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Klimaaktivistin

25.04.2019

Greta Thunberg kennt nur Schwarz oder Weiß

Auf den „Fridays-for-future“ Demonstrationen wie hier jüngst in Rom ist Greta Thunberg der große Star.

Greta Thunberg ist das junge Gesicht für Klimaschutz. Welche Rolle das Asperger-Syndrom dabei spielt und warum es auch eine Familienangelegenheit ist.

Ihre bedingungslose Offenheit macht sie so unwiderstehlich. In nur neun Monaten ist Greta Thunberg von einem Stockholmer Schulmädchen zur aktuell wohl bekanntesten Schwedin weltweit geworden. „Es herrscht derzeit totales Chaos um Greta, sie hat nicht eine freie Minute“, berichtet eine Stockholmer Bekannte. Kein Wunder. Mit Zug und Elektroauto, fahren sie und ihr Vater manchmal 30 Stunden lang quer durch Europa. Flugreisen lehnt sie als klimaschädlich ab.

Ihre Auftritte in Davos, Brüssel, Berlin oder Rom, die Auszeichnung mit der Goldenen Kamera, sind auch in in Schweden Teil der Hauptnachrichten. Bis auf den politisch rechten Rand und die ewigen Zyniker lieben die Schweden ihre Greta und sind sehr stolz auf ihren internationalen Durchbruch. Große TV-Sender stehen zumeist erfolglos Schlange für ein Interview. Was treibt die Schülerin an?

Es war der 20. August 2018, ein Freitag. Greta war noch keine 15 und Schweden stand mitten im Wahlkampf. Sie postierte sich vor das Parlament in Stockholm, dem „Riksdag“, um für das Klima die Schule zu bestreiken. „Meine Mitschüler wollten nicht mitkommen“, sagte sie später. Dafür kamen andere Kinder, die sie nicht kannte. „Ich werde weitermachen, bis Schweden dem Klimaabkommen von Paris folgt, das kann noch ein paar Jahre dauern“, kündigte sie an.

Inzwischen hat sie eine weltweite Bewegung ausgelöst. „Schüler auf allen Kontinenten streiken nun für das Klima – bis auf die Antarktis“ sagte Greta mit der für sie typischen Korrektheit. Stimmt: die Antarktis ist auch ein Kontinent. Auch Papst Franziskus, dem sie vergangene Woche auf dem Petersplatz in Rom begegnete, begrüßte Gretas Schulstreikbewegung. Eine schwedische Kirchengemeinde verstieg sich in die Behauptung, die Klimaschutzaktivistin sei die von Jesus von Nazareth „auserwählte Nachfolgerin“ – Höhepunkt einer öffentlichen Verklärung.

Greta Thunberg auf dem Petersplatz in Rom mit Papst Franziskus (im Hintergrund Vater Svante Thunberg).
Bild: dpa

Greta Thunberg zu den Erwachsenen: Ihr scheißt auf meine Zukunft

Selbstsicher wie Pippi Langstrumpf stellt sich das knapp 1,50 Meter kurze Mädchen mit seinen zwei nachlässig geflochtenen Zöpfchen an den Freitagen, an denen sie daheim in Stockholm ist, vor den Riksdag und demonstriert. „Schulstreik für das Klima“ steht auf ihrem Schild, das fast größer wirkt als sie selbst. Auf Handzetteln klagt die 16-Jährige die Erwachsenen an: „Ihr scheißt auf meine Zukunft.“ Ihre Botschaften klingen einleuchtend. Es liege auf der Hand, warum Erwachsene so wenig für den Klimaschutz tun: Die meisten würden kaum über die nächsten 30 Jahre hinaus denken, weil sie dann eben nicht mehr am Leben seien. Sie und andere Kinder dagegen schon.

Im umweltbewussten Schweden trifft Greta Thunberg damit einen empfindlichen Nerv. Das ist wohl ausschlaggebend für ihren internationalen Erfolg. Über alle gesellschaftlichen Schichten hinweg leiden Schweden derzeit buchstäblich an „Klimaangst“ und bislang nicht gekannter „Flugscham“.

Bürgerliche Zeitungen berichten ausgiebig über Greta und das Klima. So bezeichnet der stellvertretende Kulturchef der Expressen das Fliegen als „teuersten Selbstmord in der Weltgeschichte“. Auch Kronprinzessin Victoria erzählt offen davon, dass sie unter Klimaangst leide.

