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Corona-Pandemie

06.01.2021

Warum gibt es in Frankreich so viele Impfskeptiker?

Die Skepsis gegen Impfstoffe in Frankreich ist groß.
Bild: Fred Tanneau/AFP, dpa (Symbolbild)

Nirgendwo gibt es so viel Skepsis gegen die geplante Corona-Immunisierung wie bei unseren französischen Nachbarn. Doch woher kommt das?

"Labore – Kollaborateure", "Impfstoff-Mörder", "Ärzte – Komplizen": Nachdem Unbekannte jüngst den für Covid-Patienten vorgesehenen Eingang eines Krankenhauses im ostfranzösischen Pontarlier mit Blättern voller anklagender Aufschriften versahen, hat die Klinik Klage eingereicht. "In der ersten Reaktion sagte das Personal, dass die Plakatkleber wirklich viel Zeit zu verschwenden haben", sagte Romuald Vivot, der Sprecher des Krankenhauses. Der Ausdruck "Mörder" habe dennoch viele verletzt.

Auch wenn es sich um eine vereinzelte Aktion von Impfgegnern handelte, so ist deren Zahl in Frankreich seit langem die höchste in Europa. Einer im Juni 2019 veröffentlichten Studie zufolge, die in 144 Ländern durchgeführt worden war, gehören die Franzosen zu den impf-skeptischsten Völkern – neben den Libanesen, Kroaten und Serben. Demnach gab einer von drei befragten Franzosen an, Impfstoffe für unsicher oder unwirksam zu halten. Die meisten Befürworter leben in Vietnam (98 Prozent), Dänemark (87 Prozent) und Großbritannien (81 Prozent).

Impfskepsis vor allem bei Populisten verbreitet

Dementsprechend zweifelnd betrachten viele Franzosen die Impfkampagne zur Eindämmung des Coronavirus, die zunächst in Altenpflegeheimen in Dijon und Sevran bei Paris begonnen hatte. Weniger als die Hälfte der Franzosen will sich selbst daran beteiligen. Am größten ist der Widerstand bei Anhängern der Oppositionsparteien, vor allem der Rechtspopulistin Marine Le Pen, unter denen 68 Prozent Impfgegner sind, und des Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon (59 Prozent). Darüber hinaus wollen sich nur 28 Prozent der unter 35-Jährigen impfen lassen.

Was ist der Hintergrund für die weitverbreitete Skepsis? Dem Meinungsforscher Edouard Lecerf zufolge bestehe diese generell "gegenüber allen Entscheidungen, die von oben kommen": Nur 35 Prozent der Franzosen finden, dass ihre Regierung die aktuelle Gesundheitskrise gut gemeistert habe – gegenüber 63 Prozent der Deutschen und 50 Prozent der Italiener.

Auch der Direktor der französischen Beobachtungsstelle für Verschwörungstheorien "Conspiracy Watch", Rudy Reichstadt, beobachtet in Frankreich ein "großes Misstrauen gegenüber der Regierung, den Gesundheitsbehörden und der Wissenschaft im Allgemeinen". Die teils verbreitete Vorstellung, dass eine Impfung gefährlicher sei als eine Epidemie, sieht Reichstadt aber auch als "Übel der reichen und entwickelten Länder, wo die Impf-Abdeckung ausreichend hoch ist, um gewisse Krankheiten einzudämmen".

Argwohn gegen die Regierung

Dass dies ausgerechnet im Geburtsland von Louis Pasteur, dem Mitbegründer der medizinischen Mikrobiologie und Erfinder der Tollwutimpfung, der Fall ist, liegt zudem wohl an einer Reihe medizinischer Skandale. Besonders schockierten in den 80er Jahren die massenhaften HIV-Infektionen von Patienten durch kontaminierte Blutkonserven.

Später wurde der französische Pharmariese Servier gerichtlich dafür zur Verantwortung gezogen, mit dem Medikament "Mediator" wissentlich ein Arzneimittel vertrieben zu haben, das zum Tod von bis zu 2100 Menschen führte. Bei Ausbruch der Schweinegrippe 2009 bestellte das Gesundheitsministerium 70 Millionen überzählige Impfdosen und hinterließ bei vielen den Eindruck, sie habe vor allem die Pharmaindustrie mästen wollen. Dieser Vorwurf kam erneut auf, als die Regierung ab 2018 die Zahl der Pflichtimpfungen für Kinder von drei auf elf heraufsetzte.

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