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  3. Erdbeben in Afghanistan am Hindukusch in Provinz Paktika: Beben auch in Pakistan & Indien spürbar, über 1000 Tote

Naturkatastrophe
23.06.2022

Über 1.000 Todesopfer bei Erdbeben in Afghanistan – Rettung gestaltet sich schwierig

Ein Helfer des Roten Halbmond in der betroffenen Region Paktika. Bei einem heftigen Erdbeben sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen.
Foto: Bakhtar News Agency, dpa

Im Osten von Afghanistan ist es in der Nacht zu einem schweren Erdbeben gekommen, das wohl mindestens 1000 Todesopfer gefordert hat.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hat ein heftiges Erdbeben den Osten von Afghanistan erschüttert. In der Provinz Paktika an der afghanisch-pakistanischen Grenze sollten dabei laut ersten offiziellen Angaben der staatlichen afghanischen Nachrichtenagentur Bakhtar mindestens 255 Menschen ums Leben gekommen sein. Mittlerweile wurde die Zahl von offizieller Stelle deutlich nach oben korrigiert. Es ist nun von mindestens 1000 Todesopfern die Rede. Mindestens 1500 Menschen seien zudem verletzt worden. "Es wird erwartet, dass die Zahl der Opfer noch steigen wird, da die Such- und Rettungsmaßnahmen noch andauern", erklärte das UN-Nothilfebüro (OCHA).

Erdbeben in Afghanistan: Aufruf der Taliban an Hilfsorganisationen

Die Behörden der in Afghanistan regierenden Taliban sprachen unterdessen von Hunderten Verletzten und Toten. Außerdem erklärten sie, dass dutzende Häuser in der Provinz Paktika zerstört wurden. Es seien Helikopter mit Rettungskräften auf dem Weg in die Region im Osten des Landes. Die Rettung der Opfer gestaltet sich allerdings schwierig, was auch mit der Zugänglichkeit der Gebiete zu tun hat.

"Wir rufen die Hilfsorganisationen auf, den Opfern des Erdbebens sofortige Hilfe zu leisten, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern", schrieb Bilal Karimi, Regierungssprecher der Hauptstadt Kabul, auf Twitter.

Video: dpa

Unterschiedliche Angaben über die Stärke des Erdbebens in der Provinz Paktika

Bislang gibt es unterschiedliche Angaben zu der Schwere des Bebens. Pakistanische Behörden gaben das Erdbeben bislang mit einer Stärke von 6,1 an. Die US-Erdbebenwarte (USGS) meldete hingegen eine Stärke von 5,9 und ein Nachbeben mit einer schwächeren Stärke. Demnach soll sich das Epizentrum des Bebens rund 50 Kilometer südwestlich von der Stadt Chost befunden haben – in einer Tiefe von rund zehn Kilometern.

Laut dem Seismologischen Zentrum Europa-Mittelmeer entfaltete das Erdbeben eine Wucht, die einem Radius von 500 Kilometern entsprach. Demnach spürten 119 Millionen Menschen die Erschütterungen.

Erdbeben auch in Pakistan und Indien zu spüren

Chost befindet sich nahe der Grenze zu Pakistan. Das Erdbeben war auch in dem Nachbarland von Afghanistan zu spüren. In weiten Teilen des Westens von Pakistan waren die Erschütterungen besonders stark, doch auch in der Hauptstadt Islamabad und sogar in Lahore im Osten des Landes blieb das Erdbeben nicht unbemerkt. Auch in Pakistan sind nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde viele Einsatzkräfte auf dem Weg in die betroffenen Regionen. Dabei ist vor allem in den am stärksten betroffenen Gebieten der Einsatz nicht leicht, da es sich um abgelegene Bergregionen handelt.

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Über Opfer gab es zunächst keine Angaben. Der pakistanische Premierminister Shahbaz Sharif sprach in einer Erklärung sein Beileid aus und versprach, dass sein Land der afghanischen Bevölkerung Hilfe leisten wolle. Zudem waren die Erschütterungen des schweren Erdbebens auch in Indien zu spüren.

Erdbeben am Hindukusch keine Seltenheit

Erdbeben haben in Afghanistan – gerade im Osten des Landes – eine Geschichte. Dort liegt die Bergkette Hindukusch, die immer wieder von schweren Erschütterungen heimgesucht wird. Diese fordern immer wieder viele Opfer und führen zu verheerenden Schäden. Das liegt auch an den Häusern in der Region, die oft eine mangelhafte Bausubstanz besitzen.

Zerstörungen an einem Haus in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion.
Foto: Bakhtar News Agency, dpa

Das Erdbeben dürfte Afghanistan derzeit besonders schwer treffen, da die humanitäre Lage katastrophal ist. Seit der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban und dem Abzug der westlichen Truppen fehlt es vor allem an Lebensmitteln und Medikamenten.