Dabei hätte alles ganz anders kommen können. Einige Schweden fragen sich besorgt, ob Greta ihren n Status als Weltstar auf Dauer verkraftet. Denn der Teenager ernsthaft krank. Dem Sender SVTerzählte die Schülerin das so offen, dass sich die Schweden fragten, ob sich eine 16-jährige so gänzlich der Öffentlichkeit ausliefern sollte. „Vor einigen Jahren bekam ich eine Depression, saß nur noch zuhause ‘rum, ging nicht mehr in die Schule“, erzählte Greta. Da muss sie etwa in der fünften Klasse gewesen sein. „Ich hörte auf zu essen, hörte auf zu reden, ich sah keinen Grund mehr um weiter zu leben“, bekannte sie. „Ich wurde sehr krank, war ziemlich unterernährt, verlor in zwei Monaten rund zehn Kilo.“

Gretas Kindheit ist geprägt von Essstörungen und Depressionen

Mehrere Dinge hätten zu ihrer Depression geführt, darunter auch ihre fast krankhafte Sorge um das Klima. Greta geht offen damit um, dass sie das Asperger-Syndrom hat, eine Variante des Autismus. „Das macht, das ich alles Schwarz oder Weiß sehe“, sagte sie. „Je mehr ich über den Klimawandel las, desto verzweifelter wurde ich und dann konnte ich an nichts anderes mehr denken, man steckt dann fest“, beschrieb sie den Auslöser ihres kompromisslose wirkenden Engagements. „Nichts sei Schwarz-Weiß, sagen Erwachsene, aber der Klimawandel ist genau das.“ Entweder man tut jetzt etwas Radikales oder die Menschheit stirbt aus, glaubt Greta. Ihr Klima-Engagement habe ihr aus den Essstörungen und der Depression herausgeholfen.

Greta Thunberg mit CSU-Politiker Manfred Weber im EU-Parlament in Straßburg.

„Es war ein schwieriger Prozess aber ich begann wieder zu essen“, erzählte Greta. Inzwischen ernährt sie sich ausschließlich vegan, was ihr einfacher fällt und umweltfreundlicher ist. Obwohl sie noch immer fast jeden Freitag in der Schule fehlt, geht es für Greta auch dort wieder gut , bezeugte ihr Rektor unlängst.

Von ihren Klassenkameraden hört man in schwedischen Medien allerdings wenig, oder nichts. Von ihren Eltern dafür umso mehr. Gretas berühmte Mutter Malena Ernmann leidet selbst unter ADHS, der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Die Opernsängerin und nahm 2009 mit mäßigem Erfolg (Platz 21 knapp hinter Deutschland) für Schweden am Eurovision Song Contest in Moskau teil. Unlängst verbreitete sie in einem Werbespot, dass sie nicht mehr fliegt. Greta sagte, sie habe ihre Eltern schon vor ein paar Jahren dazu gebracht, auf das Fliegen zu verzichten. „Meine Mutter musste viel fliegen für ihre Arbeit. Nun macht sie Musicals in Stockholm, wo wir wohnen!“

Ein Buch der Eltern verrät eine Menge über die Familie Thunberg

Auch habe sie ihre Eltern überredet, so wie sie selbst nur noch neue Sachen zu kaufen, die wirklich notwendig sind. „Zu Weihnachten packen mir meine Eltern Sachen ein, die ich schon besitze, aber vergessen habe. So sind die Geschenke dann trotzdem eine schöne Überraschung.“. Wie eine Ermittlerin kontrolliere sie ab und zu die Quittungen der Familie, um zu sehen, ob die Eltern irgendetwas Unnötiges gekauft haben, gestand die Tochter.

Manche Kritiker vermuten, dass Greta das putzige Kinderstar-Aushängeschild medienaffiner Eltern aus der abgehobenen schwedischen Kulturelite sei, auf die sich nun vor allem Journalisten und Klimafunktionäre stürzen. Ein Buch über die ungewöhnlich vielen psychischen Probleme in der Familie Thunberg haben die Eltern aber bereits im September 2018 veröffentlicht. Es zeichnet ein anderes, ein eher glaubwürdiges Bild.

Noch vor dem großen Medienwirbel betonte die Svante Thunberg und Malena Ernmann damals, dass sie Greta nicht beeinflusst haben, sondern umgekehrt sie ihre Eltern. Als Greta nichts mehr aß und die Blockade wirklich gefährlich wurde, habe sie den Umweltschutz entdeckt. Dadurch sei es ihr wieder besser gegangen, wie ihre Mutter im Buch schreibt. So habe sich die ganze Familie auf das Thema gestürzt – zunächst vor allem um Greta zu stützen, dann aus Überzeugung.

„Die Familie sammelte sich um Greta und dieses Thema“, schreibt die Mutter. „Wir lasen alles, was man über den Klimawandel lesen kann und sahen ein: Die Welt ist dabei unterzugehen. Wir hatte ein gemeinsames Projekt.“ Auch Gretas jüngere Schwester Beata, die sich für den Feminismus einsetzt, hatte große Probleme. Die Ärzte diagnostizierten bei der 14-Jährigen unter anderem sowohl wie bei der Mutter ADHS als auch wie bei Greta Asperger und zudem eine Zwangsstörung.

Familie zwischen Autismus und Hyperaktivitätsstörung

In ihrem Buch schildern die Eltern vor allem, wie intensiv der Alltag mit zwei Kindern sein kann, die echte psychische Probleme haben. Die Eltern hätten so sehr für ihren Zusammenhalt und das Wohlbefinden ihrer beiden Töchter gekämpft, dass Berechnung kein Motiv für Gretas Weltruhm sein könne, ist die breite Meinung der Schweden.

