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Diplomatie

17.02.2018

Freiheit für Yücel könnte Gabriels Rettung sein

Sigmar Gabriel verkündet die Freilassung von Deniz Yücel.
Bild: Nietfeld, dpa

Der Außenminister nutzt den Fall des Journalisten für Werbung in eigener Sache

Sigmar Gabriel lässt es sich nicht nehmen, die guten Nachrichten höchstpersönlich in der Hauptstadt zu verkünden. Eigentlich ist der geschäftsführende Außenminister an diesem Freitag bei der Münchner Sicherheitskonferenz verplant. Doch dort verschwindet der SPD-Mann kurz nach der Eröffnung überstürzt, eilt nach Berlin und steht am späten Nachmittag im Newsroom der Welt. Jener Zeitung also, für die der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel arbeitete, bevor er vor fast genau einem Jahr in der Türkei ins Gefängnis kam.

Nun ist Yücel in Freiheit – jener Mann, der zum größten Symbol der deutsch-türkischen Spannungen wurde und zum wichtigsten Thema in Gabriels Amtszeit. Die frohe Botschaft der Freilassung will Gabriel selbst in Berlin überbringen – als seinen Triumph. Er kämpft ums politische Überleben. Da kommt die Lösung im Fall Yücel sehr gelegen. „Deniz Yücel ist auf freiem Fuß“, verkündet Gabriel. „Er ist auf dem Weg zum Flughafen in Istanbul.“

Der SPD-Mann dankt Beteiligten, Freunden, Diplomaten, Unterstützern vor und hinter den Kulissen. Auch sein Parteifreund, Altkanzler Gerhard Schröder ( SPD), habe unterstützt und bei zwei Türkei-Besuchen geholfen, „Türen aufzumachen“. Gabriels Liste ist lang. Bei manchem Dank schwingt aber unüberhörbar Eigenlob mit. Etwa wenn er Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dafür dankt, „dass sie so viel Vertrauen hatte, mir die Arbeit hier zu ermöglichen und uns Spielraum zu geben“. Sprich: nicht reinzufunken. Oder wenn er jenen dankt, „die an den Erfolg von Diplomatie glauben“. Der Fall Yücel sei ein Beispiel dafür, dass Gespräche, Diplomatie und Beharrlichkeit zum Erfolg führten – und wenn man sein Ziel nicht aus den Augen verliere.

Ja, er selbst habe viele Gespräche geführt mit seinem Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu, erzählt Gabriel ausführlich. Auch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan habe er sich zwei Mal getroffen. Aber es müsse eben nicht alles „auf dem Marktplatz und über Megafon besprochen werden“.

Gabriel preist sich also als Meister der stillen Diplomatie. Ausgerechnet er, der sich in der Vergangenheit immer wieder mit Poltereien und Provokationen hervortat und seine Partei durch Alleingänge und Zickzack-Aktionen piesackte. Viele trauten ihm den Außenamtsposten nicht zu, zweifelten, dass er sich ausreichend kontrollieren könnte. Doch Gabriel fand in das Amt, polierte sein Image auf – und gehört in diesem Job nun zu den beliebtesten Politikern im Land. Wie andere vor ihm. Nach Jahren des Ungeliebtseins in seiner Partei hat Gabriel Gefallen an dieser Rolle gefunden und würde gerne bleiben.

Doch seine Partei will das nicht. Der frühere SPD-Chef hat es sich derart mit wichtigen Sozialdemokraten verscherzt, dass eine zweite Amtszeit im Kabinett bislang als ausgeschlossen galt. Sein Verhältnis zur neuen, starken Frau der SPD – der Fraktionschefin und designierten Parteivorsitzenden –, Andrea Nahles, ist belastet. Am Tag vor der Yücel-Freilassung hat sie auch im Interview mit unserer Zeitung bekräftigt, dass es auch im Fall des Außenministers keine personelle Vorfestlegung gibt.

Bei seinem Auftritt in Berlin wird Gabriel gefragt, ob er selbst glaube, dass sein Einsatz für Yücels Freilassung ihm eine zweite Amtszeit ermöglicht. Er reagiert schmallippig. „Diese Frage habe ich mir, ehrlich gesagt, nicht gestellt.“ Christiane Jacke und Michael Fischer, dpa

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