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Corona

28.12.2020

So lief der Impfbeginn im Landkreis

Eröffnung des Impfzentrums in Nördlingen: Leiter Dr. Herbert Schmidt, Geschäftsführer des BRK Donau-Ries Arthur Lettenbauer und stellvertretende Landrätin Claudia Marb (von links).

Plus Im Seniorenheim St. Vinzenz fanden die ersten Corona-Impfungen der Region statt. Die Impfzentren in Nördlingen und Donauwörth haben die Arbeit aufgenommen.

Um kurz vor neun Uhr biegt Dr. Ursula Glombik-Lukassek am Montagmorgen gut gelaunt um die Ecke und betritt zusammen mit zwei Arzthelferinnen den Eingangsbereich des Seniorenheims St. Vinzenz. Draußen ist es frostig kalt und der Morgenhimmel ist trüb und grau. In einer leuchtend roten Tasche, die das Team bei sich führt, befindet sich flüssige Hoffnung: 50 Dosen des Corona-Impfstoffs der Firmen Biontech und Pfizer – von insgesamt 100 Dosen, die der Landkreis am Sonntagnachmittag erhalten hat. Es ist der Tag des Impfbeginns im Landkreis.

Das mobile Impf-Team um Dr. Lukassek beginnt im dritten Stock des Seniorenheims, im Wohnbereich drei. Im Gang steht ein Rollwagen mit gestapelten Patienten-Akten. Darin sind Diagnosen, Allergien und Unverträglichkeiten dokumentiert. Dr. Lukassek muss sie sich anschauen und dann entscheiden, ob geimpft werden kann. Elfriede Jordan (82) macht den Anfang, sie ist die erste Person im Landkreis, die den Impfstoff verabreicht bekommt. In einem kleinen Zimmer haben die Arzthelferinnen ihre Tasche ausgepackt und die Ampullen und Spritzen auf dem Tisch vorbereitet.

Die ersten Personen im Landkreis Donau-Ries sind gegen Corona geimpft

Um 9.15 Uhr führt Dr. Lukassek die erste Impfung durch – und Elfriede Jordan merkt es fast nicht. Vielleicht auch, weil sie sich auf das Foto konzentriert hat, das von ihr in diesem Moment gemacht wurde. Ob es schon vorbei sei, fragt sie. „Hat gar nicht mal wehgetan“, stellt sie erstaunt fest. In drei Wochen wird die zweite Impfung erfolgen. „Erst eine Woche nach der zweiten Impfung ist der Schutz da. Die Impflinge müssen alle Schutzmaßnahmen bis dahin weiter einhalten“, erklärt Dr. Lukassek.

Das Seniorenheim St. Vinzenz ist bislang von einem Ausbruch der Pandemie verschont geblieben. Im Unterschied zu anderen Heimen wie in Harburg oder dem Bürgerheim. „Ich bin sehr froh, dass die Impfaktion jetzt beginnt und man dem Virus etwas Wirkungsvolles entgegensetzen kann“, sagt Heimleiterin Angelika Schäfer. Die Hygiene- und Schutzmaßnahmen habe das Heim seit 13. März konsequent umgesetzt. „Wir haben großes Glück gehabt, dass das Virus nicht ins Heim gekommen ist“, sagt die Heimleiterin mit Erleichterung. Die Vorbereitung der Impfaktion in St. Vinzenz sei aber ein „riesiger Aufwand“ gewesen, „alles musste sehr schnell gehen“. Eine Woche vor Heiligabend habe man die Unterlagen erhalten, dann mussten Anschreiben an die Bewohner aufgesetzt werden, Aufklärungsmerkblätter ausgeteilt und Einverständniserklärungen eingeholt werden. Mit den 50 Impfdosen kann an diesem Vormittag allerdings nur die Hälfte der momentan 99 Bewohner geimpft werden. Man beginne im obersten Wohnbereich und gehe die Bewohner der Reihe nach durch, sagt Schäfer. Wann Dr. Lukassek die restlichen Bewohner von St. Vinzenz impfen kann, ist noch unklar.

