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Buschfeuer

16.01.2020

Brände in Australien: Tiere in Gefahr, Urzeit-Bäume gerettet

Qualmwolken von verschiedenen Bränden wehen von der australischen Känguru-Insel aufs Meer.
Bild: Nasa Earth, ZUMA Wire, dpa

Welche katastrophalen Folgen die Brände in Australien haben könnten, wird ganz allmählich sichtbar. Immerhin: Aus einem Nationalpark kommt eine gute Nachricht.

Viele Menschen in den Brandgebieten von Australien stehen vor den Trümmern ihrer Existenz, für die einheimischen Tiere gibt es eine besondere Gefahr. Vögel, Eidechsen und Nagetiere fallen nun leichter Raubtieren wie Füchsen und Katzen zur Beute.

Die Tiere hätten bei den Bränden viel von ihren Schutzräumen verloren, sagte Sally Box, Australiens Beauftragte für bedrohte Arten, am Donnerstag dem Radiosender ABC. "Das macht sie noch verwundbarer, zur Beute zu werden." Das sei ein echtes Risiko. "Es ist eine der sekundären Folgen von Feuer.

Seit Monaten wüten vor allem im Südosten Australiens heftige Brände, nach Angaben der Regierung starben 28 Menschen. Mehr als 11,8 Millionen Hektar standen in Flammen. Das entspricht etwa einem Drittel der Fläche von Deutschland. Zu den einheimischen Tieren, um die sich die Experten große Sorgen machen, gehören zum Beispiel die Schmalfußbeutelmaus und der Braunkopfkakadu auf der Känguru-Insel im Süden des Landes.

Brände in Australien: Tiere in Gefahr, Urzeit-Bäume gerettet

Seit September sollen mehr als 40 Prozent aller Koalas verendet sein

Koalas sind besonders verletzlich. Überstehen sie die Flammen, kommt es vor, dass sie von Autos überfahren oder von Hunden und Katzen attackiert werden. Außerdem haben sie ihre Nahrung verloren. Viele Eukalyptus-Wälder brannten nieder. Seit September, den ersten Feuern, sollen nach Schätzungen um die 33.000 Koalas verendet sein. 

Die Population ist auf verschiedene Gebiete in Australien verteilt, die Folgen der Feuer sind dort jeweils unterschiedlich, wie die Expertin Sally Box erläuterte. "Es wird einige Zeit brauchen, sich anzusehen, was das für die Zahl der Koalas bedeutet." Vor den Feuern lag die Population der Beutelsäuger laut der australischen Koala-Stiftung bei etwas 80.000 Tieren. Demnach wären mehr als 40 Prozent der Population gestorben.

Ein Hubschrauber über dem Wollemi National Park im Bundesstaat New South Wales.
Bild: Npws, NPWS, AAP, dpa

Australien: Regen hilft den Feuerwehrleuten, birgt aber auch Gefahren

Der Kampf gegen die Flammen ist nicht vorbei, auch wenn der Regen den Feuerwehrleuten etwas half. Im südöstlichen Bundesstaat New South Wales etwa gab es noch etwa 80 Feuer. Der ersehnte Niederschlag und Gewitter könnten neue Risiken bringen: Überschwemmungen und umstürzende Bäume. 

Eine gute Nachricht in Sachen Naturschutz kam aus dem Wollemi Nationalpark nordwestlich von Sydney, der Teil eines Unesco-Welterbe-Gebiets ist. Dort sorgten Spezialkräfte dafür, dass die Wollemien eines der "Mega-Feuer" überlebten, wie die Regierung von New South Wales bestätigte. Diese Bäume galten bis zu ihrer Entdeckung in dem Park 1994 als ausgestorben. Sie stehen auf einem geheimgehaltenen Gebiet.

Den Helfern gelang es, sie mit einem Bewässerungssystem und Feuerschutzmitteln zu retten, sie nutzten dafür auch Hubschrauber. "Das Feuer ist durchgezogen, wir hatten ein paar Tage dichten Rauch und konnten nicht sehen, ob sie beschädigt wurden. Wir haben mit angehaltenem Atem gewartet", sagte der zuständige Umweltminister Matt Kean dem Sender ABC. Einige Wollemien seien verkohlt, wohl zwei verbrannt. Aber der Bestand von 200 Bäumen ist demnach noch da. Die Wollemien hätten die Dinosaurier überlebt, so Kean. Jetzt sehe es so aus, als hätten sie es Dank der Feuerwehrleute geschafft.

Katastrophe in Australien betrifft 1000 Mal mehr Fläche als größter Waldbrand in Deutschland

Zum Vergleich: Die niedersächsischen Wald- und Moorbrände im August 1975 gelten bis heute als größte Waldbrandkatastrophe in Deutschland. Damals entwickelten sich im Regierungsbezirk Lüneburg innerhalb weniger Tage fünf Großbrände. Die Feuer zerstörten eine Fläche von knapp 13.000 Hektar, darunter 7500 Hektar Wald. In Australien gehen jüngste Zahlen für die aktuellen Buschbrände von einer betroffenen Fläche von mindestens 11,8 Millionen Hektar aus. Damit ist von der Katastrophe betroffene Fläche in Australien fast 1000 Mal so groß wie bei Deutschlands größtem Waldbrand.

Im Zusammenhang mit den Bränden in Lüneburg kamen damals sieben Menschen ums Leben, davon sechs Feuerwehrleute und ein Polizist, wie aus dem Bericht des niedersächsischen Innenministeriums hervorgeht. Etwa 13.000 Feuerwehrmänner waren im Einsatz, viele auch aus anderen Bundesländern.

Die Fläche des betroffenen Regierungsbezirks Lüneburg bestand damals durchschnittlich zu knapp einem Drittel aus Wald, davon rund 80 Prozent Kiefern. Wegen Abholzungen in den Nachkriegsjahren und Schäden durch Stürme und vorherige Brände standen dort überwiegend relativ junge Bäume. Solche Nadelbaum-Monokulturen sind besonders waldbrandgefährdet: Denn dort kann sich ein Feuer am Boden schnell zu einem Vollfeuer ausdehnen. Zudem waren der Frühling und der Sommer 1975 in Niedersachsen außergewöhnlich trocken. (dpa)

Lesen Sie dazu auch: LMU-Studenten ziehen für Opfer der Buschbrände in Australien blank

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