Die Eltern führten laut dem Buch eine schreckliche Beziehung, die von grenzenlosem Streit geprägt war. Sie waren „Mülltonnen“ füreinander, sagt Gretas Mutter. „Streit war unser Ventil, ich bin ein Gefühlsmensch.“ Auch ihr Mann könne schnell von null auf hundert gehen, erzählt sie.

Greta Thunberg  beim Weltwirtschaftsforum in Davos.
Bild: Gian Ehrenzeller, dpa

Vater Svante ist ein mäßig erfolgreicher schwedischer Schauspieler, der aber auch als Manager und Regisseur für seine umso erfolgreichere Frau arbeitet. Inzwischen ist er aber vor allem Gretas ständiger Begleiter bei Veranstaltungen und Freitagsdemos in ganz Europa. Der Alltag in der Familie Thunberg ist in der Tat speziell. Weil die jüngere Tochter Beata auch noch an Misophonie, einer starken Geräuschintoleranz, leidet, kann die Familie nie zusammen essen. Es wird ihr da zu laut, sagt die Mutter. „Wir essen zu unterschiedlichen Zeiten.“

Irritiert sind die Schweden, dass Gretas radikale Forderungen kaum inhaltliches Echo finden, und sie Lob aus den Reihen der Reichen und Mächtigen erhält. Denn wer der 16-Jährigen genau zuhört, erkennt, dass sie am liebsten den Kapitalismus abschaffen will und die auf Wachstum basierende Marktwirtschaft infrage stellt. Nicht „im System“ müsse repariert werden, sagt Greta auf fast allen Konferenzen, sondern „das System selbst“ müsse „ausgewechselt“ werden. Paradoxerweise applaudieren ihr danach die Vertreter jenes Systems und machen Selfies mit ihr.

Greta Thunberg: Wir Autisten sind irgendwie die Normalen 

Greta durchschaut dieses Spiel auf ihre Art: „Ich glaube auf gewisse Weise sind wir Autisten die Normalen, während alle anderen etwas sonderbar sind“. Sie bittet die Politik nicht mehr um Veränderung. Sie glaubt, dass die auch ohne die Volksvertreter kommt. „Weil unsere Politiker sich wie Kinder aufführen, müssen wir die Verantwortung übernehmen“, betont sie immer wieder bei den Demonstrationen, auf denen sie der Star ist. „Wenn ich nicht Asperger hätte und dadurch so sonderbar wäre, wäre ich wohl in dem sozialen Spiel hängen geblieben, in dem sich alle anderen so wohlzufühlen scheinen“, sagt Greta. „Asperger macht, dass ich meine Perspektive von außen bewahren kann und das Wesentliche sich nicht aus dem Blickfeld verliert.“

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25.04.2019

Am erbärmlichsten sind die Kommentare der Leute, die Greta und ihrer erfolgreichen Fridays-for-Future-Bewegung mit meist haarsträubend peinlichen Argumenten und Beispielen fehlendes Wissen, fehlende Berechtigung, unlautere Motive, mangelnde Glaubwürdigkeit etc. unterstellen, deren tatsächliche Agenda aber die Leugnung des menschengemachten Klimawandels ist. Und das sind nicht wenige in den Foren und sozialen Medien!
Feiglinge, wieso bekennt Ihr Euch nicht offen dazu, die aktuellen Erkenntnisse der Klimawissenschaften ohne nachhaltige Belege in Zweifel zu ziehen?
Dankbar können wir sein, dass Ihr Euch aufgrund Eures fortgeschrittenen Alters nicht mehr zum Sprachrohr der jungen Generation aufschwingen könnt!

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25.04.2019

Deutschland steigt bis 2038 aus der Kohle aus.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/kohlekommission-kohleausstieg-spaetestens-bis-2038-16009075.html

Man braucht sich als Unterstützer dieser Regelung nicht als Klimaleugner diskreditieren lassen !

Deutschland geht voran - Deutschland steigt bis 2022 aus der Atomkraft aus. Alles auf einmal geht nicht; Deutschlands große Verpflichtungen brauchen eine stabile Wirtschaft mit stabilen Steuereinnahmen. Das Bevölkerungswachstum ohne Obergrenze braucht Jobs, Wohnungen und Verkehrswege. Für eine sozial stabile Gesellschaft dürfen wir hier keine ökosozialistischen Experimente wagen.

Ein Kohleausstieg 2030 hat aktuell keine demokratische Mehrheit in diesem Land - in einer Demokratie entscheiden Wahlen und nicht Demonstrationen kleiner Gruppen. Ja diese paar Demo-Schüler sind weniger - weniger als Schüler jeden Tag mit dem Auto zur Schule gebracht werden und weniger als jeden Tag Menschen mit dem Auto durch die Stadt fahren.

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