Impfzentren in Bayern haben ihre Arbeit aufgenommen

Wenig später am Vormittag nehmen die Impfzentren in Nördlingen und Donauwörth die Arbeit auf. Die stellvertretende Landrätin Claudia Marb zeigt sich bei der Eröffnung in Nördlingen sehr erfreut darüber, dass noch in diesem Jahr mit den Impfungen begonnen werden kann. „Wir können die Hoffnung von Weihnachten als Botschaft mitnehmen“, sagt sie, „die Hoffnung, dass es 2021 einfacher wird, mit den Regeln zu leben.“ In Nördlingen werden an diesem Vormittag 35 Dosen geimpft, das Pflegepersonal des Bürgerheims erhält diese. In Donauwörth werden mit den verbleibenden 15 Dosen Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes geimpft, sowohl Pflegeheimmitarbeiter als auch Rettungskräfte.

Derweil ist Impfstoff-Nachschub in Sicht. Claudia Marb rechnet damit, dass am Dienstag und an Silvester jeweils mehrere Hundert weitere Dosen angeliefert werden.

Elfriede Jordan (82), Bewohnerin des Nördlinger Pflegeheims St. Vinzenz, war die erste Person im Landkreis, die geimpft wurde.
Bild: Matthias Link

In jedem Impfzentrum arbeiten etwa zehn Personen. Mitarbeiter des Landratsamts erfüllen Verwaltungsaufgaben. Die gesundheitliche Aufklärung übernehmen jeweils zwei Ärzte der gKU-Kliniken und die Impfungen selbst werden von drei Mitarbeitern des BRK durchgeführt.

Corona-Pandemie: Senioren werden zuerst geimpft

Gleichzeitig mit den Impfzentren wurde am Vormittag auch die Impf-Hotline des Landratsamts freigeschaltet. Wer in den Zentren geimpft werden will und gemäß der Priorisierungsliste berechtigt ist, kann dort einen Termin ab 4. Januar vereinbaren. Die Personengruppen werden nicht vom Landratsamt angeschrieben. Die Zahl der Anrufer am Morgen sei überwältigend gewesen, sagt Claudia Marb.

Wer zum Impfen in ein Impfzentrum geht, muss laut Arthur Lettenbauer, Geschäftsführer des BRK-Kreisverbands Nordschwaben, mit rund einer Stunde Aufenthaltszeit rechnen. Nach der Impfung müsse man nämlich zur Sicherheit in einem gesonderten Bereich noch 15 bis 30 Minuten warten, bevor man gehen könne.

Wann die mobilen Impf-Teams in größerer Zahl in den Senioren- und Pflegeheimen impfen könnten, sei noch ungewiss, sagt Arthur Lettenbauer. Es werde aber auch mobile Teams geben, die zu bettlägerigen Pflegebedürftigen nach Hause kämen. Das BRK werde hierfür die Fahrzeuge und die Crew stellen, die Ärzte zur gesundheitlichen Aufklärung werde der Ärztliche Koordinator Sebastian Völkl einteilen.

Infos zu Impfterminen im Landkreis Donau-Ries

Die Hotline „Vergabe Impftermine“ des Landratsamts mit der Telefonnummer 0906/746677 ist werktags von 8 bis 14 Uhr geschalten, um telefonisch Termine für die Corona-Schutzimpfung in den beiden Impfzentren in Donauwörth (Josef-Gänsler-Straße 8) und Nördlingen (Nürnberger Straße 17) zu vereinbaren.

Impfen lassen können sich zuerst Personen mit der höchsten Impf-Priorität

- Über 80-Jährige

- Personen, die in stationären Einrichtungen für ältere oder pflegebedürftige Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind

- Pflegekräfte in ambulanten Pflegediensten

- Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit hohem Expositionsrisiko wie Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdienste, als Leistungserbringer der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, SARS-CoV-2-Impfzentren und in Bereichen mit infektionsrelevanten Tätigkeiten

- Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen, die Menschen mit einem hohen Risiko behandeln, betreuen oder pflegen. (linm)

(Quelle: Bundesgesundheitsministerium)

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