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Fußball

09.12.2020

Nach FIFA-Beratungen: Was Vereine vom Videobeweis bei Amateuren halten

Schiedsrichter Erol Taptik vertritt seine Meinung – ganz ohne Videotechnik.
Bild: Klaus Jais

Vereinsvertreter der Region können die FIFA-Initiative nicht nachvollziehen. Sie fragen sich, wer Videoschiedsrichter im Amateurfußball bezahlen soll. Allerdings: Noch sind die Pläne sind recht vage.

Bekommen die Amateurfußballer in Zukunft einen „VAR light“? Diese Frage zum Video Assistant Referee (VAR) wurde von der FIFA-Arbeitsgruppe für Innovation auf ihrer jüngsten Sitzung erörtert. Zur Jahrtausendwende konnte sich noch niemand vorstellen, dass der Spielberichtsbogen einmal elektronisch eingegeben werden würde oder dass es möglich sein würde, Amateurspiele via Internet live zu verfolgen. Neue Kameratechniken und entsprechende Software stellen in Aussicht, dass Schiedsrichter in den unteren Ligen eine Hilfe bekommen.

Ein Schwerpunkt war die Entwicklung eines „VAR light“-Konzepts. Dieses soll erschwinglichere VAR-Systeme ermöglichen, damit VAR auf allen Stufen des Fußballs eingesetzt werden können. Die Arbeitsgruppe ermittelte variable Kostenfaktoren und besprach mögliche Qualitätseinbußen sowie die Mindestanforderungen für eine solche Technologie. Ferner präsentierten die asiatische Fußballkonföderation, der französische Fußballverband und der europäische Verband UEFA die Ergebnisse ihrer Offlinetests mit einer günstigeren VAR-Technologie.

Videobeweis in der Kreisklasse? Das Konzept der FIFA verwundert die Amateurfußballer

Gestützt auf die Testergebnisse wird der FIFA und den Regelhütern vom IFAB nun eine Empfehlung zu den nächsten Schritten zur Umsetzung des „VAR light“-Konzepts im Fußball vorgelegt. Wir haben uns zur möglichen Nutzung des „VAR light“ bei einigen Rieser Fußball-Vereinen umgehört. Der Tenor ist mehrheitlich gegen diese zukunftsorientierte Methode, derzeit halte man die Umsetzung für nicht durchführbar. Zudem stelle man die Frage nach der Finanzierung.

  • Daniel Eber, Abteilungsleiter des SV Schwörsheim-Munningen: „Ich sehe das Konzept in unseren unteren Spielklassen als schwierig umsetzbar, zumal die Schiedsrichter immer älter werden und von den Kosten ist gar keine Rede. In unseren Klassen sollte nach wie vor der Fußball im Vordergrund stehen und nicht die Technik.“
  • Lars Rau, Abteilungsleiter der SG Alerheim, meint: „Prinzipiell kann ich mir diese Geschichte nur im höheren Amateurfußball vorstellen, ab Bayernliga aufwärts. Weiter runter halte ich das für unwahrscheinlich und nicht sinnvoll. Im Profibereich geht es um andere Summen, da sehe ich den Einsatz als gerechtfertigt, im unteren Amateurbereich eben nicht. Kosten und Personalaufwand geben das glaube ich nicht her. Ob ich eine Kostenbeteiligung oder gar -übernahme für unseren Verein vertreten würde, weiß ich abschließend nicht. Die Live-Verfolgung online halte ich für interessant, auch beispielsweise für unsere Liga.“
  • Josef Mayer, Abteilungsleiter des TSV Oettingen, sagt, dass er von einem „VAR light“ zum ersten Mal höre: „Damit so ein System zuverlässig arbeitet, ist das sicherlich mit hohen Kosten verbunden. Welche Kosten kommen auf die Vereine zu? Das ist für mich eine ganz wichtige Frage, auch in Bezug auf die Bedienung der Anlage. Wie viele Schiedsrichter werden dazu benötigt? Über die Akzeptanz eines ,VAR light’ entscheiden richtige Schiedsrichterentscheidungen. Der Videobeweis klappt schon in der Bundesliga nicht besonders gut. Selbst da gibt es Fehlentscheidungen. Wie soll das dann in den unteren Ligen funktionieren? Ob das für unsere Schiedsrichter ein ,Segen’ ist, kann ich mir nur schwer vorstellen. Ich würde jedoch die Einführung einer Torlinientechnik begrüßen. Letztendich sollten die Schiedsrichter selbst bei der Diskussion ein gehöriges Wörtchen mitsprechen.“
  • Gerhard Unger, Abteilungsleiter des SV Megesheim, sagt: „Zuerst dachte ich, das sei ein verfrühter Aprilscherz. Elektronischer Spielberichtsbogen, ja, find’ ich super, aber VAR bei uns? Klappt ja in der Bundesliga noch nicht so hundertprozentig, wie soll das dann hier bei uns funktionieren. Dazu noch die Kosten für die Umsetzung, das nötige Kleingeld wird bei den kleinen Vereinen sinnvoller für andere Dinge benötigt. Also von meiner Seite aus ein klares Nein.“
  • Philipp Stimpfle, Abteilungsleiter des FC Maihingen: „Sollte eine solche Technik bezahlbar auch im Amateurfußball möglich sein, wäre das in meinen Augen eine Sensation. Allerdings sehe ich den VAR im Amateurfußball als nicht umsetzbar, zumindest Stand heute. Wie und wo soll die Technik zum Beispiel bei uns am Sportgelände angebracht werden? Oder würde das bei uns eventuell mit Drohnen funktionieren? Es wäre ein weiterer Schiedsrichter als VAR notwendig, der die strittigen Szenen am Bildschirm bewertet und dem Schiedsrichter mitteilt. Schiedsrichter sind jetzt schon ,Mangelware’ in den unteren Ligen, in denen bei Reservespielen schon die eigenen Leute pfeifen müssen. Wie würde eine solche Technik finanziert werden? Die kleinen Vereine haben schon jetzt mit den Kosten zu kämpfen, wie soll dann eine solche Technik bezahlt werden? Und wie der Spielfluss darunter leiden kann, sieht man jetzt schon bei den Profis. Aktuell kann ich mir eine solche Technik bei uns in den unteren Ligen nicht vorstellen, was nicht heißen soll, dass es eventuell doch irgendwann aufgrund der Digitalisierung möglich ist.“
  • Oliver Heider, Abteilungsleiter des TSV Möttingen, sagt: „Wir haben sowieso kaum Schiedsrichter und ein ,VAR light’ bedeutet vermutlich auch, dass es jemanden geben muss, der Hinweise gibt, wenn Situationen angeschaut werden müssen. Da stellt sich mir die Frage, wie die ohnehin schwierige Personalsituation dies ermöglichen soll? Zudem werden die Kosten seitens des Verbandes sowieso von Jahr zu Jahr höher und die weitere finanzielle Belastung hilft keinem Verein. Durch Corona müssen die Vereine sowieso erst einmal ihre finanziellen Mittel zusammenhalten. Bei uns im Amateurfußball von der Kreisliga abwärts spielen mögliche Fehlentscheidungen keine Rolle. Im Profifußball geht der Erfolg im Wettbewerb einher mit den dazu fließenden Geldern. Ich bin also der Meinung, dass ein VAR im Amateurfußball der unteren Ligen nicht notwendig ist.“

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