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Fall Kaschoggi

11.11.2018

Erdogan stellt Tonaufnahmen zu Kaschoggis Ermordung zur Verfügung

Erdogan hat erstmals die Existenz von Tonaufnahmen zur Ermordung des Journalisten Dschamal Kaschoggi bestätigt.
Bild: Presidential Press Service, dpa (Archiv)

Recep Tayyip Erdogan hat die Existenz von Tonaufnahmen zur Ermordung des Journalisten Kaschoggi bestätigt. Auch Deutschland soll die Aufnahmen erhalten haben.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat erstmals die Existenz von Tonaufnahmen zu der Ermordung des saudiarabischen Journalisten Dschamal Kaschoggi im Konsulat seines Landes in Istanbul bestätigt. Sein Land habe diese Aufnahmen Deutschland, den USA, Frankreich, Saudi-Arabien und Großbritannien zur Verfügung gestellt, sagte Erdogan am Samstag in einer vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. "Sie haben die Gespräche gehört, die hier stattfanden. Sie wissen Bescheid", bekräftigte er. Weitere Einzelheiten nannte er nicht.

Der Washington Post-Kolumnist Kaschoggi war am 2. Oktober in das Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul gegangen, um ein Dokument für seine Heirat abzuholen, aber nicht wieder herausgekommen. Unter internationalem Druck und nach wochenlangen Dementis gab Saudi-Arabien schließlich die Tötung des 59-Jährigen zu, weist aber weiterhin Vorwürfe zurück, dass die Tat von der saudiarabischen Führung um Kronprinz Mohammed bin Salman angeordnet worden sei. Türkische Medien und Regierungsvertreter hatten bereits früh von Tonaufnahmen berichtet, auf denen Kaschoggis Ermordung dokumentiert sei.

Kaschoggis Leiche wurde angeblich in Säure aufgelöst

Ende Oktober hatte die Istanbuler Staatsanwaltschaft erklärt, Kaschoggi sei unmittelbar nach Betreten des Konsulats erwürgt und seine Leiche dann zerstückelt und beseitigt worden. Nach Angaben der türkischen, regierungsnahen Zeitung Sabah vom Samstag wurde die zerstückelte Leiche des Washington Post -Kolumnisten in Säure aufgelöst und in der Kanalisation entsorgt. In Proben aus der Abwasserleitung der Residenz des Konsuls wurden demnach Spuren von Säure gefunden.

Erdogan rief die Behörden in Riad nun erneut auf, "den oder die Mörder" Kaschoggis zu benennen. Die 15 Saudiaraber, die zuvor nach Istanbul geschickt worden seien, um Kaschoggi zu töten, wüssten genau, wer diese seien, sagte er. Riad müsse sie zum Reden zu bringen. Ankara hatte bisher vergeblich die Auslieferung der 15 Verdächtigen gefordert.

Erdogan fordert Riad auf, "den oder die Mörder" zu benennen

Anfang November hatte Erdogan in einem Gastbeitrag für die Washington Post erklärt, dass Kaschoggis Ermordung auf höchster Ebene in Riad in Auftrag gegeben worden sei. König Salman schloss er aber ausdrücklich als Auftraggeber aus. Zwar vermied es der türkische Präsident bisher, Thronfolger Mohammed bin Salman direkt die Schuld für die Ermordung seines Kritikers zu geben. Doch veröffentlichen die türkischen Medien laufend neue Details aus den Ermittlungen, die den 33-Jährigen unter Druck setzen. (afp)

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