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CDU-Politiker

17.12.2014

Andreas Schockenhoff: Der rätselhafte Tod in der Sauna

Andreas Schockenhoff starb im Alter von 57 Jahren in seiner Sauna.
Bild: Patrick Seeger, dpa

Der CDU-Politiker Andreas Schockenhoff ist am letzten Samstag in seiner Sauna gestorben - an Kreislaufversagen. Sein Körper zeigte aber auch Spuren schwerer Verbrennungen.

Der baden-württembergische CDU-Bundesabgeordnete Andreas Schockenhoff ist allen Erkenntnissen nach am vergangenen Samstag in seiner Sauna einem Kreislaufversagen erlegen. Mediziner halten es aber auch für möglich, dass der Politiker eingeschlafen ist und später einen Hitzetod starb.

Was nach der Obduktion des Leichnams sicher ist: Schockenhoff erlitt Verbrennungen ersten und zweiten Grades, die die Experten als Folge einer massiven Hitzeeinwirkung werten. Schockenhoff soll etwas mehr als zwei Stunden in der Sauna gelegen haben.

Die Staatsanwaltschaft Ravensburg hatte eine genaue Untersuchung der Leiche Schockenhoffs bei der Gerichtsmedizin Ulm in Auftrag gegeben, um „alle Spekulationen auszuschließen“, sagt Staatsanwalt Karl-Josef Diehl. „Für uns gab es keine Gewissheit über die Todesursache“, fügte er hinzu.

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Schockenhoff: Obduktion soll Spekulationen eindämmen

Schockenhoff hatte den Samstag vor dem dritten Advent gemeinsam mit seinen Kindern zu Hause in Ravensburg verbracht. Später begab er sich in den häuslichen Saunabereich. Als er nach längerer Zeit nicht zurückkam, schaute die Tochter nach ihm und fand den Vater bereits leblos. Ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren, erklärt der Staatsanwalt, werde auch eingeleitet, um später mögliche Todesursachen ausschließen zu können. Schockenhoff habe schließlich eine herausragende berufliche Stellung eingenommen. Diehl betont: „Wir wollen keine Spekulationen nähren.“ Aber die Strafverfolger wollten gewappnet sein, „wenn Theorien oder Zweifel auftauchen“. Damit spielt Diehl auf Spekulationen an, Schockenhoff könnte Opfer eines politisch motivierten Anschlags geworden sein.

Der 57 Jahre alte CDU-Politiker hatte sich mit seinem Themenschwerpunkt Russland nicht nur Freunde gemacht. 2012 zog sich der damalige Russland-Beauftragte der Bundesregierung den Unmut von Wladimir Putin zu, weil er aus dessen Sicht „verleumderisch“ über Russland gesprochen haben soll. Schockenhoff hatte Verschärfungen des Demonstrationsrechts, Einschüchterungen der Opposition und den Prozess gegen die Protest-Guerilla-Truppe Pussy Riot kritisiert. Es müsse auch als Partner Russlands möglich sein, deutliche Worte zu finden, ließ sich Schockenhoff damals nicht beirren.

Andreas Schockenhoff gab 2013 sein Bundestagsmandat ab

Manche sahen sich deshalb bei den Todesumständen spontan an den Giftanschlag auf einen russischen Ex-Agent und Kreml-Kritiker in London im Jahr 2006 erinnert. Überdies wird in Netzwerken ein Zusammenhang mit Schockenhoffs Alkoholkrankheit hergestellt. Der Abgeordnete, der von seiner zweiten Frau geschieden war, hatte seine Sucht 2011 selbst öffentlich gemacht. In der ARD-Sendung „Günther Jauch“ sagte er damals: „Im Grunde war ich ein einsamer Mensch“ und begründete das mit dem Doppelleben als Bundespolitiker zwischen Ravensburg und Berlin.

In der eigenen Partei geriet er daraufhin unter Druck. Er musste den CDU-Bezirksvorsitz in Südwürttemberg an den jungen Abgeordneten Thomas Bareiß abgeben. Sein Bundestagsmandat im Wahlkreis Ravensburg, das er seit 1990 inne hatte, machte ihm 2013 der prominente Ex-Grüne Oswald Metzger streitig. Doch die oberschwäbische CDU-Basis stellte sich noch einmal klar hinter Schockenhoff. Auch von der Bundestagsfraktion erhielt er Rückendeckung: Vor einem Jahr wählte sie ihn zu einem der Stellvertreter von Fraktionschef Kauder.

Schockenhoff hatte sich nach seinem öffentlichen Alkoholbekenntnis in stationäre Behandlung begeben. Ob diese langfristig von Erfolg gekrönt war, ist unbekannt. Die Bild-Zeitung berichtete, dass viele Parteikollegen bei einem Empfang in Paris beobachtet hätten, wie der Politiker wieder Alkohol trank. Eine chemisch-toxikologische Untersuchung der Leiche steht noch aus. Staatsanwalt Diehl hofft auf die Ergebnisse noch vor Weihnachten.

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