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Augsburger Hauptbahnhof

31.07.2019

Tatort: Gleis 3 - Als ein Student vor einen ICE gestoßen werden sollte

Ein Mann hat vor zwei Jahren versucht, einen Berliner Studenten am Augsburger Hauptbahnhof vor einen einfahrenden ICE zu stoßen.
Bild: Bernd Hohlen (Symbol)

Plus In Augsburg wurde ein Student 2017 beinahe vor einen einfahrenden ICE gestoßen. Der Täter litt an Wahnvorstellungen und fühlte sich bedroht.

Unfassbares Entsetzen hat die Tat eines Mannes aus Eritrea ausgelöst, der am Frankfurter Hauptbahnhof einen Achtjährigen offenbar grundlos und ohne den Jungen zu kennen vor einen einfahrenden ICE ins Gleisbett und damit in den Tod gestoßen hat. Die Mutter des Kindes hatte er auch auf die Gleise gestoßen. Diese konnte sich aber gerade noch retten, in dem sie sich wegdrehte. Der Fall erinnert – wenn auch entfernt und nicht wirklich vergleichbar – an eine dramatische Situation, die sich vor etwas über zwei Jahren am Augsburger Hauptbahnhof ereignete.

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Täter nahm Anlauf und trat einen Studenten in Richtung Gleis

Es war ein eher ruhiger Sonntagvormittag gegen 11 Uhr Anfang März, als ein 33-jähriger, schlaksiger und bärtiger Student aus Berlin auf Gleis 3 auf seinen Zug in Richtung Nürnberg wartete. Zeugen konnten ihren Augen kaum trauen, als sie sahen, was dann passierte. Ein hinter ihm stehender Mann nahm unvermittelt zwei Schritte Anlauf – und versetzte dem 33-Jährigen einen kräftigen Stoß in Richtung Gleis. Doch dieser konnte den Schub mit kleinen Schritten nach vorn abfangen. Er war schwer beladen – mit einem Gitarrenkoffer und zwei Rucksäcken. Diese schwere Gewicht trug möglicherweise dazu bei, dass der Berliner den Stoß abwehren konnte.

Zu diesem Zeitpunkt war der ICE nur noch zwei Meter entfernt. Der Lokführer sagte später bei der Gerichtsverhandlung, dass er zwar den Mann mit den Rucksäcken hatte taumeln sehen. Aber selbst bei einer Schnellbremsung wäre der ICE noch etwa 100 Meter weiter gefahren, bis er zum Stillstand gekommen wäre. Der Student wollte sich offenbar trotz allem nicht auf seinem Weg Richtung Berlin irritieren lassen. Anstatt den Mann zu konfrontieren, der ihn attackiert hatte, oder die Polizei zu rufen, stieg er in den ICE ein und fuhr Richtung Norden.

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Unterdessen hatte ein Augenzeugin die Polizei informiert und eine genaue Personenbeschreibung durchgegeben. Die Beamten nahmen den 30-jährigen Täter in einer nahe gelegenen Bäckerei in einer Unterführung fest. Das Opfer wurde wenig später in Nürnberg aus dem Zug geholt und von der Polizei befragt.

Täter hatte Waffen im Rucksack vermutet

Der Täter berichtete später vor Gericht von seiner Krankheit. Er litt an Wahnvorstellungen, an Paranoia. So habe sich der Italiener, der in Augsburg aufgewachsen ist, von Salafisten verfolgt gefühlt. Nur fünf Tage vor der Tat hatten seine Angehörige ihn in die Augsburger Psychiatrie einweisen lassen. Doch auch dort war der 30-Jährige der Meinung, er werde von Salafisten bedroht. Er verließ die Klinik wieder. Am Bahnhof traf er auf den Berliner Studenten, den er wegen seines langen Bartes für einen Salafisten hielt. Der 30-Jährige sagte vor Gericht: „Im Rucksack habe ich Waffen vermutet. Ich dachte, wenn er in den gleichen Zug steigt, könnte er mich und andere töten.“

Später wurde der Täter vom Gericht als schuldunfähig eingestuft und musste sich psychiatrisch behandeln lassen. Wie sich nun herausstellte, ist auch der Täter von Frankfurt psychisch krank.

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