schreckliches passiert, muss man sich kümmern“, sagt die Frau. Und ihr Mann erwähnt, dass manchmal Leute vorbeikommen und eine Kerze anzünden. „Das Thema geht den Menschen nahe“, sagt er.

Auch ihm selbst geht es nahe, das spürt man, wenn er darüber spricht. Kein Wunder. Ein oder mehrere Mörder, die vielleicht noch in der Region leben, und es mit ihrem Gewissen vereinbaren können, zwei Menschenleben ausgelöscht zu haben und seit Jahrzehnten darüber zu schweigen. Zwei junge Frauen, die ermordet wurden, und von denen man nicht einmal die Namen kennt. Von denen man höchstens erahnen kann, was für ein Leben sie führten. Und keiner, der sich an sie erinnert oder an sie erinnern will. Da kann einem schon mal mulmig werden.

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Polizist Duderstadt sagt, es sei durchaus möglich, dass die Opfer in Jugendheimen im Osten Europas aufwuchsen. 1995 seien noch unheimlich viele Menschen aus solchen Heimen, von denen es etwa in Rumänien viele gab, nach Westdeutschland gekommen, sobald sie erwachsen wurden. Diese Menschen, sagt Duderstadt, hätten oftmals keine Angehörigen gehabt, keine Freunde. Vielleicht ist das eine Erklärung. Vielleicht war es so.

In Oettingen beträgt die Ruhezeit für Erdgräber 30 Jahre, in zehn Jahre also würde das namenlose Grab mit dem kreisrunden Stein aufgelöst. Das Ehepaar, dass es pflegt, glaubt allerdings, dass es anders kommt und das Grab noch erheblich länger bleibt. Denn eigentlich, sagt der Mann, sei es ja nicht nur ein Grab. Es sei ein Mahnmal.

Personenbeschreibung

Eine Frau war 18 bis 20 Jahre alt, 1,70 Meter groß und schlank mit längerem, mittelblonden bis hellbraunem Haar. Im Oberkiefer hatte sie eine auffällige Zahnstellung und am linken Oberarm eine laienhafte Tätowierung. Sie trug ein kurzes Oberteil mit Rundkragen sowie Shorts mit Gummizug und grober Zierspitze am Beinabschluss.

Die andere Frau war 1,60 Meter groß, schlank und etwa 20 Jahre alt. Ihr Haar war dunkelbraun bis schwarz, sie trug ein langärmeliges, kurzes Strickkleid in Violett und Dunkelblau. Zuständig ist die Kripo Dillingen, Telefon 09071/56302.

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